Ausgetanzt

Beliebte Disco in Eschwege schließt ihre Türen für immer

Gute Stimmung vorprogrammiert: So wie hier bei einer Veranstaltung einer Tanzschule ging es in der Mausefalle Amadeus oftmals ausgelassen zu.
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Gute Stimmung vorprogrammiert: So wie hier bei einer Veranstaltung einer Tanzschule ging es in der Mausefalle Amadeus oftmals ausgelassen zu.

Die Mausefalle/Amadeus war die bekannteste Disco in Eschwege. Nun muss sie schließen. Schuld hat nicht nur die Corona-Krise.

Eschwege – Die Disco Mausefalle/Amadeus wird nach fast 20 Jahren für immer ihre Tore schließen. Das gaben Pächter Wolfgang Wirsing und der Betreiber Matthias Kleinhenz jetzt bekannt. Neben coronabedingter Schließung seit rund einem Jahr macht ein neuer Pachtvertrag mit verschlechterten Konditionen den Discobetreibern zu schaffen.

Am 28. September 2001 öffnete die Disco unter ihrem damaligen Namen Mausefalle erstmals ihre Pforten und sorgte für Belebung in der Eschweger Discoszene. Das Konzept kam bei den Eschweger Partygängern rasch an. Die Mausefalle war ein Garant für gute Stimmung und ausgelassene Partys. Sie wurde neben einem beliebten Feierort auch Kontaktbörse. Nicht wenige in der Mausefalle gefundenen Bekanntschaften endeten vor dem Standesbeamten.

Mit Blick in die Polizeiberichte kam es vor der Diskothek neben dem Einkaufsmarkt Kaufland auch immer wieder zu Polizeieinsätzen. In erster Linie Betrunkene ließen ihren überschüssigen Kräften freien Lauf, sodass es immer wieder zu Schlägereien kam. Gleichzeitig beteiligte sich die Diskothek an der Aktion „Wir sind Nachfrager“ der Fachstelle für Suchthilfe und Prävention des Diakonischen Werks Eschwege/Witzenhausen, die verhindern soll, dass Jugendliche Alkohol trinken, und der Aktion „Bob – gegen Alkohol am Steuer“.

Aus für die Disco Mausefalle in Eschwege: Alter Pachtvertrag ist ausgelaufen

Nach über 19 Jahren ist jetzt Schluss in Eschwege. „Leider gab es vonseiten des Vermieters null Bereitschaft, uns in der Pandemie auch nur ein bisschen zu helfen“, sagt Wirsing. Für den 12. März 2020 war die letzte Party im Amadeus angekündigt. Seitdem sind die Türen seit einem Jahr verschlossen. „Diese Branche ächzt nicht nur unter Corona, sie ist am Boden“, sagt Wirsing.

Mit den Überbrückungshilfen konnte Betreiber Matthias Kleinhenz den Laden am Leben erhalten. Dann lief aber der Pachtvertrag mit dem Münchener Immobilienfonds aus. „Die neuen Konditionen konnten wir nicht erfüllen“, sagt Wirsing. Zumal es im Gebäude nach fast 20 Jahren auch einen erheblichen Investitionsstau gegeben habe. Energetisch sei die Disco inzwischen eine Katastrophe. Der neue Eigentümer habe keine Investitionen in Aussicht gestellt. „Mit dem früheren Besitzer Uwe Jantz wäre wahrscheinlich eine Einigung möglich gewesen“, sagt Wirsing. Mit dem Neuen nicht.

Disco in Eschwege schließt: Pächter bedankt sich bei den Behörden

Neben Jantz lobt Wirsing auch die Eschweger Behörden und Handwerksbetriebe, die in diversen Notlagen immer schnell zur Stelle gewesen wären. Dank gilt der Eschweger Klosterbrauerei, die die Gastronomen „von Anfang an finanziell mächtig unterstützt hat“.

Die Discobranche habe schon in der Zeit vor Corona schwer gelitten. Die Besucherzahlen seien rückläufig gewesen. Betreiber Kleinhenz, Neffe von Wolfgang Wirsing, habe aber mit dem Laden an der Thüringer Straße sein Auskommen gehabt. Unzählige Besucher aus Eschwege und der Region seien in den vergangenen knapp 20 Jahren regelmäßig gekommen und hätten ihnen die Treue gehalten. „Unsere Gegenleistung: hoffentlich unvergessliche Stunden und Nächte in der Mausefalle“, sagt Wirsing. (Tobias Stück)

Auch andere Discos in der Region leiden unter anderem wegen der Coronakrise. Laut Gerüchten könnte auch der bekannte Musikpark A7 in Kassel geschlossen werden.

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