Sozialstunden nach Raserei

Mit 200 km/h über die Bundesstraße: 19-jähriger Raser verletzt drei Mitfahrer bei Autounfall - Urteil

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Wurde gestern in Eschwege verhandelt: der Fall des 19-jährigen Rasers.

Ein 19-Jähriger aus dem Werra-Meißner-Kreis wurde von Jugendrichterin Elke Sprenger am Montag in Eschwege zu 120 Sozialstunden verurteilt und verlor außerdem seinen Führerschein.

  • Ein heute 19-Jähriger aus dem Werra-meißner-Kreis hatte im März einen schweren Unfall verursacht.
  • Mit 200 km/h war er über die Bundesstraße gerast.
  • Bei Eltmannshausen verlor er die Kontrolle, drei Mitfahrer wurden verletzt.

Die Fahrerlaubnis darf ihm frühestens ein weiteres Jahr nach Rechtskraft des Urteils wieder von der Verkehrsbehörde ausgestellt werden. 

Unfall im März 2019: Drei Mitfahrer wurden verletzt

Der junge Mann, der am Montag seinen 19. Geburtstag feierte, hatte im März vergangenen Jahres in Eltmannshausen einen schweren Verkehrsunfall verursacht, bei dem drei Mitfahrer verletzt wurden

Zuvor war der Verurteilte mit zum Teil weit überhöhter Geschwindigkeit auf den Straßen im Werra-Meißner-Kreis unterwegs. Seine Mitfahrer berichteten während ihrer Zeugenaussagen vor dem Jugendgericht davon, dass der Angeklagte den schweren Geländewagen seines Vaters mit mehr als 200 Kilometern pro Stunde über die Bundesstraßen des Werra-Meißner-Kreises steuerte. 

Mit 16 Jahren Auto des Vaters zu Schrott gefahren

Ein Polizeibeamter sagte aus, dass der 19-Jährige mehrfach auch bei früheren Gelegenheiten im Straßenverkehr negativ aufgefallen sei. Unter anderem hatte der Angeklagte mit 16 Jahren ein Auto seines Vaters zu Schrott gefahren. 

Führerscheinentzug für den Unfallverursacher

Jugendrichterin Sprenger blieb mit ihrem Urteil unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die über das verhängte Strafmaß hinaus – wie auch von der Jugendgerichtshilfe angeregt – einen Freizeitarrest wollte, aber über dem Antrag des Verteidigers, der insbesondere beim Führerscheinentzug um Mäßigung bat. 

Scharfe Kritik der Jugendrichterin am Fahrstil des Verursachers

Richterin Sprenger fand in ihrer Urteilsbegründung deutliche Worte an die Adresse des 19-Jährigen. „So jemand hat im Straßenverkehr nichts zu suchen“, sagte sie. Und in Anspielung auf den Unfall aus dem Dezember 2017: „Wollen Sie so weitermachen, bis Tote auf der Strecke bleiben?“ 

Auf einem Video, das ein Mitfahrer gefilmt hat, ist zu sehen, wie der 19-Jährige den schweren Geländewagen mit mehr als 170 Kilometern pro Stunde durch den Tunnel bei Oberrieden steuert. Sprenger dazu: „Da stellen nicht Leute Tempo-70-Schilder am Tunnel auf, weil sie Langeweile haben.“ 

19-Jähriger ist eine Gefahr für die Allgemeinheit

Seit fünf Monaten ist der Führerschein des am Montag Verurteilten eingezogen. Sprenger hatte eine klare Ansage an den 19-Jährigen: „Sie bekommen die Fahrerlaubnis von mir nicht wieder. Sie sind eine Gefahr für die Allgemeinheit. Sie sind ein junger Mann, der wie ein Besessener durch den Werra-Meißner-Kreis gefahren ist.“

Mitfahrer hatten Todesangst

Die Mitfahrer schilderten als Zeugen im Prozess vor dem Jugendgericht am Montag in Eschwege, dass sie den 19-Jährigen mehrfach aufgefordert hätten, langsamer zu fahren. Den Fahrstil auf dem Weg von Eschwege nach Witzenhausen beschrieben die drei jungen Männer, die später bei dem Unfall in Eltmannshausen verletzt wurden, noch als verhältnismäßig zurückhaltend. 

Der Rückweg über Abterode und Alberode gestaltete sich nach den Angaben der Unfallopfer dramatisch. Von „Todesangst“ war die Rede.

Drei Mitfahrer wurden verletzt

Beim Unfall, nach dem der schwere Geländewagen, der dem Vater des 19-jährigen Unfallverursachers gehörte, nur noch Schrottwert hatte, wurden die drei Mitfahrer verletzt – alle nicht weiter schwer, im Krankenhaus musste niemand bleiben. Folgen blieben nicht zurück. 

Das ist wohl auch der Robustheit des schweren Wagens zu verdanken und der Tatsache, dass der Unfall nicht auf freier Strecke geschah, sondern innerorts an einer Mauer in dem Eschweger Stadtteil endete, wie unfallerfahrene Prozessteilnehmer am Montag mutmaßten.

Vorwürfe an die Eltern: Das Fahrzeug sei eine Waffe

Von Geschwindigkeiten von zum Teil mehr als 200 Stundenkilometern und im Tunnel bei Oberrieden von mehr als 170 Stundenkilometern wurde im Prozess berichtet. Für Jugendrichterin Sprenger war das Anlass, die Reife des Angeklagten, am Straßenverkehr teilzunehmen, infrage zu stellen, aber auch für Vorwürfe an die Eltern: „Ich weiß nicht, wie die Eltern ruhigen Gewissens ein solch großes Auto aushändigen können – oder hat er den Schlüssel genommen?“ Das sei eine Waffe.

Und weiter: „Stellen Sie sich vor, das wäre im Tunnel geschleudert und ein Kleinwagen wäre entgegengekommen; da hätte die Feuerwehr nicht mal sagen können, wie viele Menschen darin gesessen hätten ...“

Angeklagter macht keine Angaben zur Sache

Der 19-jährige Angeklagte machte am Montag von seinem Recht Gebrauch und keine Angaben zur Sache. Richterin Sprenger verdeutlichte, dass ihm das nicht zum Nachteil ausgelegt werden dürfe, dass das aber in Jugendstrafverfahren äußerst ungewöhnlich sei. 

So könne auch nichts Positives gefunden werden und eine umfassende Beweisaufnahme sei erforderlich gewesen, weil der Angeklagte sich nicht habe positionieren wollen.

Von Harald Sagawe

Bei einem anderen Unfall bei Eschwege kommt eine betrunkene Frau aus dem Ringgau von der Straße ab und landet im Graben. Die Polizei stellt bei ihr einen deutlich überhöhten Promillewert fest.

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