1. Startseite
  2. Lokales
  3. Witzenhausen
  4. Eschwege

Etwa 60 Eschweger Schüler treffen Edward Stein aus den USA

Erstellt:

Kommentare

Angeregte Gespräche, hoher Wissensgewinn: Edward und Judy Stein (Bildmitte) aus den USA waren zu Gast bei den Schülern des Oberstufengymnasiums in Eschwege.
Angeregte Gespräche, hoher Wissensgewinn: Edward und Judy Stein (Bildmitte) aus den USA waren zu Gast bei den Schülern des Oberstufengymnasiums in Eschwege. © Ulrike Arnold/NH

Edward und Judy Stein aus den USA haben das Eschweger Oberstufengymnasium besucht. Geboren wurde der Chemiker 1947 im Camp für Displaced Persons (DP) in Eschwege.

Eschwege – Eine besonders interessante Englischstunde haben die Schüler der Englisch-Leistungskurse des zwölften Jahrgangs (Q1) des Oberstufengymnasiums in Eschwege jüngst erlebt. Edward und Judy Stein aus den USA waren zu Besuch in Eschwege und kamen bei dieser Gelegenheit mit den etwa 60 Schülern ins Gespräch.

Edward Stein und seine Frau Judy leben in Needham, Massachusetts. Edward Stein wurde am 11. Februar 1947 als Kind jüdischer Eltern im Camp für Displaced Persons (DP) in Eschwege geboren. Seine Eltern stammen ursprünglich aus Ungarn und warteten nach dem Krieg im DP-Camp auf ihre Ausreise in die USA.

Edward Stein berichtete, dass er im Grunde nie das Bedürfnis hatte, in das Land zu reisen, in dem Juden so viel Leid angetan wurde. Seine Sichtweise änderte sich jedoch, als Dr. Martin Arnold ihn in seiner Funktion als Vorsitzender des Vereins der Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis im Rahmen seiner Forschungen zum DP-Camp angeschrieben hatte.

Edward Stein, promovierter Chemiker, widmet sich seit seiner Pensionierung seinen Leidenschaften Musik und Geschichte. Er erforscht dabei vor allem die Geschichte seiner Familie. Der Kontakt mit Dr. Arnold hatte nun schließlich doch sein Interesse daran geweckt, die Stationen in Deutschland zu besuchen, über die es seine Familie in die USA geführt hatte.

Gespräche über Geschichte und aktuelle Themen

In der Gesprächsrunde mit den Schülern der Englisch-Leistungskurse gab Edward Stein zunächst Einblicke in die bewegte Lebensgeschichte seiner Familie und beantwortete im Anschluss mit seiner Frau Judy Stein Fragen zu aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen in den USA.

Dabei wurde ein breites Themenspektrum angesprochen. Die Steins informierten über Waffengesetze, Abtreibung, aktuelle politische Strömungen, das Zusammenleben von Menschen verschiedener Religionen und über Bildungsmöglichkeiten in den USA.

In die lebhafte Gesprächsrunde, die von einem Schüler moderiert wurde, brachten sich die Schüler sehr aufmerksam, interessiert und sprachlich sehr versiert ein.

Bereicherndes Erlebnis für beide Seiten

Zum Schluss wurde das Ehepaar gefragt, was sie jungen Menschen heute mit auf den Weg geben würden. Die beiden zögerten nicht lange und sagten, dass das Vertrauen in die eigene Person sowie der Mut, seinen eigenen Weg zu gehen, für sie am Wichtigsten seien. Dazu gehöre allerdings auch, anderen Menschen respektvoll und gerecht gegenüberzutreten sowie seinen eigenen Beitrag zu leisten, diese Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Die Schüler waren von dem Besuch der amerikanischen Gäste sehr beeindruckt, da sie sehr angenehme Gesprächspartner waren und eindrucksvolle Geschichten zu erzählen hatten. Aber auch Edward und Judy Stein genossen das Gespräch mit den Schülern, die ihnen tiefgründige Fragen stellten und das Gespräch mit gut durchdachten Beiträgen bereicherten.

Bild von den USA änderte sich

Besonders schön war dabei zu sehen, dass das Amerika-Bild der Schüler etwas geradegerückt werden konnte. Über die Begegnung mit den Steins erhielt das Land plötzlich ein Gesicht und wurde so für die Jugendlichen nahbarer.

Außerdem, so Lehrerin Katharina Gatzemeier, habe sich gezeigt, dass man nicht dazu neigen sollte, die USA und Deutschland direkt miteinander zu vergleichen, um auf diesem Vergleich basierend einem Land den Vorzug zu geben.

„Wir sind durch unterschiedliche Mentalitäten und Sichtweisen geprägt, die man über solche Begegnungen lernt zu verstehen und auch zu schätzen.“ Diese Englischstunde war nicht nur in sprachlicher Hinsicht, sondern auch hinsichtlich des interkulturellen Lernens ein echter Gewinn. (red/esp)

Auch interessant

Kommentare