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Im neuen Eschweger Naturfreibad soll Schilf das Wasser reinigen

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Von: Tobias Stück

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Das Schilffeld für den natürlichen Bodenfilter befindet sich etwas abseits des Schwimmbeckens. Hier beseitigt eine Mitarbeiterin im ähnlichen Parkbad Weende in Göttingen den Kies von der Umrandung.
Das Schilffeld für den natürlichen Bodenfilter befindet sich etwas abseits des Schwimmbeckens. Hier beseitigt eine Mitarbeiterin im ähnlichen Parkbad Weende in Göttingen den Kies von der Umrandung. © Christoph Mischke

Dafür, dass der Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) das Naturfreibad Eschwege als herausragend einstufte, war auch die besondere Filteranlage verantwortlich.

Eschwege – Für den Neubau des Eschweger Freibads hat das Land Hessen den Stadtwerken Eschwege die Höchstsumme von einer Million Euro durch ihr Förderprogramm Swim zukommen lassen und für das Eschweger Vorhaben sogar die Förderquote erhöht (wir berichteten). Das Naturfreibad kommt ohne Chlor aus, stattdessen reinigt ein Bodenfilter das Wasser auf natürliche Art.

So funktioniert der biologische Filter mit Schilf

Entwickelt hat das System die Pauly-Group aus Neu-Eichenberg. Herzstück der biologischen Wasseraufbereitung ist ein Bodenfilter (Grafik unten), eine schilfbewachsene Fläche abseits des Badebetriebs. Hier wird das abgebadete Beckenwasser aufbereitet. Softwaregesteuerte Pumpen verbinden Badebereiche und Bodenfilter. Sie regeln Umwälzleistung und Intensität der Wasserreinigung abhängig von der Besucherzahl und für jedes Becken getrennt. Die Rohwasserpumpen fördern das abgebadete Beckenwasser aus der Schwallwasserkammer auf zum Bodenfilter, wo es die verschiedenen Filterschichten durchfließt. Die schilfbewachsene Fläche hat keine offene Wasserfläche und liegt abseits des Badebetriebs. Neben der mechanischen Filtration durch die Kies- und Sandschichten beruht das Reinigungsprinzip auf bekannten biologischen Konkurrenz- und Abbauprozessen durch die Schilfpflanzen.

Aus dem Reinwasserspeicher wird das gereinigte Wasser über Einstromdüsen den einzelnen Becken zugeführt. Hier verdrängt es das Beckenwasser, das über die Überlaufrinnen wieder der Schwallwasserkammer zuströmt und der Kreislauf beginnt erneut.

Filter-Kreislauf: Das verbrauchte Wasser gelangt über die Überlaufrinne in den Schwallwasserbehälter und wird von da aus dem Schilf zugeführt. Es durchfließt die Filterschichten und landet im Reinwasserspeicher. Von dort aus wird das gereinigte Wasser wieder im Becken verteilt. Anschließend beginnt der Kreislauf von Neuem.
Filter-Kreislauf: Das verbrauchte Wasser gelangt über die Überlaufrinne in den Schwallwasserbehälter und wird von da aus dem Schilf zugeführt. Es durchfließt die Filterschichten und landet im Reinwasserspeicher. Von dort aus wird das gereinigte Wasser wieder im Becken verteilt. Anschließend beginnt der Kreislauf von Neuem. © The Pauly-Group

Wasser im Naturfreibad Eschwege erwärmt sich schnell

Einen positiven Nebeneffekt hat der Bodenfilter auch noch: „Schon während der ersten Schönwettertage erreicht das Badewasser angenehme Temperaturen von über 20 Grad“, verspricht das Unternehmen. Verantwortlich hierfür seien vor allem die sonnenexponierten Flächen des Bodenfilters.

Das Schilf für den Bodenfilter kommt aus der hauseigenen Gärtnerei, die mit eigenem Saatgut robuste Schilfkulturen hervorbringt. Sie werden in den von der Pauly-Group konzipierten Bädern verarbeitet. Jährlich verlassen die Gärtnerei bis zu 400 000 Pflanzen – auch für Kläranlagen. „Wir möchten unseren Besuchern eine echte Alternative zu den bestehenden Freibädern und Badeseen in der Region bieten“, sagt der Stadtwerke-Geschäftsführer Markus Lecke. Daher habe man sich ganz bewusst für den Bau eines Naturfreibades mit biologischer Wasseraufbereitung entschlossen.

Das bietet das neue Naturfreibad Eschwege

Ebenfalls wird auf ein typisches Becken mit Edelstahl oder Fliesen verzichtet. Stattdessen werden Beckenwände und -sohle aus Stahlbeton hergestellt und mit einer Folie verkleidet, der künftige Lagunenbereich erhält einen Sandboden. Das Becken soll eine Fläche von mehr als 1000 Quadratmetern haben, über mehrere 50-Meter-Bahnen verfügen. Ein Sandstrand mit Lagune wird angelegt, ebenso eine Breitwellenrutsche. Direkt nebenan befindet sich der Wasserspielplatz. Im Hallenbad stehen Sprungtürme und Rutschen zur Verfügung.

2023 soll das Freibad in Eschwege eröffnet werden

Die gesamten Projektkosten werden sich laut aktueller Kostenberechnung auf 3,5 Millionen Euro belaufen. 3,1 Millionen Euro davon seien förderfähig. Nachdem der Förderantrag für das Naturfreibad bewilligt wurde, können Anfang 2022 die weiteren Schritte starten. Mit einer Eröffnung wird für den Sommer 2023 gerechnet. (Tobias Stück)

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