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Ehemalige Discos der Region: So wurde im Dandy-Club am Steinweg in Eschwege gefeiert

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Von: Stefanie Salzmann

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Immer im feinen Zwirn: Dandy-Club-Gründer Uwe Jantz (rechts) legte Wert auf Eleganz und Stil im Club. Er führte Eschweges angesagtesten Laden bis 1972.
Immer im feinen Zwirn: Dandy-Club-Gründer Uwe Jantz (rechts) legte Wert auf Eleganz und Stil im Club. Er führte Eschweges angesagtesten Laden bis 1972. © Privat/nh

Winterzeit ist Discozeit – zumindest früher einmal. 50 Jahre bestimmten die Tanzschuppen die Abendgestaltung. Heute gibt es keine einzige mehr in der Region. Wir erinnern uns an ehemalige Discos wie den Dandy-Club.

Eschwege – Der Dandy hat keinen anderen Beruf als die Eleganz, heißt es. Dennoch oder gerade deshalb schafften es viele von ihnen zu einiger Berühmtheit wie George Brummel, Lord Byron, Thomas Carlyle, Barbey d´Aurevilly, Charles Baudelaire und Oscar Wilde.

Und sie waren alle lange tot, als Uwe Jantz 1968 den Dandy-Club am Steinweg in Eschwege eröffnete. „Das war für Eschwege was ganz neues“, sagt Jantz heute. Einer seiner ersten Mitarbeiterinnen erzählt: „Hier hat die Hautevolee Eschweges gefeiert. Das war der Hit in der Stadt.“

Die Damen in schicken Kleidern, für die Herren herrschte Krawattenzwang, die Getränke waren erlesen. Wer im Dandy-Club feiern wollte, musste zumindest in der ersten Zeit Clubmitglied sein. „Wir haben aufgepasst, dass nur erwünschte Personen reinkamen. Rabauken oder solche, die schon torkelten, mussten draußen bleiben“, erzählt Jantz. „Für die war der Club halt voll.“

An sechs Tagen die Woche war der Club am Alten Steinweg geöffnet.
An sechs Tagen die Woche war der Club am Alten Steinweg geöffnet. © Privat/nh

Zur Eröffnung des Dandy-Clubs hatte der damals blutjunge Uwe Jantz Chris Howland als Stargast eingeladen. Howland sollte um 20 Uhr anfangen, kam um 22 Uhr und brauchte erst mal eine Flasche Whisky, bevor er passabele Bühnenreife hatte, erinnert sich Uwe Jantz. „Um 23 Uhr ging es dann doch los und dann war es eine wirklich ziemlich rauschende und ziemlich laute Nacht.“

Stars und Sternchen jener Zeit gaben sich Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre im Eschweger Dandy-Club die Klinke in die Hand: Heino, Gabi Bergner, Soulful Dynamics, Jonny Hill, Graham Bonney, Peter Orloff, Judith und Mel oder Gabi Barginski. „Das war eben die Discomusik dieser Zeit“, sagt Jantz. Die Rockära begann gerade so. Neben den Live-Musikern beschäftigte Uwe Jantz von Beginn an DJs, deren Engagements jeweils ein halbes Jahr dauerten.

Der Dandy-Club hatte sechs Tage die Woche geöffnet, aber offiziell war um 1 Uhr nachts Schluss, denn in der Bundesrepublik galt die Sperrstunde. Einzige Ausnahme bildete damals Berlin. „Ja, um eins haben wir die Tür abgeschlossen und dann ging´‘s es erst richtig ab“, weiß eine der Barfrauen von damals.

Rauschende Nächte und neue Cocktails

„Der Laden war so schick. Zur Silvesterparty 1968/69 mussten wir in Abendkleidern bedienen“, erzählt die ehemalige Angestellte. Von diesen rauschenden Nächten gab es so einige. Nach einer Fernsehsendung, die in der Heuberghalle in Eschwege aufgezeichnet worden war, kam das Fernsehteam zum Abfeiern in den Dandy-Club.

„Die Musik war damals so laut, dass sie noch am Stad zu hören gewesen war“, erinnert sich Jantz, der aber Wert darauf legt, dass er in der Nacht nicht im Club war. Dann kam die Polizei und machte den Laden zumindest für diese Nacht dicht.

Alles andere als ordinär und gewöhnlich und vor allem für die hessische Kleinstadt ein Novum waren die Getränke. „Damals hab ich das Cocktailmixen gelernt“, sagt Uwe Jantz. Es gab Gin Fizz, Lemon Sour und vor allem Whisky mit und ohne Mix. „Außerdem haben wir damals Pernod bekannt gemacht.“

Die Soulful Dynamics bei ihrem Auftritt im Eschweger Dandy-Club.
Die Soulful Dynamics bei ihrem Auftritt im Eschweger Dandy-Club. © Privat/nh

Der Dandy-Club machte seinem Namen zumindest in den ersten Jahren alle Ehre und das, obwohl der Name eher einem Zufall entsprang. Denn als Uwe Jantz während der Planungen zur Cluberöffnung mit einem Freund in einem Club in Kassel saß, brüteten sie über einem Namen für ihr Projekt und einigten sich darauf, dass der nächste Song entscheiden sollte. Das war „Dandy“ von den Kinks.

Bis 1972 führte Uwe Jantz den Dandy-Club, dann stieg Jantz aus und vermietete das Gebäude am Alten Steinweg 4/ Ecke Marktstraße. Andere Betreiber und andere Gäste kamen. Clubmitgliedschaft war nicht mehr zwingend. Dennoch blieb der Dandy-Club noch viele Jahre eine der angesagtesten Läden der Stadt.

Zwischen 1974 und 1987 nannte sich das Lokal zuerst „Rose Garden“, dann „Galaxis“ und ab 1987 wieder Dandy-Club. Im Juni 1991 war der Club endgültig Geschichte. In den Räumen eröffnete das Optikergeschäft „Brille und Linse“.

Von Stefanie Salzmann

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