65 Jahre Eschweger Tierschutzverein

Harte Anfänge für das Eschweger Tierheim: Am Anfang gab‘s nur eine Hütte

Die jungen Katzen Ernie und Emma wurden jetzt in Abterode gefunden. Besitzer haben sich keine gemeldet.
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Die jungen Katzen Ernie und Emma wurden jetzt in Abterode gefunden. Besitzer haben sich bisher noch keine gemeldet.

Am Anfang eine Gartenlaube in Grebendorf, dann eine alte Baracke mit nur einem Wasserhahn: Das Tierheim Eschwege, wie wir es heute kennen, gibt es erst seit 1986.

Eschwege – Die Thüringer Straße in Eschwege ist belebt. Im großzügigen Außengehege des Tierheims wuseln schwanzwedelnde Hunde herum, begrüßen bellend die Tierpfleger, Besucher und jeden, der vorbei läuft. Im Katzenhaus sind in Spitzenzeiten zwischen 50 und 100 Katzen untergebracht. Doch das war nicht immer so möglich. Bei der Gründung des Tierschutzvereins vor 65 Jahren sah das noch ganz anders aus.

Der Verein wurde Anfang 1956 von Familie Leimeister aus Grebendorf gegründet. Damals bestand das Tierheim nur aus einer Gartenlaube mit ein paar Hundehütten am „Grebendorfer Hüttchen“, erzählt Elvira Kaestner, die ehemalige Tierheimleiterin. Der erste Vorsitzende war damals Adolf Laibach, den Posten hat heute Gudrun Schmidt inne.

Tierheim Eschwege: Neue Unterkunft ab 1963, aber noch immer nicht optimal

Sechs Jahre später, in 1963, war der Platz für die Tiere aber zu klein. Das Tierheim vergrößerte sich und zog in eine alte Wehrmachtsbaracke an der „Lehmkaute“. Doch auch dort waren die Bedingungen für Tiere und Mitarbeiter nicht optimal: „Wir hatten damals nur einen einzigen Wasserhahn und einen alten Ölofen“, erinnert sich Elvira Kaestner. In den Wintern sei die Arbeit besonders hart gewesen. Denn Temperaturen von minus 15 Grad Celsius waren keine Seltenheit. Regelmäßig seien damals die Wasserleitungen zugefroren. „Da mussten wir das Wasser mit Eimern von zu Hause mitbringen“, erzählt die Rentnerin.

Das Meerschweinchen-Weibchen Mam ist seit Oktober im Tierheim und sucht ein neues Zuhause. Neben dem Meerschweinchen gibt es derzeit noch sechs weitere Kleintiere im Tierheim.

„Wenn es so kalt war, sind wir oft spät abends im Schnee noch mal zum Tierheim gestiefelt, um den Ofen nachzufeuern“, ergänzt Gabriele Kaestner, die schon als Kind im Tierschutzverein aktiv war. Die Tierheimleitung übernahm sie vor einigen Jahren von ihrer Mutter Elvira Kaestner, die das Amt mehr als 29 Jahre ausübte. Zu diesen Bedingungen für das Team des Tierschutzvereins gab es außerdem kein Telefon, keinen Abfluss und keine Toilette.

„Das war alles ganz primitiv. Das kann sich heute keiner mehr vorstellen“, sagt Elvira Kaestner. Die Baracke, wo 20 Katzen und 15 Hunde Platz hatten, wurde außerdem bald zu klein. „Wir waren damals dauernd überfüllt“, erinnert sich Gabriele Kaestner. Ein neues Gebäude musste her.

Tierheim Eschwege vergrößert sich deutlich: Neuer Bauplatz an Thühringer Straße

An der Thüringer Straße fand sich bald ein geeigneter Bauplatz. Wie aus Archivtexten unserer Zeitung zu entnehmen ist, kostete der Bau 375 000 D-Mark. Die Summe wurde unter anderem aus einer Förderung von Bund und Ländern, aber auch aus Spenden finanziert. „Damals wollten uns viele an der Thüringer Straße nicht haben“, sagt Elvira Kaestner.

Anwohner wehrten sich etwa mit Unterschriftenaktionen. Unter bestimmten Auflagen, wie Bäume um das Gelände herum zu pflanzen, wurde der Bau aber doch genehmigt. 1986 konnten die tierischen Bewohner einziehen. „Das erste Jahr arbeitete ich noch alleine, 1987 bekam ich meine erste fest angestellte Kraft“, schildert Elvira Kaestner.

Der sechs Jahre alte Rüde Tequila ist kinderlieb und wachsam, sagt die Eschweger Tierheimleiterin. Seit einem halben Jahr ist er im Tierheim untergebracht.

1999 kam ein separates Katzenhaus dazu, das zehn Jahre später erweitert wurde und heute 15 Räume umfasst. Zudem haben 25 bis 30 Hunde in der Einrichtung Platz sowie mehrere Kleintiere. Sogar ein zusätzliches Grundstück hinter dem Gebäude wurde mit den Jahren zusätzlich angekauft. Darauf befinden sich weitere Auslaufmöglichkeiten sowie ein Stall für Schafe und Pferde.

Ein Pferd auf dem Flur: Eschweger Tierheim nimmt unter anderem ausgesetzte Tiere auf

„Einmal kam ich morgens zum Tierheim und am Zaun waren zwei Pferde angebunden“, erzählt Elvira Kaestner. Sie waren mit Fleecedecken zugedeckt und ein Zettel sei dabei gewesen. Darauf stand: „Bitte kümmert euch gut um meine Pferde“, so die Rentnerin. Der Besitzer, der sich mit dem Aussetzen seiner Tiere strafbar gemacht hat, war nicht ausfindig zu machen. Nach zehn Wochen wurden die Pferde dann auf einen Gnadenhof gebracht. Tiere kämen vor allem aus familären Gründen ins Tierheim.

René Kuhn mit der 12 Jahre alten Hündin Ledi, die erst seit kurzem im Tierheim untergebracht ist.

Wenn ein Tier vermittelt wird, blickt man immer mit einem weinenden und einem lachenden Auge hinterher, berichtet der 45 Jahre alte Tierpfleger René Kuhn, der seit zwei Jahren einer von insgesamt vier festen Angestellten ist. „Die Arbeit mit den Tieren gibt mir unheimlich viel“, sagt er. „Vor allem Freude.“ (Von Jessica Sippel)

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