UMWELTPREIS (5)

Im Repair-Café in Eschwege bringen Ehrenamtliche Altes wieder auf Vordermann

Ingeborg Zwilling vom Repair Café nahm im September die Auszeichnung von Landrat Stephan Reuß entgegen.
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Ingeborg Zwilling vom Repair Café nahm im September die Auszeichnung von Landrat Stephan Reuß entgegen.

Der Werra-Meißner-Kreis hat in diesem Jahr wieder den Umweltpreis verliehen. Ausgezeichnet wurden Schulen, Kindergärten, Vereine und Verbände. Wir stellen die Gewinner vor.

Eschwege – Wohin mit der alten Stehlampe von Oma, wenn sie nicht mehr leuchtet? Das Herz hängt noch an dem defekten Gegenstand, die Garantie ist aber schon seit über 50 Jahren abgelaufen. Oder: Wie das alte Tonbandgerät wieder zum Laufen bringen? Eine Technik, die heute gar nicht mehr verkauft wird.

Gisela Adam bringt ein Kuscheltier wieder auf Vordermann.

Das Gute: Es gibt Tüftler und Bastler, die bringen alles wieder ins Lot. Im Repair-Café in Eschwege reparieren Ehrenamtliche Gegenstände, die zu schade zum Wegwerfen sind oder deren nostalgischer Wert für den Besitzer unersetzlich ist. Sie tun dies gegen eine Spende. Damit gewann das Projekt im September den Umweltpreis des Werra-Meißner-Kreises.

„Durch das Angebot des Repair-Cafés können wir dazu beitragen, Müll zu vermeiden und wertvolle Rohstoffe zu erhalten“, sagt Kathrin Beyer von der Freiwilligenagentur Omnibus der Evangelischen Familienbildungsstätte. Zusammen mit Ralf Fischbach vom Verein Aufwind leitet sie das Projekt, in dem Lieblingsstücke gerettet werden. Örtlichen Händlern und Dienstleistern wollen die Ehrenamtlichen keine Konkurrenz machen.

Doch alles, wofür Händler keine Ersatzteile mehr anbieten können, reparieren die Hobby-Bastler gerne. Die Wartezeit können sich die Hilfesuchenden bei einem Kaffee oder Tee und einem Plausch vertreiben – normalerweise. Doch während sich das Corona-Virus immer weiter ausbreitet, ist nichts mehr normal. Deshalb hatte das Repair-Café im Frühjahr schon einmal aussetzen müssen und erst im September wieder geöffnet.

Der Bedarf an Reparaturen ist aber nach wie vor groß, gerade bei Menschen mit kleinerem Geldbeutel. Im Augenblick ist jedoch wieder mehr Vorsicht angebracht. Das macht auch in diesem Projekt die Arbeit schwieriger. Da die ehrenamtlichen Helfer so lange wie möglich weitermachen möchten, haben sie die Regeln geändert.

Gisela Adam bringt ein Kuscheltier wieder auf Vordermann.

Die zu reparierenden Gegenstände können derzeit nur an der Tür abgegeben und später wieder abgeholt werden. Kaffee gibt es keinen. Etwas Wesentliches fehlt den Helfern jedoch: Die Gemeinschaft. „Bei uns gehören die Begegnung und das Miteinander einfach dazu“, erklärt Kathrin Beyer.

„Das Ziel ist nicht, dass die Tüftler allein zu Hause sitzen und die Dinge reparieren. Daran haben sie zwar Spaß, aber sie möchten es gemeinschaftlich tun.“ Deshalb ist Beyer vorsichtig, was Prognosen angeht. „Wir würden das Angebot gerne aufrechterhalten“, sagt sie. „Aber wir wissen nicht, wie die Lage schon nächste Woche aussieht. Deshalb müssen wir uns offenhalten, spontan zu entscheiden, ob wir weitermachen können oder nicht.“

An jedem ersten Samstag im Monat von 10 bis 13 Uhr nimmt das Repair-Café in der Tagesstätte „Tagwerk“ am Markt 10 in Eschwege Kaputtes an – solange die Infektionslage dies zulässt. (Von Kristin Weber)

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