Tatmotiv soll Eifersucht gewesen sein

Angeklagt wegen Messerangriff: Eschweger wegen Mordversuchs vor Gericht

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Kassel/Eschwege. Weil er im Zustand der Schuldunfähigkeit einen Mann mit einem Messer schwer verletzt haben soll, steht seit Mittwoch ein 57-jähriger Eschweger vor dem Landgericht.

Der Vorwurf: versuchter Mord aus niedrigen Beweggründen. Allerdings geht es vor der 6. Strafkammer nicht um eine Strafe, sondern um die möglicherweise dauerhafte Unterbringung des Mannes in einer psychiatrischen Anstalt. Der 57-Jährige ist bereits im psychiatrischen Krankenhaus in Haina untergebracht.

Die Tat ereignete sich am 14. Dezember 2017 gegen Mittag in der Ernst-Metz Straße in Eschwege vor dem Haus des Angeklagten, einem 1961 in Aserbaidschan geborenen Ukrainer. Staatsanwältin Julia Beinroth sprach in ihrer Anklage gestern von „wahnhaften Vorstellungen“ des Mannes. Der habe geglaubt, dass seine Frau seit zwei Jahren ein Verhältnis mit dem anderen habe, eine laut Beinroth irrige Annahme.

Opfer wehrte sich mit Pfefferspray

In der Mittagsstunde des Tattages hatte er laut Anklage den vermeintlichen Nebenbuhler vor seinem Haus im Auto sitzen sehen. Er soll gewendet und den Passat mit seinem Mercedes gerammt haben. 

Dann schlug er mit einem Brecheisen das Beifahrerfenster ein und stach mit einem Opinell-Messer, wie es etwa von Weinbauern bei der Lese verwendet wird, auf den Mann hinterm Steuer ein, so die Anklageschrift. 

Der wehrte sich mit Pfefferspray. Fotos zeigten gestern die zahlreichen Stichverletzungen an Händen, Armen und Beinen, die der Eschweger davontrug, bevor ihm die Flucht im Auto gelang.

Täter schilderte seine Ansichten mehr als zwei Stunden

„Ich wollte meine Familie retten“, sagte der Angeklagte am Mittwoch aus. Weitere fünf Verhandlungstage hat Richter Volker Mütze eingeplant, weiter geht es am 11. Februar. 

Mehr als zwei Stunden hat der 57-jährige Angeklagte vor dem Landgericht geschildert, wie er die angebliche Untreue seiner Ehefrau erlebte, wie er seiner Frau nachstellte und wie er den vermeintlichen Nebenbuhler immer wieder aufgefordert habe, seine „Familie in Ruhe“ zu lassen. 

Das Gericht steht jetzt vor der schwierigen Aufgabe, bei den Aussagen des psychisch kranken Mannes tatsächliche Ereignisse von den Wahnvorstellungen des Ukrainers zu trennen. „Wenn ich dich nochmal mit meiner Frau sehe, mache ich ein Schnitzel aus dir“, habe er zu dem Nebenbuhler gesagt. Der Mann, der als Nebenkläger vor dem Landgericht auftritt, schüttelte bei den mitunter recht wirren Schilderungen des Angeklagten immer wieder den Kopf. 

Es folgen noch fünf Verhandlungstage

Die zahlreichen Schnitt- und Stichverletzungen, die er bei dem Messerangriff in seinem Wagen davontrug, sind verheilt, an den seelischen Folgen trägt der traumatisierte Mann bis heute. Er befindet sich laut Staatsanwältin Julia Beinroth noch immer in psychiatrischer Behandlung. 

Zu dem Angriff im Dezember habe geführt, dass er den Nebenkläger an jenem Tag in seinem Auto vor seinem Haus an der Eschweger Ernst-Metz-Straße habe sitzen sehen. Der Kofferraum sei geöffnet gewesen, seine Frau habe aus dem Fenster geblickt. Er habe vermutet, dass beide davonfahren wollten. 

„Dieser Mensch hat uns das Glück genommen. Um mich herum gab es nur Verrat und Lüge“, sagte der russisch sprechende Angeklagte über den Dolmetscher aus. „Da dachte ich mir, ich mache sein Auto kaputt, mit dem er immer mit meiner Frau gefahren ist“, begründete er den Crash mit dem eigenen Pkw. Tatsächlich hat seine Frau nach etlichen Schlägen mehrfach in einem Frauenhaus Schutz gesucht. 

Bis zum 27. Februar sind noch fünf Verhandlungstage angesetzt, in denen die Strafkammer des Landgerichts die Hintergründe der Tat beleuchten will.

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