Der Agent und die Frauen

Rezension: Cornelia Kempers stellt ihren Debütroman vor

Eine Frau mit weißen Haaren steht vor einem Wald-Panorama und hält ein Buch in der Hand.
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Schauspielerin Cornelia Kempers stellt jetzt ihren Debütroman „Grenzländlinge“ vor – der teilweise in einem fiktiven Grebendorf spielt. Sie selbst stammt ebenfalls aus Meinhard.

Im Debütroman „Grenzländlinge“ von Cornelia Kempers wechseln die Handlungsorte zwischen dem Dorf Hitzel und Berlin.

Eschwege/Meinhard – Mit einem Mal ist ganz schön was los in Hitzel. Auf dem Berg, nahe der „Stasi-Röhre“, wird eine Leiche gefunden. Doch dem toten Körper fehlt der Kopf. Und er ist tiefgefroren. Die Polizei aus der Kreisstadt ist ratlos. Bis der Kopf in Berlin gefunden wird, ebenfalls tiefgefroren.

Der Tote ist ein ehemaliger Agent, der während DDR-Zeiten durch ebendiese Röhre bei Hitzel unter dem Zaun hindurch in den Westen geschleust wurde. Die Hitzler kennen den Mann, er hatte damals bleibenden Eindruck hinterlassen, besonders bei den Frauen.

In der ersten von vier Geschichten im Debütroman „Grenzländlinge“ von Cornelia Kempers wechseln die Handlungsorte im Folgenden zwischen dem Dorf Hitzel und Berlin. Im Gasthof des Dorfes wohnen einige illustre Persönlichkeiten, und auch die Gäste sind nicht weniger schillernd.

Polli zum Beispiel, ehemalige Kostümschneiderin am Theater, die aus Autositzbezügen landwirtschaftliche Kleidung näht. Sie muss dienstlich nach Berlin, wo sie ihren ehemaligen Chef trifft, einen Harvey-Weinstein-artigen Intendanten, der seine Macht gegenüber Frauen missbraucht. Nun muss Polli sich ihrem alten Trauma stellen.

Wo blieb der Agent

Derweil erinnert sich in Hitzel die Gastwirtin Irmi an ihre Zeit als Geliebte des Agenten, der ihr damals immer wieder Geld in ausländischen Währungen brachte – und eine gemeinsame Tochter hinterließ. „Den Agenten stelle ich mir als einen Mann mit vielen Talenten vor, und er verteilt sein Geld wie Robin Hood unter den Armen“, sagt Cornelia Kempers. Die vier Geschichten im Buch haben unterschiedliche Protagonisten, werden aber zusammengehalten von der Frage: Was passierte mit dem Agenten, nachdem er Hitzel verlassen hatte, und was vor seinem Tod? Und wo wurde sein Leichnam eingefroren aufbewahrt?

Die Schauspielerin und nun auch Autorin Cornelia Kempers stammt aus Grebendorf, deshalb werden Lesern von hier manche Schauplätze bekannt vorkommen, obwohl sie verfremdet wurden. Hitzel ist dabei Grebendorf (nicht etwa Hitzelrode, wie man meinen könnte). Hier wuchs Cornelia Kempers auf, bevor sie zur Schauspielausbildung nach Berlin ging.

Zwischen ihren Engagements am Theater oder in der spielfreien Zeit kam sie immer wieder zurück. Hier hat sie auch begonnen, ihren Roman zu schreiben. „Es war ein Rucksack voll mit Geschichten, den ich mit mir herumtrug, über schlimme, aber vor allem über gute Zeiten“, sagt sie. Nicht von ungefähr spielt die Welt des Theaters eine Rolle. Die Geschichte sei nicht autobiografisch, aber vom Leben inspiriert.

Geschichten kamen von allein

„Ich bin viel mit dem Zug unterwegs, wo ich auch schreibe, oder in Pausen zwischen Drehtagen.“ Manchmal schauen ihre Nebensitzer im Zug ihr über die Schulter, aber das stört die selbstbewusste Frau nicht. Vor diesem Buch hatte sie noch keine Erfahrungen mit dem Schreiben. Sie sagt: „Ich habe erst mal mit den Figuren angefangen, dann kamen die Geschichten ganz von allein.“

Ihre fast allwissende Erzählerin im Buch erzählt die Geschichten durchgängig wie mit einer Gedankenstrom-Technik, Handlungsorte wechseln in schneller Folge. So fließen die Szenen ineinander, als ob man in ein Kaleidoskop blickt, und winden sich um den roten Faden, den Agenten. (Kristin Weber)

Der Roman „Grenzländlinge“ wurde im Verlag „Dreizehnodervierzehn“ veröffentlicht. Er ist im Buchhandel unter der ISBN 978-3-948529-09-3 erhältlich.

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