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Impfpflicht bei medizinischen Berufen: Großteil im Kreis geimpft, Einzelne verweigern

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Von: Jessica Sippel

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Coronavirus - Impfaktion in der Semperoper
Impfpflicht bei medizinischen Berufen: Großteil im Kreis geimpft, Einzelene verweigern © Robert Michael / dpa

Großteil des medizinischen Personals im Werra-Meißner-Kreis geimpft, wer bis zum 15. März nicht geimpft ist, muss mit Konsequenzen rechnen.

Werra-Meißner – Bis zum 15. März müssen Beschäftigte von beispielsweise Kliniken, Pflegeheimen, Arztpraxen und Rettungsdiensten ihrem Arbeitgeber einen Nachweis über eine abgeschlossene Impfung gegen Covid-19, einen Genesenennachweis, oder ein ärztliches Attest, dass sie nicht geimpft werden können, vorlegen. „Ab dem 16. März 2022 ist ohne Vorlage eines entsprechenden Nachweises keine Aufnahme der Tätigkeit in den betroffenen Einrichtungen mehr möglich“, heißt es vonseiten der Bundesregierung zu der Anpassung des Infektionsschutzgesetzes. Für Impfverweigerer kommt das einem Berufsverbot gleich. 

Mehr als der überwiegende Großteil des medizinischen Personals ist im Werra-Meißner-Kreis längst gegen das Virus geimpft. Dennoch gibt es vereinzelt Fachkräfte, die sich gegen eine Coronaimpfung weigern, sogar mit Kündigungen drohen, wie unsere Zeitung von mehreren Quellen erfahren hat, die aber anonym bleiben wollen.

Viele holen Impfung nach

Wer zum Stichtag 15. März nicht geimpft ist, muss mit Konsequenzen rechnen. „Wir sind verpflichtet, dies entsprechend ans Gesundheitsamt zu melden. Das Gesundheitsamt kann theoretisch ein Betretungsverbot für nicht geimpfte Mitarbeiter ab diesem Tag aussprechen“, erklärt Christoph Rolf Maier, Geschäftsführer des Klinikums Werra-Meißner. Ob es in seinen Krankenhäusern in Eschwege und Witzenhausen Angestellte gibt, die ihren Job kündigen werden, wisse er nicht. Vereinzelte, nicht geimpfte Mitarbeiter hätten gegenüber Vorgesetzten aber Unmutsbekundungen und Abwanderungsgedanken geäußert.

Gleichzeitig hätten Mitarbeiter wegen der Pflicht ihre Impfung nachgeholt. „Wie viele am 15. März noch ungeimpft sind oder gar kündigen, wird sich zeigen“, sagt Maier. Doch auch, wenn man schwer auf Fachpersonal verzichten könne, sieht er die gesundheitliche Versorgung nicht in Gefahr. Engpässe könne man kompensieren.

Auch in Seniorenzentren im Kreis ist die Impfpflicht ein diskutiertes Thema. Wie etwa Torsten Rost, Geschäftsführer der Diacom Altenhilfe in Eschwege, mitteilt, betrage die Impfquote in seinen Einrichtungen zwischen 93 und 94 Prozent. Die verbleibenden sechs bis sieben Prozent wolle er mit rationalen Argumenten überzeugen. „Die Impfung ist das beste Mittel, das uns gegen die Pandemie zur Verfügung steht“, sagt er.

Dr. Christian Köhne aus Bad Sooden-Allendorf bestätigt, dass es auch bei Zahnarztpraxen die Diskussion gibt. „Gerade bei uns halte ich die Impfpflicht aber für sinnvoll, denn enger als bei uns Zahnärzten oder den Hals-Nasen-Ohren-Ärzten geht es kaum.“ Er denke nicht nur an den Schutz der Patienten, sondern auch an seine Mitarbeiter.

„Wir brauchen eine solidarische Gesellschaft, keine egoistische.“

„Es ist völlig unstrittig, dass jede einzelne Pflegekraft, die – aus welchen Gründen auch immer – aus dem Pflegeberuf aussteigt, ein Verlust für die Gesellschaft ist“, sagt Torsten Rost, Geschäftsführer der Diacom Altenhilfe in Eschwege, mit Blick auf die zunehmende Alterung der Gesellschaft und den ohnehin bereits existierenden Pflegenotstand.

Eine Impfpflicht im Gesundheitswesen werde daran aber nicht die Hauptlast tragen sagt er, die Versorgung sei weiter sichergestellt. Er betont aber auch: „Wir brauchen eine solidarische Gesellschaft, keine egoistische.“

Als diakonisches Unternehmen, das fast ausschließlich für kranke, hochaltrige und pflegebedürftige Menschen da ist, stehe Rost voll zu der gesetzlichen Impfpflicht. Es gehe immerhin auch darum, genau diese Menschen besonders zu schützen und auch für die Mitarbeiter ein sicheres Arbeitsumfeld zu schaffen. Der Betrieb trage die Verantwortung dafür.

Ein sicheres Arbeitsumfeld wünscht sich auch Zahnarzt Dr. Christian Köhne für seine Mitarbeiter und Patienten. „Ich wünsche mir für uns eine 3-G-Regelung“, sagt er. Denn behandeln müsse und wolle er unabhängig vom Impfstatus jeden Menschen, die Sicherheitsvorkehrung seien gerade beim Zahnarzt extrem hoch, immerhin trage der Patient keine Maske, es wird im Mundraum gearbeitet. Daher halte er eine Impfpflicht in seinem Berufsfeld für sinnvoll. „Soweit ich weiß, sind in unseren Bereichen noch nie Infektionen ausgebrochen. Trotzdem wäre es ein besseres Gefühl, wenn wir wüssten, dass die Patienten, die wir behandeln, getestet sind“, sagt er.

Klinikum begrüßt auch allgemeine Impfpflicht

„Generell ist die Impfpflicht für medizinisches Personal eine gute Sache, um Mitarbeiter und Patienten gleichermaßen zu schützen“, sagt Christoph Rolf Maier, Geschäftsführer des Klinikums Werra-Meißner. Als Vertreter der Schulmedizin sei er von der Wirksamkeit der Impfungen, die vor einem schweren Krankheitsverlauf schützen, überzeugt. „Dass einzelne Mitarbeiter sich nicht impfen lassen wollen, ist schwer nachvollziehbar. Wir versuchen dahingehend intern Überzeugungsarbeit zu leisten, können und wollen aber niemanden zwingen“, verdeutlicht er.

Eine allgemeine Impfpflicht würde er begrüßen: „Unseres Erachtens nach ist die allgemeine Impfpflicht der einzige Weg aus der Endlosschleife der Pandemie und die Chance, das Personal auf den Covid-Stationen zu entlasten.“ Eine allgemeine Impfpflicht könnte den positiven Nebeneffekt haben, dass medizinische Einrichtungen kein Personal verlieren, das eine Impfung umgehen möchte, weil dann überall anders auch Impfpflicht herrscht.

Von Jessica Sippel

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