Online-Fachgespräch

Geringe Bezahlung belastet: Hebammen berichten von ihrem Beruf und was besser werden sollte

Gehört auch zu ihren Aufgaben: Eine Hebamme wiegt im Rahmen der Nachsorge ein Baby.
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Gehört auch zu ihren Aufgaben: Eine Hebamme wiegt im Rahmen der Nachsorge ein Baby.

Beim Online-Fachgespräch zur Arbeit der Hebammen im Werra-Meißner-Kreis ging es um die schlechte Bezahlung, hohe Belastung aber auch den Standortvorteil für Hebammen im Landkreis.

Eschwege – Die gute Nachricht ist: Im Werra-Meißner-Kreis ist es für werdende Mütter noch immer leichter, eine Hebamme zu finden als in Kassel oder gar Frankfurt. „Das ist ein Standortvorteil für den Werra-Meißner-Kreis“, sagte Felix Martin, Landtagsabgeordneter der Grünen. Gemeinsam mit seiner Landtagskollegin Kathrin Anders, Sprecherin für Geburtshilfe und frühkindliche Bildung, hatte er per Video-Konferenz zum Fachgespräch über die Arbeit als Hebamme eingeladen.

Die Politiker wollten mit Beteiligten darüber reden, welche Grundvoraussetzungen gegeben sein müssten, damit Hebammen ihrem Beruf im ländlichen Raum nachgehen können und was besser gemacht werden könne, damit die Geburtshilfe in Deutschland den Stellenwert bekomme, den sie verdiene. „Viele Hebammen wollen ihren Beruf aufgeben, da die Arbeitsbelastung zu hoch und die Vergütung zu gering ist“, sagte Kathrin Anders. Mit dem Hebammenreformgesetz, das in Hessen umgesetzt wird, soll es Verbesserungen geben. So wird die Schulausbildung in ein Studium umgewandelt, 142 Studienplätze werden zu Beginn angeboten.

Hebamme vom Klinikum Werra-Meißner berichtet von ihrer Arbeit

Conny Zeuch ist Beleghebamme im Klinikum Werra-Meißner und berichtete von ihrer Arbeit. Auf der Geburtshilfestation können zwei gebärende Frauen parallel betreut werden, wenn eine dritte Frau hinzukomme, könnte eine Bereitschaftshebamme gerufen werden. Pro Tag gebe es zwischen einer und fünf Geburten, rund 400 im Jahr. Die Hebammen im Werra-Meißner-Kreis betreuten Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett und leisteten als Familienhebammen Hilfe in problematischen Fällen bis das Kind ein Jahr alt sei. „Es macht mir unglaublich viel Freude, in diesem Kontext zu arbeiten“, sagte Conny Zeuch. „Im Kreis sind die Hebammen gut vernetzt.“

Ulrike Giesen, Familienhebamme, mache sich jedoch Sorgen, wenn immer mehr Geburtshilfestationen in kleinen Kliniken geschlossen werden. „Es ist eine Katastrophe“, sagte sie. „Die normale Geburt gehört in einen kleinen, geschützten Rahmen.“

Was es bedeute, wenn nur große Kliniken übrig bleiben, hat die freiberufliche Hebamme Marie Kurig erlebt. „In Kassel wurden 2000 Geburten im Jahr betreut, das bedeutete, das Arbeitstempo musste immer schneller werden, die Frauen wurden allein gelassen.“ Sie ist nun im Werra-Meißner-Kreis tätig und mit den personellen Bedingungen zufriedener. Die Geburtshilfestation im Klinikum müsse unbedingt erhalten bleiben, forderten die Hebammen sowie die Leitende Oberärztin Dr. Christine Riechmann.

Eines jedoch kritisierten alle: Die viel zu geringen Fallpauschalen. Für Besuche der Mütter im Wochenbett seien 40 Minuten bei 38 Euro Vergütung veranschlagt. „Meistens braucht man mehr Zeit für die Mutter“, sagte Ulrike Giesen. „Außerdem gehen bei einer Freiberuflerin von den 38 Euro auch noch 40 bis 50 Prozent als Abgaben weg. Da bleibt nicht viel übrig. Die Bezahlung stimmt in dieser Relation überhaupt nicht.“ Die Hebammen fordern, dass die Vergütung nach der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit berechnet werde.

Ein weiteres Problem: Es gibt mehr Kaiserschnitte, als medizinisch notwendig

Ein weiteres Problem betonte Dr. Christine Riechmann: Mehr Kaiserschnitte würden gemacht, als medizinisch notwendig seien. Sie forderte deshalb, dass die natürliche Geburt in den Kliniken ebenfalls finanziell aufgewertet werden müsse. Die Hebamme Janina Peters weiß noch nicht, wie es mit ihrem Beruf weitergehen soll: „Die Rahmenbedingungen sind schwierig. Von unserem Gehalt allein kann man keine Familie ernähren. Außerdem ist die Geburtshilfe-Versicherung für freiberufliche Hebammen zuletzt immer teurer geworden.“

Kathrin Anders will sich für einen Ausstieg aus dem System der Fallpauschalen einsetzten. Sie machte zukünftigen Hebammen Hoffnung. Eine studierte und promovierte Hebamme sollte in einigen Jahren mit einer promovierten Gynäkologin finanziell gleichgestellt werden. (Von Kristin Weber)

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