Er ist Mr. Big Brother

Der Eschweger Michael Hinske arbeitet als Requisiteur bei Fernseh- und Kinoproduktionen

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Liebt seinen Beruf: Michael Hinske (38) aus Eschwege arbeitet in Köln als Requisiteur.

Eschwege/Köln. Wenn er von seinem Beruf redet, hört man die Leidenschaft heraus: Michael Hinske aus Eschwege lebt seit 2001 in Köln und arbeitet dort als Requisiteur für Fernseh- und Kinoproduktionen. 

Wie wird man eigentlich Requisiteur für Fernseh- und Kinoproduktionen? Bei dem gebürtigen Eschweger Michael Hinske war es purer Zufall. „Ich saß beim Friseur und hörte von einem Bekannten, dass gerade ein Praktikant in der Requisite gesucht wird und dachte: Das ist es.“ Sein Praktikum währte aber nicht lang. „In der Produktion herrschte Personalnot und so bin ich nach zwei Wochen Praktikum zum Assistenten aufgestiegen“, schildert Hinske.

Nach und nach hat sich der heute 38-Jährige einen Namen gemacht und sich nach oben gearbeitet – hat unter anderem ein halbes Jahr lang in Berlin bei der RTL-Sendung „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ Kulissen gebaut, bei zwei Kinofilmen mitgewirkt und von Staffel vier bis elf die Sendung Big Brother betreut. „Ich sage immer, dass ich der Mr. Big Brother bin“, sagt Hinske lachend. Als Requisiteur sei man sehr nah dran am Geschehen, müsse mit den Akteuren und Schauspielern viel Kontakt haben. „Ich muss ja zum Beispiel auch wissen, ob jemand eine Allergie hat, wenn es in einer Szene etwas zu essen gibt“, sagt Hinske.

Was ein Requisiteur genau macht? „Einfach alles, was der Zuschauer sieht“, ist die schnelle Antwort. Gerade bei Sendungen, die live ausgestrahlt werden, dürfe deshalb auch nichts schiefgehen. „Das ist herausfordernd, gerade weil man oft spontan auf aktuelle Geschehnisse reagieren muss“, sagt Hinske.

Bunt, stimmig und gemütlich: So sah der Wohnbereich der Big-Brother-Staffel im Jahr 2011 aus, den der gebürtige Eschweger Michael Hinske als Requisiteur gestaltet hat.

Ganz anders sei es bei den beiden Kinoproduktionen gewesen. Zuständig für die Requisite war Hinske bei den Filmen „Hilfe, ich habe meine Eltern geschrumpft“ mit Otto Waalkes und „Wendy 2“, die beide aktuell noch im Kino zu sehen sind. „Hier hat man mehr Zeit, alle benötigten Requisiten genau zu recherchieren und sich mit dem Regisseur abzustimmen“, sagt Hinske. Richtig schöne Erinnerungen hat der 38-Jährige an die Zeiten der Neuauflage von „Nur die Liebe zählt“ mit Wayne Carpendale. „Da habe ich unter anderem auch Heiratsanträge mit vorbereitet, was schon mal sehr emotional werden konnte“, sagt Hinske. Stellt sich die Frage, ob das alles echt oder gestellt ist? „Bei den Sendungen, an denen ich mitgewirkt habe, war alles 100 Prozent echt“, bestätigt Hinske, der von sogenannten „Scripted-Reality“-Sendungen (zu Deutsch: „Realität nach Drehbuch“) selbst nichts hält.

Alles in allem ist sich der Wahlkölner sicher: „Requisiteur ist mein absoluter Traumberuf.“ Auch wenn man während mancher Produktionen auch mal 50 bis 60 Wochenstunden mit 13-Stunden-Tagen in Kauf nehmen müsse. „Für eine richtige Beziehung bleibt da keine Zeit“, sagt Hinske, der 2001 von Eschwege nach Köln gezogen ist, wo er – mit einem Zwischenstopp in Berlin – auch heute noch lebt und arbeitet. Doch bevor es den waschechten Dietemann, den es jedes Jahr („Nur einmal habe ich es nicht geschafft“) spätestens zum Johannisfest zurück in seine Heimatstadt zieht, nach Köln verschlagen hat, stand eine Ausbildung auf dem Programm. Nach seiner Schulzeit an der damaligen Fliederschule – der heutigen Anne-Frank-Schule – erlernte er den Beruf des Einzelhandelskaufmannes in der Eschweger Filiale des Dänischen Bettenlagers. „Die Ausbildung dort war sehr gut und hat mir für das Leben viel gebracht“, sagt er heute.

Vor allem, da es für seinen jetzigen Beruf keine richtige Ausbildung gibt. „Viele steigen in meinen Beruf quer ein, sind ursprünglich Schauwerbegestalter, Schreiner oder Tischler“, erklärt Hinske. Man müsse einfach Kreativität, Spontaneität und handwerkliches Geschick mitbringen, sagt Hinske und fügt schmunzelnd an: „Ich sage immer, dass ich nichts kann, aber dafür von allem etwas.“ Aktuell arbeitet er an einer neuen Daily-Soap mit, die ab Herbst bei RTL ausgestrahlt wird und über die er noch nicht sprechen darf. Und ab Mai ist er – wie war es anders zu erwarten – beim Dreh der aktuellen Promi-Big-Brother-Staffel dabei.

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