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Gestiegene Kosten sind Belastungsprobe für die Tierheime im Werra-Meißner-Kreis

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Von: Marius Gogolla

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Blick hinter die Kulissen: Eschweger Tierheim
Auf Spenden sind sowohl das Eschweger Tierheim (Foto) als auch das Katzenhaus Witzenhausen angewiesen. © Ulrike Käbberich

Angesichts steigender Kosten erwarten die Tierheime im Werra-Meißner-Kreis und der Deutsche Tierschutzbund mehr Tierabgaben. Selbst sind die Tierheime auf Spenden angewiesen.

Werra-Meißner – Auf die Tierheime kommen schwere Zeiten zu. Der Anstieg von Kosten für Energie, Futter und tierärztliche Behandlungen birgt eine finanzielle Mehrbelastung, die zukünftig zu Problemen führen kann. Tendenziell erwartet der Deutsche Tierschutzbund eine höhere Anzahl von Tierabgaben, weil die Kosten für Tierhalter im privaten Bereich ebenfalls steigen.

Gabriele Kaestner, Leiterin des Eschweger Tierheimes, rät deshalb zu Bedacht, wenn es um die Anschaffung von Tieren geht. „Bevor man sich ein Tier zulegt, sollten sich alle Beteiligten umfassend informieren“, sagt Kaestner. Außerdem müsse sich jeder im Klaren über den Zeit- und Kostenaufwand der Tierhaltung sein. Die Prognose für das kommende Jahr fällt düster aus. „Viele Tierheime werden an die Grenzen des Machbaren geraten“, so Kaestner.

Die Anzahl der in deutschen Haushalten lebenden Haustiere ist während der Corona-Pandemie deutlich angestiegen. Innerhalb des Jahres 2020 legten sich die Deutschen laut Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) und dem Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands (ZZF) zirka eine Million neue Haustiere zu. Zu dieser Zeit konnten viele Arbeitnehmer im Homeoffice arbeiten, sodass sich die Pflege eines Tieres mit der Arbeit vereinbaren ließ.

Steigende Kosten und weniger Zeit im Homeoffice

Die Situation heute stellt sich anders dar. Die Lebenshaltungskosten sind aufgrund der Inflation von rund 10 Prozent (Stand: November 2022) und der hohen Energiepreise rapide gestiegen, viele Arbeitnehmer sind nicht mehr im Homeoffice tätig. Hinzu kommen die höheren Kosten für die Behandlung von Tieren aufgrund der reformierten Gebührenordnung für Tierärzte. Leidtragende der Situation sind häufig die Tiere, die aufgrund finanzieller Engpässe der Halter abgegeben werden.

Für die Tierheime im Werra-Meißner-Kreis eine Belastungsprobe, arbeiten sie doch auf Spendenbasis. „Wir erwarten eine Flut an Katzenabgaben“, sagt Susanne Klemens vom Katzenhaus Witzenhausen. „Schon jetzt erhalten wir Anfragen von Tierhaltern mit der Bitte um finanzielle Unterstützung.“

Für die Tierarzt-Behandlungen im Dezember rechne sie mit einer Verdopplung der normalerweise anfallenden Kosten. Wie und ob das Katzenhaus weiterhin existieren wird, könne Klemens nicht sagen. Um eine Chance auf einen Fortbestand zu haben, seien Spenden notwendig. Ebenso würden ehrenamtliche Helfer gesucht.

(Marius Gogolla)

Behandlungskosten bei Tierärzten gestiegen

Am 22. November ist die neue Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) in Kraft getreten. Der Gesetzgeber hat die GOT von 1999 um moderne tierärztliche Leistungen erweitert und die Preise entsprechend dem heutigen Standard in der Tiermedizin angepasst, um den Praxen eine kostendeckende Arbeit zu ermöglichen. Dies führt zu einem Anstieg der Preise für die Behandlung eines Heimtieres. Teilweise haben sich die Kosten für einzelne tierärztliche Maßnahmen verdoppelt. (mag)

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