Der Held im Unglück

Flugzeugabsturz in Eschwege: Stefan M. rettet Sohn (3) seiner Verlobten das Leben

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Aus dieser völlig zerstörten Maschine rettete Stefan M. den dreijährigen Phil.

Eschwege. Es sollte ein schöner Sonntagsausflug mit der Familie werden, doch es endete in einem Unglück: Der 30-jährige Stefan M. und der dreijährige Sohn seiner Verlobten saßen in dem Flugzeug, das Ende August in Eschwege abgestürzt war.

Stefan M. (30) hatte kein gutes Gefühl an diesem Sonntag im August. Als er zusammen mit dem dreijährigen Sohn seiner Lebensgefährtin beim Tag der offenen Tür des Luftsportvereins in die einmotorige Maschine kletterte, war ihm mulmig zumute. Er sollte recht behalten. 

Doch zusammen mit Mutter Ricarda K. hatten sie es Phil, der begeistert von Flugzeugen ist, versprochen. Das Ende ist bekannt: Das kleine Flugzeug landete nicht wieder sicher auf dem Flugplatz. Es gab einen schweren Unfall, eine Frau erlag später ihren Verletzungen. Doch Stefan M. entpuppte sich in diesem Unglück als Held.

Die kleine Eschweger Familie war nach dem Mittagsschlaf des Sohnes zum Flugplatz aufgebrochen. In der viersitzigen Maschine war nur noch Platz für zwei. Stefan M. und der kleine Phil wollten mitfliegen. „Schon beim Start gab es Verzögerungen“, erinnert sich Ricarda K., die am Boden den Flug beobachten wollte, an den 20. August. Eine Viertelstunde stand die Maschine auf der Startposition, dann ging es los. Eine knappe halbe Stunde war der Pilot mit den drei Passagieren unterwegs. „Es war eine besonders lange Runde“, denkt Ricarda K. zurück. Dann kam die Landung.

Angst vor Explosion

Ein Bild aus gesunden Tagen: Ricarda K. mit ihrem Verlobten Stefan M. Der dreijährige Sohn von K., Phil, hatte nach dem Absturz den Oberarm gebrochen, Stefan M. neun Wirbel.

Der Pilot musste im Landeanflug noch einmal durchstarten. „Stefan hat gespürt, dass die Maschine außer Kontrolle geriet“, sagt Ricarda K. Vor dem Aufprall habe er sich ihren Sohn genommen und sich schützend über ihn gebeugt. Während alle Insassen schwer verletzt waren, hatte sich der kleine Phil „nur“ den Oberarm gebrochen, wie sich später herausstellte. 

Doch die Gefahr war noch nicht gebannt. Der 30-Jährige hatte große Angst, dass das Flugzeug noch explodieren würde. Mit dem Ellenbogen schlug Stefan M. mit letzter Kraft die verkeilte Haube ein und reichte den Jungen an den Vorsitzenden des Luftsportvereins, Andreas Wagner, der als einer der Ersten an der Unglücksstelle eintraf, heraus. Der brachte ihn in Sicherheit und übergab ihn danach seiner Mutter.

Stefan M. wurde schwer verletzt

Stefan M. war zu diesem Zeitpunkt schwer verletzt. Neun Wirbel hatte er sich bei dem Unfall gebrochen. Er konnte seine Beine nicht mehr spüren und war zeitweise querschnittsgelähmt. „Ich bin Stefan so dankbar, dass er sein Leben für meinen Sohn riskiert hat“, sagt Ricarda K.

Jetzt, drei Wochen nach dem Unglück, befindet sich Stefan M. auf dem Weg der Besserung. Er kann seine Beine wieder spüren, die Füße bereiten noch Probleme. Er will niemandem die Schuld zuweisen. „Es war Schicksal“, berichtet seine Verlobte. Das Mitgefühl der tapferen Familie gehört der verstorbenen 64-Jährigen und ihren Hinterbliebenen.

Hochzeit am Freitag, den 13.

Das Paar wollten im nächsten Jahr heiraten. Das ziehen sie jetzt vor. „Worauf sollen wir noch warten?“, fragen sie. Als Hochzeitstag haben sie sich Freitag den 13. Oktober ausgesucht. Für sie kein schlechtes Omen, für Stefan M. aber ein großes Ziel: Er will seine Braut auf den eigenen Beinen zum Traualtar führen.

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