Klare Führung gefordert

Gäste bleiben trotz 2G weg: Gaststättenverband: Überbrückungshilfen bis März verlängert

Ein Schild weist auf die 2G-Regel hin.
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Gäste bleiben trotz 2G weg: Gaststättenverband: Überbrückungshilfen bis März verlängert

Mit steigenden Coronazahlen bleiben immer mehr Gäste den Restaurants und Hotels fern, mit PCR-Testpflicht war das schon bei 3G der Fall, mittlerweile auch bei 2G.

Werra-Meißner – Die Gastronomen bangen weiter um ihre Existenz. Zwar dürfen die Lokale öffnen, viele Gäste bleiben wegen der pandemischen Lage aber dennoch fern, sagen ihre Familienessen und Weihnachtsfeiern ab. Das berichten unserer Zeitung zahlreiche Restaurant- und Hotelbetreiber aus dem Landkreis.

„Wir tun alles, was wir können, halten uns an alle Regeln und sorgen für die Sicherheit unserer Gäste. Trotzdem kommt eine Absage nach der anderen“, sagt beispielsweise Claudia Gehl vom Landhotel Gemeindeschänke in Wanfried-Altenburschla. Die Menschen hätten Angst, selbst unter der 2G-Regelung. Bereits im vergangenen Jahr habe das Familienunternehmen viel Geld investiert, damit der Betrieb überhaupt überleben kann. Ob das noch einmal funktioniert, wissen sie nicht. „Einen Plan B haben wir nicht. Wir fühlen uns von der Politik im Stich gelassen“, sagt Claudia Gehl.

So geht es vielen Gastgebern im Kreis, wie Gastronom und Hotelier Christian Pelikan aus Bad Sooden-Allendorf bestätigt. „Wir haben auch massive Einbrüche im Hotelbereich“, sagt der Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga), der von 60 bis zuletzt 90 Prozent spricht. „In dieser Woche sind unsere Betten ganz leer.“

Corona-Überbrückungshilfen bis zum 31. März 2022 verlängert

Viele Gastronomen im Landkreis fragen sich nun, wie sie bei dieser geringen Gästezahl weiter überleben sollen. Es herrscht Verunsicherung und Frust. Der Dehoga-Geschäftsführer für Nord- und Osthessen, Oliver Kasties, erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass die Corona-Überbrückungshilfen bis zum 31. März 2022 verlängert wurden. Antragsvoraussetzung sind Umsatzeinbrüche von mindestens 30 Prozent, zur Orientierung dienen die Vergleichsmonate aus dem Jahr 2019.

Auch die zweite Stütze, das Kurzarbeitergeld, habe die Dehoga mit der Regionaldirektion Hessen ausgehandelt, so Kasties. Trotzdem könne das nicht der dauerhafte Zustand sein, sind sich die Beteiligten einig. „Von der Politik muss eine klare Weisungsrichtung kommen, so geht das nicht weiter“, sagt Pelikan.

Ausfall der Weihnachtsmärkte für viele Gastronomen im Kreis ein weiterer Einschnitt

Für die Gastronomen und ihre Gäste ist es während der Pandemie ein ständiges Auf und Ab. Konnte über den Sommer wieder ein halbwegs normaler Betrieb herrschen, spitzt sich die Lage seit ein paar Wochen erneut zu – schon wieder. „Es ist wie ‘Täglich grüßt das Murmeltier’, sagt Hartwig Gehl vom Landhotel Gemeindeschänke in Altenburschla. Steigende Inzidenzwerte sorgen auch für Unsicherheit bei den Gästen, viele bleiben ganz fern, sagen ihre Weihnachts- und Familienfeiern trotz Hygienekonzept ab, wie Restaurantbetreiber unserer Zeitung berichten.

Auch der Ausfall der Weihnachtsmärkte sei für viele Gastronomen im Kreis ein weiterer Einschnitt, denn viele hätten mit dem Verkauf von Glühwein und Speisen sonst zusätzliche Einnahmen, die Weihnachtsmärkte lockten auch Übernachtungsgäste in die Region. Das berichtet etwa Christian Pelikan, Gastronom, Hotelier und Kreisvorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga.

Ordnungsbehörden müssen mehr kontrollieren

„So können wir nicht Jahr für Jahr weitermachen“, sagt er. Der Bund wälze die Kompetenz und Verantwortung auf die Länder ab und diese wiederum auf die Landkreise. „Außer dem Absagen von Veranstaltungen und Weihnachtsmärkten kommt keine Weisungsrichtung und kein richtiges Konzept.“ Um in der Pandemie zurechtzukommen, müsse man zusammenarbeiten: Politik, Gastronomen und Bürger sollten an einem Strang ziehen, sagt er.

„Wenn wir 2G oder 3G umsetzen, dann muss das auch jemand von den Ordnungsbehörden kontrollieren“, fordert er. Und zwar regelmäßig und nicht nur so selten wie bisher. Bei den Bürgern sei noch nicht angekommen, dass sie immer einen Impfnachweis mit Personalausweis dabeihaben sollten. Pelikan spricht sich indes für das Impfen als gesellschaftliche Aufgabe aus, denn die große Mehrheit der Bevölkerung habe sich für die Impfung und gegen das Virus entschieden.

Bund, Ländern und den Landkreisen fehle dahingehend aber selbst nach fast zwei Jahren, die die Pandemie nun andauertd, die Stabilität und eine klare Führung. Laut Dehoga -Geschäftsführer von Nord- und Osthessen, Oliver Kasties, fehle die langfristige Planungssicherheit – auch für die Mitarbeiter in den Betrieben. „Wir haben schon viele Mitarbeiter verloren“, sagt er. Der Branche, die eigentlich immer als sehr arbeitssicher galt, hätten viele während der Pandemie den Rücken gekehrt.

Viele Betriebe versuchen sich insbesondere jetzt zur Weihnachtszeit, einem ihrer Kerngeschäftszeit, mit neuen Strukturen auszuhelfen, bieten Kochboxen für zu Hause an, haben Online-Shops aufgebaut oder liefern mit „Gänsetaxis“ die Weihnachtsgans zum Fertigbacken bis vor die Haustür.

Das alles aber kompensiere den wirtschaftlichen Verlust allerdings kaum und schon gar nicht die Leidenschaft am Beruf, die dabei verloren gehe, sagt Pelikan. „Das Gastgeberherz ist gebrochen.“

Von Jessica Sippel

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