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Blick hinter die Kulissen des Cinemagic-Kinos in Eschwege: Herzstück ein Rechner

Magie trotz Moderne: Das Erlebnis Kino hat trotz modernster Technik nicht von seinem Zauber eingebüßt. Es wird dunkel, der Vorhang geht auf und die Welt verändert sich.
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Magie trotz Moderne: Das Erlebnis Kino hat trotz modernster Technik nicht von seinem Zauber eingebüßt. Es wird dunkel, der Vorhang geht auf und die Welt verändert sich.

Es gibt Orte in unserer Umgebung, da kommt man als Normalsterblicher nicht hin. Umso interessanter sind sie deshalb. In unserer neuen Serie „Hinter den Kulissen“ stellen wir diese Orte vor.

Eschwege – Der Saal wird dunkel, zu Hören ist nur vereinzeltes Knistern und Knabbern, manchmal ein Kichern und die Reste verebbender Gespräche. Der schwere Vorhang schiebt sich auseinander, gibt die Leinwand frei. Ein starker Lichtstrahl projiziert das erste Bild und dann ist jeder mit sich und den bewegten Bildern allein. Das Erlebnis Kino hat bis heute nichts von seiner Faszination eingebüßt – doch hinter den Kulissen hat sich seit der Zeit der ersten Filmspieltheater und des Stummfilmes praktisch alles verändert.

Der Vorführraum

Der sogenannte Vorführraum, wo einst von einem Vorführer laut knatternde Projektoren mit riesigen Filmrollen gefüttert wurden, ist heute ein Raum, in dem sich Rechner, Bildschirme, Beamer und ein Hauptserver aneinanderreihen. Es ist kalt dort, denn alle Geräte müssen permanent gekühlt werden. Extra Personal gibt es nicht. Die beiden riesigen Beamer, die die beiden kleineren Kinosäle B und C des Eschweger Kinos bespielen, können mit ihren armdicken Objektiven direkt durch ein Fenster in den Kinosaal schauen – an diesem magischen Blick ins Publikum und auf die Leinwand hat sich auch bis heute nichts verändert.

Das digitale Herz

Doch gesteuert wird der gesamte Kinobetrieb digital. Die Filme, die auf dem Programm stehen, kommen von den Filmverleihen auf Festplatten oder stehen zum Download bereit, erklärt die Leiterin des Eschweger Kinos, Janina Eiffler. „Abspielen können wir die Filme aber erst, wenn wir dazu einen digitalen Schlüssel bekommen haben“, sagt sie. In dem ist unter anderem auch die Information enthalten, in welchen Zeitraum der Streifen abgespielt werden kann.

Ganz ohne knatternde Projektoren und riesige Filmrollen kommt das Kino heute aus. Im Vorführraum arbeiten Beamer, Server und Rechner selbstständig.

Die Kinowerbung

Das Gleiche gilt auch für die Kinowerbung, die ebenfalls als fertige Clips in das System des Kinos eingespeist wird. Ein Computerprogramm ist das Herz des Kinobetriebes und verknüpft alle Komponenten vom Ticketverkauf an der Kasse, dem eigentlichen Film, der dazugehörigen Werbung über das Licht im Saal und den Vorhang. „Diese Dinge reden alle miteinander“, so die Theaterleiterin. Bestimmte Werbung sei an bestimmte Filme geknüpft. „Rolex beispielsweise will bei James-Bond-Filmen werben, während Ikea mit seiner legendären Todessternlampe bei Star Wars gesehen werden möchte“, sagt Janina Eiffler. Eingekauft wird die Werbung in aller Regel zentral über die Cineplex-Gruppe, zu der auch das Eschweger Kino gehört.

Das Kinoprogramm

Über das Kinoprogramm, das in Eschwege jede Woche läuft, wird im Haupthaus der Kinokette in Bad Hersfeld entschieden, erklärt Janina Eiffler, die das Haus in Eschwege seit 2015 führt. Das sind meist Mainstream-Filme und Blockbuster. Auch bei denen steht vorher fest, zu welchen Zeiten sie laufen, wie oft und wie lange. „Das sind die Filme, die in Eschwege auch gut laufen“, sagt die Leiterin, ebenso wie Horror und „gute Kinderfilme“. „Da ist das Eschweger Publikum anspruchsvoll.“

Das ist ein Kinofilm: Kinoleiterin Janina Eiffler mit einer Festplatte eines Verleihs.

Das Besondere

Um auch Cineasten, deren Geschmack etwas abseits des Mainstreams liegt, zu bedienen, gibt es zum Beispiel jeden Montagabend die Sneakpreview, in der Filme gezeigt werden, die in den nächsten Monaten auf den Markt kommen – was am jeweiligen Abend läuft, bleibt geheim. „Damit machen die Verleihe bis zum eigentlichen offizielle Filmstart Werbung, wenn über die Streifen schon mal gesprochen wird.“ Die „Sneak“ gibt es am Eschweger Kino seit zirka zehn Jahren und sie erfreut sich einer festen Fangemeinde. „Wir versuchen die Genres immer zu mischen – von Horror- über französische Arthousefilme bis zu Komödien“, sagt Janina Eiffler.

Aber auch Formate wie das Mittwochskino, in der das anspruchsvolle Kino gezeigt wird und das coronabedingt im Moment als sonntägliche Matinee stattfindet, hat großen Zulauf. „Das sind nie neue Filme, sie stammen aus dem letzten halben Jahr.“

Ein weiteres Format nennt sich „Ladys first“ und erfreut die Damen nicht nur mit Sekt und Zeitschriften, sondern auch mit Streifen wie „Fitfty Shades of Grey“ und deutsche Produktionen wie „Contra“. Für Kinder gibts derzeit die Sonntagsmatinee mit der „Augsburger Puppenkiste“.

Die Theaterleiterin

Janina Eiffler, die eigentlich Sprach- und Erziehungswissenschaften studiert hat, sagt: „Kino hat mich immer fasziniert und ich liebe Filme.“ Aber der Betrieb eines Kinos fasziniere sie fast noch mehr. Seit 2015 leitete sie das Eschweger Haus: „Hier bin ich gut aufgehoben und habe mit Menschen zu tun, dies das Gleiche mögen wie ich.“

Von Stefanie Salzmann

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