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Grundeigentümer-Verein informiert zur Grundsteuerreform

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Von: Tobias Stück

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Grundstücksbesitzer müssen zur Neuberechnung der Grundsteuern A und B das Finanzamt mit zusätzlichen Informationen versorgen. Bis zum 31. Oktober haben sie dafür Zeit.
Grundstücksbesitzer müssen zur Neuberechnung der Grundsteuern A und B das Finanzamt mit zusätzlichen Informationen versorgen. Bis zum 31. Oktober haben sie dafür Zeit. © Jens Bülter

Der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer-Verein Eschwege hatte seine Mitglieder über die Abgabe der Steuererklärung zur Feststellung des Grundsteuermessbetrags informiert.

Eschwege – Mit dem Referenten und Vorsitzenden des Vereins, dem Steuerberater Norbert Ackermann, beantworten wir die wichtigsten Fragen.

Wer ist zur Abgabe einer solchen zusätzlichen Steuererklärung überhaupt verpflichtet?

Bei mehreren Miteigentümern, die vollständig in der Erklärung mit ihren Miteigentumsanteilen anzugeben sind, müssen sich die Beteiligten einigen, wer von ihnen der Erklärungspflicht nachkommt. „Es kommt nicht darauf an, ob die Grundstücke selbst genutzt oder vermietet sind“, sagt Norbert Ackermann.

Wie muss ich die Erklärung abgeben?

Grundsätzlich muss die Erklärung elektronisch, zum Beispiel über das Computerprogramm Elster, abgegeben werden. Personen, denen die Abgabe der elektronischen Erklärung nicht zumutbar ist, können beim Finanzamt Erklärungen in Papierform beantragen.

Was muss in der Erklärung angegeben werden?

Da in Hessen das Flächen-Faktor-Verfahren gilt, müssen in der Erklärung neben Angabe des Grundbuchblattes, Flur und Flurstück des Grundstücks auch die Grundstücksfläche, die Wohn- und die Nutzfläche der Gebäude angegeben werden.

Welche Probleme entstehen bei der Ermittlung der Flächenangaben?

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen „Wohnfläche“ und „Nutzfläche“. Dabei geht es nicht nur um den Ansatz von Ferienwohnungen, leer stehende Wohn-und Nutzflächen, Wintergärten, überdachte Schwimmbäder, Partyräume, sondern auch um den Ansatz von Garagen und Nebengebäuden. So sind z.B. Nebengebäude wie Scheunen und Schuppen oder Gartenhäuser, die sich auf einem Wohngrundstück befinden, nur dann flächenmäßig unberücksichtigt zu lassen, wenn sie unter 30 Quadratmeter Grundfläche haben. Sind die Flächen größer, so sind diese dann in voller Höhe der Wohnfläche des Grundstücks zuzurechnen.

Gibt es Nachlässe?

Ist das Gebäude zum Stichtag 1.1.2022 als Baudenkmal anerkannt oder der Förderung des sozialen Wohnungsbaues bestimmt, gibt es auf Antrag einen Nachlass des Grundsteuermessbetrages in Höhe von 25 v.H.

Wie erfolgt die Berechnung des Messbetrags eigentlich?

Wohnflächen sind mit 0,50 Euro/Quadratmeter zu berechnen, angesetzt werden jedoch nur 70 v.H. Nutzflächen dagegen werden mit 100 v.H. , also ohne Nachlass, berücksichtigt. „Folglich ist es dabei erheblich, ob Gebäudeflächen als Wohnflächen oder Nutzflächen einzustufen sind“, sagt Ackermann. Die Grundstücksfläche wird mit 0,04€/qm für die Ermittlung des Messbetrags berücksichtigt. Diese Summe wird dann mit einem Faktor multipliziert, der in der Relation von Bodenrichtwert des betreffenden Grundstücks und dem durchschnittlichen Bodenrichtwert der betreffenden Gemeinde ermittelt und dann mit einer Potenz von 0,3 errechnet wird.

Welche Auswirkungen wird die Neuberechnung der Grundsteuer haben?

Ob es tatsächlich so sein wird, dass insgesamt das Grundsteueraufkommen mehr oder weniger gleichbleiben wird, hat Norbert Ackermann stark angezweifelt. „Ob sich hier die Politik und die Verwaltung zu weit aus dem Fenster gelehnt haben, wird sich spätestens zeigen, wenn die neu wirksame Grundsteuer ab 2025 erhoben wird.“

Was mache ich, wenn mich diese Angaben überfordern?

Wer sich nicht in der Lage fühlt, seine Erklärung selbst fachgemäß auszufüllen, kann sich der Hilfe eines Steuerberaters bedienen. „Die vielen Rückfragen aus dem Kreis der Mitglieder zeigten, dass der Verein mit dem Vortrag zu diesem aktuellen Thema seinen Mitgliedern wichtige Hilfen und Unterstützung bei der Ausfüllung der Grundsteuererklärung zeitnah angeboten hat“, sagt Ackermann. (Tobias Stück)

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