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80 Jahre später: Erinnern an die Deportation der 55 letzten jüdischen Mitbürger aus Eschwege

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Mit einem Schweigemarsch gedachten zahlreichen Menschen vor zehn Jahren den 55 Deportierten.
Mit einem Schweigemarsch gedachten zahlreiche Menschen vor zehn Jahren den 55 Deportierten. © Carl-Heinz Greim

Eschwege erinnert an die dritte und letzte Deportation am 6. September 1942. Die Gedenkveranstaltung findet am Montag (5. September) statt.

Eschwege – An die Deportation der letzten jüdischen Mitbürger aus Eschwege erinnert 80 Jahre später eine Gedenkveranstaltung. Sie soll am Montag (5. September) ab 18 Uhr vor und in der ehemaligen Synagoge auf dem Schulberg (heutige neuapostolische Kirche) stattfinden.

Die 55 Jüdinnen und Juden hatten sich am 6. September 1942, dem Tag der dritten und letzten Deportation, vor der ehemaligen jüdischen Schule in der Schulstraße versammeln und unter Aufsicht zum Bahnhof gehen müssen. Von dort aus wurden sie mit dem Zug über Kassel nach Theresienstadt deportiert.

Schweigemarsch vor zehn Jahren

Am Stadtbahnhof steht seit der Gedenkveranstaltung 2012 ein Bronzekoffer. Er erinnert seither an die Deportation und die Menschen, die Opfer des nationalsozialistischen Regimes wurden. Stellvertretend ist darauf der Name der damals 17-jährigen Gisela Levi zu lesen. Sie war eine der 55, die am 6. September 1942 um 5:23 Uhr in den Zug steigen mussten.

Unter denjenigen, die vor zehn Jahren mit einem Schweigemarsch vom Schulberg zum Bahnhof an die Eschweger Juden erinnert haben, waren viele Jugendliche aus örtlichen Schulen. Der Weg durch Eschwege in der Dunkelheit hatte viele nachdenklich werden lassen.

Mit Steinen, auf denen die Namen der Deportierten zu lesen waren, ließen sie diese sichtbar werden. Abgelegt wurden diese neben dem Koffer. Entstanden war der Erinnerungsort durch die Initiative von Jochen Schweitzer und anderen Bürgern.

Steine werden an die Namen der deportierten Menschen erinnern

Am Koffer werden Schüler im Anschluss an das Gedenken auf dem Schulberg auch in diesem Jahr Steine mit den Namen der 55 deportierten Jüdinnen und Juden, von denen 45 direkt aus Eschwege und die weiteren zehn aus der Umgebung kamen, ablegen.

Zuvor werden auf dem Schulberg Berichte von Deportierten, die den Holocaust überlebt haben, vorgelesen. Beleuchtet werden soll auch, wie nichtjüdische Menschen aus Eschwege von der Deportation erzählt haben. „Dabei werden wir an den menschenverachtenden Vernichtungswillen der Nationalsozialisten erinnern“, heißt es in einer Pressemitteilung über die Veranstaltung der Kreisstadt Eschwege.

Mitgestaltet wird sie von drei Schülern der Anne-Frank-Schule in Eschwege gemeinsam mit Melanie Salewski, einem Schüler des Geschichts-Leistungskurses des Oberstufengymnasiums in Eschwege, Mitgliedern des Vereins Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis, der Stadtkirchengemeinde Eschwege und der Neuapostolischen Kirche Eschwege.

„Diese Erinnerungskultur ist uns sehr wichtig“, erklärt Dr. Annika Spilker, Leiterin des Stadtarchivs und des Stadtmuseums. Froh sei man auch darüber, dass sich engagierte Menschen beziehungsweise Gruppen gefunden haben, die die Veranstaltung mitgestalten. (Eden Sophie Rimbach)

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