Fichte ist in Fülle vorhanden

Preissteigerung für Holz kommt nicht bei Waldbesitzern an

Kahlschlag im Schlierbach Borkenkäfer 
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Kahlschlag: Auf der Kuppe des Schlierbachswaldes kurz vor Weißenborn mussten 50 Hektar Fichtenwald geschlagen werden. Die Bäume waren todkrank.

Die Nachfrage nach gesundem, frischen Nadelholz ist auf dem Weltmarkt hoch. Bei den Waldbesitzern kommt die Preissteigerung allerdings nicht an.

Werra-Meißner – Die Nachfrage nach gesundem, frischen Nadelholz ist auf dem Weltmarkt aktuell hoch, bestätigen Dr. Thomas Rysavy, Leiter des Forstamtes Wehretal, und Matthias Dumm, Leiter des Forstamtes Hessisch Lichtenau, gegenüber unserer Zeitung. Das liege am Bedarf aus den USA, aber auch die gute Baukonjunktur im Inland wirke sich aus.

Dennoch sehen sich Waldbesitzer im Nachteil: Preissteigerungen für den Baustoff kommen bei ihnen nicht an, wie Christian Raupach, der geschäftsführende Direktor des hessischen Waldbesitzerverbandes, der private und kommunale Eigentümer vertritt, sagt. Das Problem: Die Preissteigerung betrifft das Schnittholz der Sägeindustrie, nicht das Rohholz aus dem Forst.

Waldbesitzer zahlten zeitweise drauf

Der Preis für Fichtenholz lag 2017 bei rund 90 Euro pro Kubikmeter, so Matthias Dumm. Durch Hitze, Stürme und Borkenkäfer wurden große Waldareale in Hessen und im Werra-Meißner-Kreis allerdings stark beschädigt – besonders Fichtenholz überschwemmte den Markt. Die Folge: Der Preis sank bis 2020 auf 50 Euro pro Kubikmeter.

„Aufgrund der qualitativen Entwertung durch den Borkenkäfer musste das meiste Holz aber für 25 bis 30 Euro pro Kubikmeter verkauft werden“, so Dumm. Dieser Preis habe unter den Einschlags- und Rückekosten in Mittelgebirgen gelegen, die Waldbesitzer haben also draufgezahlt, so. Dr. Rysavy. Aktuell liege der Preis für frisches Holz aber bei rund 110 Euro pro Kubikmeter mit vermutlich weiter steigender Tendenz, so Dumm.

Aussicht der Besserung

Dass sich die Preissteigerung auch bald im Wald bemerkbar macht, erwartet auch Michelle Sundermann, Sprecherin des Landesbetriebs Hessen-Forst: „Dann nämlich, wenn die Lager der Holzhändler und Sägewerke aufgebraucht sind und Nachschub benötigt wird.“

Wie viel Holz und insbesondere Nadelholz in welcher Qualität geliefert werden könne, wisse man aber noch nicht. Momentan gelte aber noch: „Die Waldbesitzenden, die das Rohholz zur Verfügung stellen, profitieren noch nicht in dem Maße wie Holzhändler und Sägewerker vom Verkauf der Schnittholzware.“ (mmo)

So viel Baumschlag wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr

Im vergangenen Jahr exportierte Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Rekordmenge von 12,7 Millionen Kubikmeter Rohholz. 2020 wurden demnach so viele Bäume geschlagen wie noch nie seit der deutschen Wiedervereinigung – rund 80,4 Millionen Kubikmeter Holz. Schlecht für die Waldbesitzer: Das sogenannte Schadholz machte dabei weit mehr als die Hälfte aus. Für „Käferholz“ gibt es beim Händler deutlich weniger Geld.

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