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Infotalk: Ländlicher Raum soll widerstandsfähig gegen Wandel und Krisen werden

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Von: Kristin Weber

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Hoher Meißner mit Schnee.
Hoher Meißner im Winter: Der Werra-Meißner-Kreis ist eine ländliche Region wie keine andere. © Lerserfoto Klaus Haase/nh

Wie kann eine ländliche Region Widerstandskräfte gegen Krisen und Veränderungen aufbauen? Darüber informierte Experte Alistair Adam Hernández beim Vereins für Regionalentwicklung.

Werra-Meißner – Alistair Adam Hernández ist Experte für resiliente Dörfer. Der Wissenschaftliche Mitarbeiter an der Akademie für Raumentwicklung in der Leibniz-Gemeinschaft in Hannover hat über das Thema seine Doktorarbeit geschrieben. Wie kann eine ländliche Region Widerstandskräfte gegen Krisen und Veränderungen aufbauen? Auf Einladung des Vereins für Regionalentwicklung Werra-Meißner referierte er über das Thema „Resilienz in ländlichen Räumen“.

Der Vortrag war Teil der Erarbeitung der lokalen Entwicklungsstrategie Werra-Meißner für die Jahre 2023 bis 2027 – weitere Landkreise, die sich ebenfalls bewerben, Leader-Region zu werden und Fördermittel der EU zu erhalten, hatten sich zum Online-Videogespräch hinzugeschaltet. Etwa die Arbeitsgemeinschaften des Kreises Hersfeld-Rotenburg, des Vogelsbergkreises oder auch des mittleren Schwarzwaldes.

„Viele Leute glauben, dass ländliche Räume in Zeiten von Krisen resilienter sind als Ballungsräume, schließlich sind sie überschaubarer, die Menschen wohnen dort, wo andere Urlaub machen“, sagte der Wissenschaftler. „Doch Krisen wirken auch in ländlichen Räumen.“ Die Frage sei, wie sich eine Region widerstandsfähig machen kann gegen Veränderungen – etwa in der Demografie. Ziel ist es, krisenfester zu werden.

Dörfer haben auf unterschiedlichen Wegen nach zukunftsfähigen Lösungen gesucht.

Dazu hatte Alistair Adam Hernández drei Dörfer in England, Spanien und Deutschland untersucht. Alle Dörfer haben auf unterschiedlichen Wegen nach zukunftsfähigen Lösungen gesucht.

In Wooler in England haben die Dorfbewohner eine gemeinsame Entwicklungsgesellschaft gegründet, um für sozialen Wohnungsbau selbst zu sorgen. In Albarracin in Spanien wurden die Kunstschätze des Ortes herausgeputzt: So wurde einerseits ein Zentrum für Restauration und altes Bauhandwerk geschaffen, das junge Leute in den Ort holt und Zukunft bietet und zugleich den Tourismus ankurbelt.

In Oberndorf an der Oste in Deutschland haben die Bürger unterschiedliche Stiftungen, Genossenschaften und Initiativen gegründet mit dem Ziel, die Erlöse für die Dorfentwicklung zu nutzen. Nicht alle Projekte haben funktioniert. Dennoch haben die Bürger nicht aufgegeben. „Was können der Werra-Meißner-Kreis und andere ländliche Regionen für ihre lokale Entwicklungsstrategie daraus lernen?“, fragte sich nun die Diskussionsrunde. Wichtigster Punkt sei, dass die Menschen am Ort etwas verändern wollen, dass es engagierte Menschen gebe, die vorausgehen und andere mitziehen.

Es lohnt sich, nicht in Schubladen zu denken

Die Beispiele zeigten, dass Geld nicht das größte Problem war, wenn die Einwohner erst mal festgestellt hatten, dass sie ein gemeinsames Anliegen haben. Aber dazu müssten sie zusammengebracht werden. Und man brauche einen langen Atem. Auch in den vorgestellten Dörfern brauchten die Ideen viele Jahre, bis sie Früchte trugen.

„Wer Veränderungen vorantreiben will, muss wissen, dass auch Konflikte vorprogrammiert sind“, warnte Hernández auch. Sabine Wilke vom Verein für Regionalentwicklung hat aber auch gute Erfahrung gemacht: „Gute Ideen entstehen, wenn viele sehr unterschiedliche Akteure am Tisch sind.“ Es lohne sich, nicht in Schubladen zu denken, sondern spartenübergreifende Visionen zu entwickeln.

Die Erarbeitung der lokalen Entwicklungsstrategie Werra-Meißner wird fortgesetzt mit zwei Online-Workshops am 14. Februar ab 17 Uhr (Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse und ländlicher Tourismus) und am 16. Februar ab 17 Uhr (Wirtschaftliche Entwicklung und Bioökonomie). Alle Bürger des Kreises können sich beteiligen.

Kontakt

Info: vfr-werra-meissner.de oder: per Telefon: 0 56 51/7 05 11, Mail: info@vfr-werra-meissner.de

Von Kristin Weber

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