E-Bike schon vor 30 Jahren

Eschweges erstes E-Bike: Josef Wozniczka entwickelte schon 1992 sein Elektrofahrrad

Josef Wozniczka um das Jahr 2000.
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Josef Wozniczka um das Jahr 2000.

Josef Wozniczka entwickelte bereits 1992 ein eigenes Elektrofahrrad in Eschwege. Drei Wochen lang hat er es selbst in seiner Garage gebaut.

Eschwege – Derzeit gewinnen E-Bikes im Werra-Meißner-Kreis immer mehr an Beliebtheit. Dass in Eschwege bereits in 1992 ein Elektrofahrrad erdacht, konstruiert und regelmäßig gefahren und verbessert wurde, weiß die Familie von Josef Wozniczka aus Eschwege.

Der damals 66-Jährige fuhr sein Elektrorad bereits im Februar 1992, hatte es zuvor in drei Wochen langer Arbeit in seiner Garage in Eschwege alleine gebaut. Durch seinen Beruf hatte sich der am 22. März 1925 in Friedrichshütte (Oberschlesien, heute Strzybnica) geborene Diplom-Elektroingenieur stets für die Konstruktion elektrischer Hilfsmittel interessiert. Zudem habe sein Interesse neben Musik und Sprachen dem Sport, dabei sowohl dem Tennis als auch dem Radfahren gegolten, erinnert sich Irene Wozniczka, die Ehefrau des am 5. Juli 2008 verstorbenen Josef Wozniczka.

Das Fahrrad mit elektrischem Hilfsmotor bedeutete für ihn daher eine Erleichterung, da er es den Berg zu seinem Haus hin nicht mehr hochschieben musste, sondern dank der Unterstützung hinauffahren konnte.

Möglich machten dies neben dem Akku eine am Lenker und zwei am Gepäckträger angebrachte Sonnenbatterien. Einen Schritt hin zur erneuerbaren Energie war Wozniczka bereits vor knapp 30 Jahren gegangen: Zehn Prozent des Stroms für sein Rad entstanden durch Solarkraft und ab einer Geschwindigkeit über 22 Kilometer pro Stunde konnte der Motor als Stromerzeuger für den Akkumulator genutzt werden, was vor allem die Aufladung beim Bergabfahren ermöglichte.

Eschweges erstes E-Bike: Akku reichte in Etwa für eine Strecke von 60 Kilometern

Während das einstündige Aufladen in der Sonne ausgereicht hätte, um ohne eigene Kraft acht Minuten lang mit zwölf Kilometern pro Stunde auf einer ebenen Straße zu fahren, reichte die Ladung mit dem Akku zusammen für eine Strecke von 60 Kilometern.

Wozniczka nutzte sein Rad daher nicht nur für Strecken innerhalb Eschweges, sondern für alle Strecken im Kreis, die er allein zurücklegte. Dass sein Interesse weitaus mehr dem selbst konstruierten Fahrrad als dem Auto gegolten habe, weiß Irene Wozniczka, die sich allerdings auch an negative Reaktionen erinnert. „Sie haben das nicht geglaubt, dass man mit Strom Fahrrad fahren kann“, blickt sie darauf zurück, dass einige Menschen damals über die Idee ihre Mannes gespottet haben.

Neben diesen Reaktionen habe es allerdings auf einer Messe in Kassel, zu der er mit dem Elektrofahrrad eingeladen worden war, vor allem von den Veranstaltern Begeisterung gegeben und bis heute erinnere man sich in der Nachbarschaft an seine Konstruktion, bei der die Beschaffung der Teile eine Herausforderung dargestellt hatte. Da man nötige Teile nicht wie heute hatte bestellen können, war der Diplom-Elektroingenieur kreativ geworden, hatte einiges umfunktioniert, wie sich eine seiner drei Töchter erinnert.

Selbst nach Fertigstellung des Rads ging das Arbeiten daran für ihn weiter und er verbesserte seine Konstruktion stetig. Dass es in der damaligen Zeit rund 1000 D-Mark gekostet hätte, ein solches Rad in Serie zu produzieren, schätzte Wozniczka in 1992, verschenkte sein Elektrorad schließlich.  (esr)

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