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29-Jähriger aus dem Werra-Meißner-Kreis wegen Drogenhandels verurteilt

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Von: Stefanie Salzmann

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Eine Statue der Justitia steht mit Waage und Schwert in der Hand.
29-jähriger Mann aus Landkreis wegen Drogenhandels verurteilt © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Zu zwei Jahren Haft auf Bewährung wurde ein 29-Jähriger aus dem Werra-Meißner-Kreis beim Amtsgericht in Eschwege wegen Drogenhandels verurteilt. „Er soll eine Chance bekommen“, hieß es.

Eschwege – Trotz eines langen Vorstrafenregisters, Straftaten unter anderem während einer Bewährungszeit, und einer beinah lückenlos kriminellen Biografie, ist ein 29-jähriger Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis am Dienstag wegen Drogenhandels zu einer vergleichsweise milden Strafe vor dem Amtsgericht Eschwege verurteilt worden. Zwei Jahre Freiheitsstrafe, die das Gericht zu einer vierjährigen Bewährung aussetzte, lautete das Urteil der Vorsitzenden Richterin Schmidt.

Ihr Urteil begründete die Richterin damit, dass der Angeklagte, der selbst seit seinem 13. Lebensjahr drogenabhängig ist, nicht nur gleich nach seiner Verhaftung ein umfängliches Geständnis abgelegt hatte, sondern den Ermittlungsbehörden zudem Namen aus dem Drogenring genannte hatte.

Doch nicht nur Geständnis und sein Auspacken sorgten für das milde Urteil. „Der Angeklagte ist auf einem guten Weg, um seine Drogenproblematik zu bewältigen“, sagte Richterin Schmidt über den verheirateten Vater dreier Kinder in ihrer Urteilsbegründung. „Er soll eine Chance bekommen.“ Zudem berücksichtigte das Gericht den in gewisser Weise tragischen Lebenslauf des Mannes.

Angeklagt war der 29-Jährige in sieben Fällen des Handels mit Marihuana in nicht „geringer Menge“. Die Taten, für die er jetzt vor Gericht stand, hatten sich alle zwischen April und August 2020 ereignet. Der Mann war im August 2020 gemeinsam mit drei anderen Männern, die er als Drogenkuriere engagiert hatte, bei Sontra festgenommen worden. Bei dem Zugriff hatten die Beamten in einem der drei Fahrzeuge ein Kilo Marihuana sichergestellt. Den Stoff bezog er von einem Händler aus Rotenburg.

Der Angeklagte, der aussagte, dass er zu diesem Zeitpunkt neben reichlich Marihuana bis zu 15 Gramm Kokain innerhalb von zwei bis drei Tagen im Schnitt konsumierte, kam in Untersuchungshaft und ist seither nach seinen Angaben clean.

Drogenentzug im vergangenen Jahr

Zwischen Juni und November vorigen Jahres befand er sich in einer Klinik zum Drogenentzug und jetzt in ambulanter Therapie. Die Einrichtung bescheinigt ihm neben einem erfolgreichen Entzug und Therapie eine gute Prognose. Das bestätigte auch sein Verteidiger Werner Momberg: „Er will aus der Szene raus. Das ist nicht ungefährlich und stellt seine Ernsthaftigkeit unter Beweis.“ Und selbst die Staatsanwaltschaft folgte dieser Einschätzung.

Der Angeklagte war bis zu seinem 13. Lebensjahr behütet bei seiner Mutter aufgewachsen. Als die Mutter heiratete, kam es zu massiven Streiterein zwischen dem Jungen und dem neuen Mann. Während eines Klinikaufenthaltes setzte der neue Partner der Mutter den Jungen auf die Straße. „Hier begann seine Entwurzelung und sein Weg auf die schiefe Bahn“, sagte die Rechtspsychologin, die als Gutachterin im Prozess aussagte.

Wie sie schildert, war der Junge fortan auf sich gestellt, habe auf der Straße oder bei Bekannten gelebt und dort extrem traumatische Dinge erlebt, wie die brutale Vergewaltigung einer Frau, sei zu Raubüberfällen und anderen Straftaten animiert worden. Zu diesem Zeitpunkt begann er auch Marihuana zu konsumieren, landete in Heimen und zuletzt in einer der Jugenderziehungsheime der „Haasenburg GmbH“, die 2013 wegen schwerer Misshandlungsvorwürfe gegen die Jugendlichen geschlossen wurden. Nachdem er mit 16 das Heim verlassen konnte, landete er im Jugendgefängnis, geht dann nach Berlin, wo er weitere Straftaten begeht.

Eine Berufsausbildung macht er nicht. Als seine Partnerin, mit der er auch ein Kind hat, sich von ihm trennt, stürzt er weiter ab und beginnt massiv Kokain zu konsumieren. Um an Geld zu kommen, verkauft er beinahe alle Habseligkeiten seiner neuen Freundin, mit der er inzwischen im Werra-Meißner-Kreis lebt und handelt bis zu seiner Verhaftung im August 2020 gleichzeitig selbst mit Drogen, um seinen Konsum zu finanzieren.

Seit dem Abschluss seiner Entwöhnungstherapie im November vorigen Jahres verbringe er viel Zeit mit seinen Kindern, treibe Sport und bemühe sich um Arbeit. Er räumte ein, dass er noch immer „großen Suchtdruck“ verspüre. „Ich bin dankbar für die Therapie. Jetzt muss ich Arbeit finden, um Verantwortung für meine Familie zu übernehmen“, sagte er zum Ende der Verhandlung.

Von Stefanie Salzmann

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