„Wie trauern Männer?“

Die Erwartung, stark zu sein: Vortragsabend zum Thema „Wie trauern Männer?“

Wie trauern Männer? Darum ging es bei einem Vortrag in Eschwege. Archiv
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Wie trauern Männer? Darum ging es bei einem Vortrag in Eschwege. (Symbolfoto)

Trauern Männer anders als Frauen? Von ihnen wird oft erwartet, dass sie stark sein müssen, heißt es in einem Vortrag zum Thema „Wie trauern Männer?“.

Eschwege – „Sie können ratlos sein“, sagt Heiner Melching über den Umgang mit Trauernden, fügt hinzu, dass die meisten Ratschläge ohnehin mehr Schläge als Rat seien. Zum zweiten diesjährigen Themenabend der Reihe „Am Ende unseres Weges“ konnten Michael Nowotny vom Caritasverband Werra-Meißner und Matthias Heintz von der kirchlichen allgemeinen Sozial- und Lebensberatung des Diakonischen Werks Werra-Meißner in dieser Woche Heiner Melching begrüßen.

Der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin blickte zu Beginn kurz auf seine vielfältige Arbeit mit Trauernden zurück, wobei er seine knapp zehnjährige Tätigkeit als Geschäftsführer und Leiter der Beratungsstelle des Vereins Verwaiste Eltern und Geschwister Bremen als die Zeit bezeichnete, die seinen Blick dafür, wie Familien trauern und was die Gesellschaft in dieser Situation von ihnen erwartet, besonders geschärft habe.

Thematisch knüpfte der Vortrag „Mann – wie trauerst du? … anders als deine Frau?“ damit auch an das Theaterstück an, mit dem die Themenabende eröffnet wurden. Zunächst ging Melching auf Faktoren ein, die die Frage danach, was männlich ist, beeinflussen und erklärte, dass die Erwartungen, die vom Umfeld an trauernde Männer und Frauen formuliert werden, unterschiedlich aussehen.

„Wie trauern Männer?“: Männer sollen oft stark sein

So hören Männer, deren Kind verstirbt, häufig den Satz: „Wie geht’s deiner Frau?“ und werden mit der Erwartung, stark sein zu müssen, konfrontiert. Dass Männer seltener Trauerbegleitung in Anspruch nehmen, diese jedoch im Durchschnitt weitaus länger nutzen, verdeutlichte Melching, berichtete von seinen Erfahrungen aus der Arbeit mit trauernden Männern.

Er erklärte, dass der Rahmen der Trauerbegleitung eine Rolle spielt und dieser für Männer anders aussehen kann, Trauerbegleitung aus dem Vermitteln von Wertschätzung, dem Erlauben des Trauerns ohne daran gestellte Forderungen und der Hilfe, Ausdrucksmöglichkeiten und Bewältigungsstrategien zu finden, besteht.

„Schreiten wir zum Äußersten: Fragen wir die Betroffenen selbst“, sagte er sowohl mit Blick auf Trauer als auch auf Palliativ oft, erklärte, dass Trauer Raum, Erlaubnis, Akzeptanz und Ausdrucksform brauche. Wie relevant Kommunikation und das Zulassen eigener Gefühle und der des anderen vor allem bei trauernden Eltern ist, erklärte Melching, wies darauf hin, dass die angeblich hohe Zahl der Paare, die sich nach dem Verlust eines Kindes trennen, nicht der Wahrheit entspreche und tatsächlich sehr gering sei.

Im Gespräch mit den Zuhörerinnen und Zuhörern ging er auf Fragen und Gedanken ein, besprach unter anderem die Relevanz von Ritualen und die Idee, das Umfeld und nicht direkt Betroffene im Umgang mit Menschen während einer Krise zu schulen. Für den Vortrag mit Erlebnissen aus seiner Arbeit und auch einigen Wortwitzen, die diesen auflockerten, erhielt Melching viel Applaus.

Der nächste Themenabend findet am 20. Oktober ab 19 Uhr im Probenraum des Jungen Theaters in Eschwege mit Stefan Weiler statt und steht unter dem Titel „Letzte Lieder“. Foto: EDEN SOPHIE RIMBACH

Von Eden Sophie Rimbach

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