FRAGEN UND ANTWORTEN

Darum gibt es den Volkstrauertag: Gegen Krieg und Gewalt

Gedenken an die Opfer von Krieg, Gewalt und Terrorismus: Neben der Bundespolizei legt auch die Friedrich-Wilhelm-Schule am Volkstrauertag einen Kranz auf dem Eschweger Friedhof nieder. Die Schule gedenkt der 23 Schüler, die 1943 als Flakhelfer bei einem Luftangriff starben. Archivfoto: Kristin Weber
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Gedenken an die Opfer von Krieg, Gewalt und Terrorismus: Neben der Bundespolizei legt auch die Friedrich-Wilhelm-Schule am Volkstrauertag einen Kranz auf dem Eschweger Friedhof nieder. Die Schule gedenkt der 23 Schüler, die 1943 als Flakhelfer bei einem Luftangriff starben. Archivfoto: Kristin Weber

Heute wird Volkstrauertag gefeiert - auch im Werra-Meißner-Kreis. Aber warum gibt es diesen Tag überhaupt? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Werra-Meißner – Trotz Coronapandemie wird es im Werra-Meißner-Kreis viele kleine Veranstaltungen zum Gedenken der Opfer von Krieg, Gewalt und Terrorismus geben. Wir erklären, wem am kommenden Sonntag überhaupt gedacht wird.

Was ist der Volkstrauertag überhaupt?

Der gilt in Deutschland als staatlicher Gedenktag. Erinnert werden soll mit diesem Tag an die Kriegstoten und an die Opfer von Gewaltherrschaften. Überall finden deshalb Gedenkstunden statt, auch im Deutschen Bundestag. So gibt es dort eine Rede des Bundespräsidenten.

Seit wann gibt es den Volkstrauertag?

Seit dem Jahr 1919. Damals ist er vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge vorgeschlagen worden, um der Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg zu gedenken. Drei Jahre später fand dann die erste Gedenkstunde im Reichstag statt.

Wann genau findet der Tag statt?

Dass dieser zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag begangen wird, gilt erst seit 1952. Zuvor fand er, teilweise unter anderem Namen, schon im Frühjahr statt: am fünften Sonntag vor Ostern. Nachdem 1922 eine erste Gedenkstunde stattgefunden hatte, wurde der erste Volkstrauertag am 1. März 1925 begangen. Ein gesetzlicher Feiertag war er damals nicht, weil die Weimarer Republik zum einen politisch instabil war und es zu keiner Gesetzgebung kam und die katholische sowie evangelische Kirche zudem nicht mit einem Termin in der vorösterlichen Zeit einverstanden waren.

Wieso wird der Tag in rechtsextremen Kreisen Heldengedenktag genannt?

Das hat mit dem Nationalsozialismus zu tun. Die Nazis widmeten den Volkstrauertag in einen Heldengedenktag um: Gedacht wurde nicht mehr der Toten, stattdessen wurden die Helden verehrt. Erstmals wurde in dieser Zeit auch der Bezug zur christlichen Zeitrechnung aufgegeben: Fand der Tag bisher immer an einem Tag statt, der sich auf Ostern bezog, wurde der Heldengedenktag 1939 auf den 16. März (oder den Sonntag davor) gelegt – das war der Tag, an dem vier Jahre zuvor die Wehrpflicht im Dritten Reich wiedereingeführt wurde.

Warum wurde der Tag auf die Zeit vor dem ersten Adventssonntag gelegt?

Um ihm zum einen wieder einen christlichen Rahmen zu geben und sich vom Heldengedenktag abzugrenzen. Beschlossen wurde das aber erst 1952. Die Zeit im November ist deshalb gewählt worden, weil sich die Christen in dieser Zeit generell viel mit den Themen Tod und Trauer beschäftigen.

Hat der Tag heute, 76 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, an Bedeutung verloren?

Nein, sagt Sieglinde Repp-Jost, Pfarrerin der Marktkirchengemeinde Eschwege. Gerade für die Menschen, die den Krieg noch miterlebt haben, sei der Tag wichtig. „Er hat noch immer eine Bedeutung in den Gottesdiensten.“ Landrat Stefan Reuß, Vorsitzender des Kreisverbandes Werra-Meißner des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, sieht den Gedenktag als Erinnerung darauf, „welches hohe Gut der Frieden ist“.

Von Tobias Stück

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