Interview mit Gynäkologin

Eine von acht Frauen erkrankt im Laufe ihrs Lebens an Brustkrebs

Das Brust-Screening kann bei der frühen Erkennung von Brustkrebs bei Frauen helfen.
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Das Brust-Screening kann bei der frühen Erkennung von Brustkrebs bei Frauen helfen.

Etwa eine von acht Frauen erkrankt im Laufe ihrs Lebens an Brustkrebs. Mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko. Wir haben mit Gynäkologin Dr. Christine Riechmann, gesprochen.

Werra-Meißner – Der Oktober ist der Brustkrebsmonat und macht auf die Erkrankung aufmerksam. Unser Interview mit der leitenden Oberärztin der Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum in Eschwege:

Welche Risikofaktoren gibt es beim Brustkrebs?
Das Risiko steigt ab dem 40. und insbesondere ab dem 50. Lebensjahr. Ab dem 70. sinkt es wieder. Risikofaktoren sind zum Beispiel Rauchen sowie Übergewicht durch fettreiche Ernährung – insbesondere durch zu viel tierische Fette wie fettes Fleisch oder Vollmilchprodukte. Diabetes Typ 2, Bewegungsmangel, Alkoholkonsum und eine Hormonersatztherapie mehr als fünf Jahre lang gehören unter anderem auch dazu. Auch die Vererbung spielt in fünf bis zehn Prozent der Fälle eine Rolle – Frauen, bei denen eine Verwandte ersten Grades an Brustkrebs erkrankt ist, tragen ein etwa zweifach erhöhtes Risiko an Brustkrebs zu erkranken.
Wie kann Brustkrebs erkannt werden?
Vorsorgen und vorbeugen kann jede Frau selbst durch einen gesunden Lebensstil. Durch die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt kann der Krebs so früh wie möglich entdeckt werden – denn je früher ein bösartiger Tumor erkannt wird, desto größer ist die Chance auf Heilung. Die Kosten für diese Früherkennungsuntersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Welche Untersuchungen gibt es?
Bei Frauen zwischen 30 und 49 und ab 70 Jahren werden die Brustdrüsen und die Lymphknoten in den Achselhöhlen, am Schlüsselbein und Brustbein einmal jährlich abgetastet. Für Frauen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr kommt zusätzlich das Mammografie-Screening, die Röntgenuntersuchung der Brust, alle zwei Jahre dazu. Für Frauen, in deren Familie gehäuft Brustkrebs in jungem Alter vorkommt und bei denen eine genetische Veränderung nachgewiesen wurde, wird bereits ab dem 25. Lebensjahr oder fünf Jahre vor dem jüngsten Erkrankungsalter in der Familie eine Tast- und Ultraschalluntersuchung alle sechs Monate empfohlen. Hinzu kommt eine Kernspintomografie (MRT) einmal im Jahr. Zudem soll ab dem 40. Lebensjahr ein- bis zweimal jährlich eine Mammografie vorgenommen werden.
Wie kann eine Frau selbst Auffälligkeiten entdecken?
Jede Frau sollte möglichst einmal im Monat ihre Brust zu Hause selbst abtasten. Zusätzlich zu den Routineuntersuchungen beim Gynäkologen ist diese Selbstuntersuchung ratsam: Denn etwa 80 von 100 Patientinnen haben ihren Tumor selbst beim Abtasten der Brust entdeckt.
Wie geht es weiter, wenn tatsächlich Krebs festgestellt wird?
Viele Frauen können heute brusterhaltend operiert werden. Wenn es sich um einen großen Tumor handelt, lässt sich dieser gegebenenfalls durch eine vorgeschaltete medikamentöse Therapie (Chemotherapie) verkleinern. Danach schließt sich eine Strahlentherapie an. Wenn eine brusterhaltende Operation nicht mehr möglich ist und die Brust abgenommen werden muss, gibt es verschiedene Möglichkeiten zur Rekonstruktion: Von der BH-Prothese über operativ eingesetzte Silikonimplantate bis hin zum Brustaufbau mit körpereigenem Gewebe.
Die Diagnose Brustkrebs ist auch eine psychische Belastung. Wo bekommen Betroffene Hilfe?
In jeder Phase der Erkrankung kann psychoonkologische Hilfe zurate gezogen werden – also rund um die Diagnose, während der Therapie, nach der Erkrankung und beim Wiedereinstieg in den Alltag. Die akute psychoonkologische Hilfe wird im Krankenhaus angeboten. Nach der Erkrankung steht der Patientin eine Rehabilitation in einer Reha-Klinik mit psychoonkologischer Versorgung zu. Ambulant können Psychoonkologen auch konsultiert werden. Im ländlichen Bereich ist das Versorgungsnetz manchmal nicht engmaschig genug, sodass auch Psychologen, Selbsthilfegruppen oder Beratungsstellen weiterhelfen. (Julia Stüber)

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