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Gegen den Trend: Im Werra-Meißner-Kreis steigt die Zahl der Baugenehmigungen

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Von: Tobias Stück

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Noch im Rohbau: das neue Feuerwehrgerätehaus in Frieda neben der Weinberghalle. Zu sehen ist ein unverputztes Gebäude ohne Fenster und Türen.
Noch im Rohbau: das neue Feuerwehrgerätehaus in Frieda neben der Weinberghalle. © Stefanie Salzmann

Entgegen des hessenweiten Trends steigt die Zahl der Baugenehmigungen im Werra-Meißner-Kreis seit Jahren kontinuierlich an.

Werra-Meißner – Das geht aus Zahlen der Unteren Bauaufsichtsbehörde des Werra-Meißner-Kreises und des Statistischen Landesamtes hervor.

In Hessen sind die Baugenehmigungen für neue Wohngebäude im Februar 2022 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 18,6 Prozent gesunken. Die Zahl der genehmigten Wohnungen ging gegenüber Februar 2021 um 26,1 Prozent zurück. Anders die Entwicklung im Landkreis. Laut aktuellen Zahlen wurden im Werra-Meißner-Kreis 2018 316 Bauwerke genehmigt. In den Folgejahren stieg die Zahl kontinuierlich an. 2021 waren es 387. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 22 Prozent innerhalb von drei Jahren.

Die Bauwilligkeit war sogar noch höher. Im Jahr 2021 beispielsweise wurden 13 Anträge abgelehnt. „Die Ablehnungen basierten im Wesentlichen auf eine bauplanungsrechtlichen Unzulässigkeit der Bauvorhaben“, berichtet der Sprecher des Landkreises, Jörg Klinge. Neben den Baugenehmigungsverfahren gab es im vergangenen Jahr auch 94 Anzeigen von Bauvorhaben im Genehmigungsfreistellungsverfahren.

 Genehmigungsfreistellungsverfahren

Der Antrag auf eine Genehmigungsfreistellung wird auch bei der Unteren Baubehörde des Kreises gestellt. Bei einer Genehmigungsfreistellung trägt der Bauherr die Verantwortung für die ordnungsgemäße Durchführung innerhalb des Bebauungsplanes. Die Genehmigungsfreistellung ist nur bei bestimmten Bauvorhaben möglich. Beispiele sind Stellplätze oder Garagen, Terrassen oder Vorbauten, Stützmauern oder innen liegende Wasserbecken.  ts

Als Gründe für die Entwicklung gegen den Trend werden für den Kreis günstige Baulandpreise, ein erhöhter Zuzug junger Familien und die bislang niedrige Zinslage genannt. Insbesondere Einfamilienhäuser werden im Kreis gebaut. Einen ähnlichen Zulauf gibt es laut Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung in ähnlichen Gegenden in Brandenburg oder Bayern.

Wie lange die Steigerung von Baugenehmigungen anhalten wird, ist indes ungewiss. Wie Uwe Linnenkohl während der Bilanzvorstellung der VR-Bank Mitte erklärte, würden die Zinsen für Baukredite derzeit kontinuierlich steigen. Ein besonderer Hemmschuh bei der Baufinanzierung sei derzeit aber die immense Baukostensteigerung.

„Für junge Familien wird es immer schwieriger, ins Eigenheim zu kommen“, sagt Younes Frank Ehrhardt, Geschäftsführer von Haus & Grund Hessen. Viele müssten sich eingestehen, dass sie sich ein Eigenheim vernünftigerweise nicht leisten könnten. Der Staat könne durch Entlastung der Grunderwerbsteuer und hohe energetische Auflagen gegensteuern. Denn: Höhere Baukosten führten auch zu höheren Mieten. (Tobias Stück)

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