Patenschiff Tender „Werra" rettete Menschen vor libyscher Küste

Mit Tarnnetzen vor der Sonne geschützt: Die Männer kamen auf das Hubschrauberlandedeck des Tender „Werra“. Frauen und Kinder wurden auf dem geschützten Decksbereich vor dem Aufbau untergebracht. Foto: Bundeswehr/Kleemann

Eschwege. Eschweges Patenschiff Tender „Werra" hat bei seinem ersten Einsatz im Mittelmeer 627 Menschen vor der libyschen Küste aufgenommen.

Das bestätigte jetzt der Pressesprecher für Marineeinsätze Bastian Fischborn gegenüber unserer Zeitung. Die Menschen trieben in einem „völlig überladenen Holzboot“, rund 30 Seemeilen nordwestlich von Tripolis.

Die Besatzung des Tender „Werra“ versorgte die Schiffbrüchigen und brachte sie im italienischen Hafen Reggio Calabria an Land, wo die Flüchtlinge an die italienischen Behörden übergeben wurden. Es war die erste Hilfsaktion, die die Besatzung des in Kiel stationierten Marinebootes leisten musste. Seit fast drei Wochen ist das Schiff, zu dem die Kreisstadt Eschwege seit 1963 eine Patenschaft pflegt, im Mittelmeer unterwegs, um Flüchtlinge aufzunehmen. Bislang war der Seegang aber zu stark, so dass keine Flüchtlingsboote von Afrika aus Richtung Europa in See stachen.

Unter den jetzt Geretteten waren 115 Frauen und 41 Kinder. Die Überführung der Flüchtlinge von ihrem Holzboot auf den Tender dauerte fast fünf Stunden. „Die Flüchtlinge wurden in kleinen Gruppen in eine Rettungsinsel geholt und dann von den Speedbooten zum Tender geschleppt“, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos. An Bord wurden die Geretteten nach Angaben der Marine getrennt. Die Männer kamen auf das Hubschrauberlandedeck oder das Vorschiff. Frauen und Kinder wurden auf dem geschützten Decksbereich vor dem Aufbau untergebracht. Die Aufenthaltsbereiche der „Werra“ wurden mit Tarnnetzen als Sonnenschutz überspannt. Die Kombüse war fortan im Dauerbetrieb. Die für bis zu 100 Menschen ausgelegte Küche produzierte rund um die Uhr Mahlzeiten. Leichte Speisen wie Reis, Gemüse und Hühnchen waren gefragt.

Das leere Flüchtlingsboot wurde von der „Werra“ an die italienische Korvette „Commandante Bettica“ übergeben, die das Boot versenkte. Im Verhältnis zur Schiffsgröße war es die bis dato größte Rettung eines deutschen Marineschiffes. Seit Mai retteten Schiffe der Deutschen Marine bis heute insgesamt 5673 Menschen im Mittelmeer: 4254 Männer, 1010 Frauen und 409 Kinder.

Von Tobias Stück

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