Impfzentrum Eschwege

Corona-Impfstart im Werra-Meißner-Kreis: Erste Geimpfte zufrieden mit Ablauf

So sieht das Impfzentrum von oben aus: (1) Hier betritt man die Sporthalle des Oberstufengymnasiums und meldet sich mit seinem Berechtigungsschein an. (2) An der nächsten Station werden die Unterlagen auf Vollständigkeit geprüft. (3) Am sogenannten Check-in werden die Patienten aufgenommen und für die Impfung vorbereitet. (4) Anschließend betreten sie die Impfstraße. In den ersten Behandlungsräumen wartet der Arzt (5), in den weiteren wird geimpft (6). Anschließend geht es in den Überwachungsbereich (7), bevor die Senioren das Impfzentrum wieder verlassen (8).
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So sieht das Impfzentrum von oben aus: (1) Hier betritt man die Sporthalle des Oberstufengymnasiums und meldet sich mit seinem Berechtigungsschein an. (2) An der nächsten Station werden die Unterlagen auf Vollständigkeit geprüft. (3) Am sogenannten Check-in werden die Patienten aufgenommen und für die Impfung vorbereitet. (4) Anschließend betreten sie die Impfstraße. In den ersten Behandlungsräumen wartet der Arzt (5), in den weiteren wird geimpft (6). Anschließend geht es in den Überwachungsbereich (7), bevor die Senioren das Impfzentrum wieder verlassen (8).

Der Impfstart in Eschwege verlief am Dienstag reibungslos. Wir haben die Person begleitet, die als erste Person im Zentrum Eschwege gegen Corona geimpft wurde.

Eschwege – „Hat gar nicht wehgetan“, sagt Ellen Hupfeld nach der zurzeit so heiß diskutierten Injektion. Die Waldkappelerin nimmt die fehlenden Schmerzen weniger überrascht, dafür mehr motivierend zur Kenntnis. Vor ihrem nächsten Termin wird sie weniger aufgeregt sein.

Die Impfung war nicht nur für sie, sondern auch für das gesamte Impfzentrum Werra-Meißner in Eschwege ein besonderer Moment. Nach wochenlangem Hin und Her ist die Einrichtung am Dienstagmorgen endlich an den Start gegangen. „Wir wären schon im Dezember bereit gewesen“, sagt Thomas Wuth, Geschäftsführer des Eschweger Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), das für die Organisation des Impfzentrums verantwortlich ist. Fehlende Impfstoffe hatten immer wieder zu Verzögerungen gesorgt.

Am 18. Januar wurde zunächst das regionale Impfzentrum in Kassel eröffnet. Für viele Menschen aus dem Werra-Meißner-Kreis hatte es für Unmut gesorgt, nach Kassel fahren zu müssen. Den Start in Eschwege nehmen viele als Erleichterung wahr.

Auch Ellen Hupfeld. Nach Kassel wollte sie nicht. Deswegen war sie froh, dass ihr Sohn einen Termin für Eschwege ausmachen konnte. „Das ging ganz unkompliziert im Internet“, erzählt sie. Dass es der erste Termin sein würde, der nach Eschwege vergeben wurde, ahnte sie damals noch nicht.

Einflussnahme auf Terminvergabe ist nicht möglich - Land vergibt Termine nach Impfstoffmenge

Die Termine werden zentral vom Land Hessen vereinbart. Einflussnahme ist nicht möglich. Das Land vergibt immer genau so viele Termine, wie Impfdosen vorhanden sind. In dieser ersten Woche bekommt das Impfzentrum in Eschwege 294 Rationen, nach drei Wochen sollen es mehr werden. Wie alle hessischen Impfzentren könnten hier 1000 Menschen pro Woche geimpft werden.

Wann man unter Volllast arbeiten werde, wisse man noch nicht, sagt Matthias Gebhardt, der stellvertretende Leiter des Impfzentrums. Gegen den verhaltenen Start habe er nichts, so könne man schauen, wo man Abläufe optimieren könne. Ganz ins kalte Wasser seien die Mitarbeiter auch gestern nicht gesprungen. Schon vorher wurden die Impfstraßen bei den Impfungen von Pflegepersonal getestet worden.

Ellen Hupfeld wurde als aller erstes im Eschweger Zentrum geimpft

Um 8.10 Uhr hatte Ellen Hupfeld ihren Termin. Was sie erwartet, wusste sie am Dienstagmorgen nur ungefähr. Deswegen ist die 81-Jährige zeitig aufgebrochen. Ihr alter Schulfreund Karl hatte sie gefahren, weil Eis und Schnee ihr Sorge bereitet haben. Fünf Minuten vor acht steht sie am Eingang zur Sporthalle des Oberstufengymnasiums und wird eingelassen. Von da an schwimmt sie in einem ausgeklügelten System mit.

An der Anmeldung muss sie ihre mitgebrachten Unterlagen vorzeigen. Die Bescheinigung des Termins und ein Ausweis sind hier am wichtigsten. Dann gibt es ein paar Formulare zum Unterschreiben. In einem Wartebereich werden die Unterlagen zusammen mit einer DRK-Mitarbeiterin noch mal gecheckt. „Hier fehlt noch eine Unterschrift, Frau Hupfeld“, weist Simone Womelsdorf freundlich hin. Dann geht es weiter zum Check-in, wo Bettina Maschke und ihre Kollegin die Patienten-Unterlagen für den Arzt vorbereiten. „Fühlen Sie sich wohl?“, fragt der Arzt Lennart Merkle Ellen Hupfeld. Die ist bester Dinge, tauscht sich mit dem 25 Jahre alten Mediziner noch über ihre Vorerkrankungen aus und geht dann in der Impfstraße zum nächsten Raum weiter.

Hier wird es passieren. Hier gibt es die sehnsüchtig erwartete Spritze. Ellen Hupfeld hat Vorerkrankungen und möchte sich deshalb schnellstmöglich impfen lassen, um wieder zur alten Sorglosigkeit zurückkehren zu können. Direkt vor der erlösenden Injektion dauert die Wartezeit am längsten. Der Impfstoff ist verspätet eingetroffen. Eis und Schnee haben das Kurierfahrzeug behindert.

Ellen Hupfeld bekommt den ersten Piks mit dem Corona-Impfstoff.

Als das Vakzin am Eschweger Sportzentrum am Südring eintrifft, muss es erst aufbereitet werden. Darum kümmern sich Pharmazeuten. Mit der Marienapotheke in Göttingen gibt es eine Kooperation. Die Apotheker und ihre Assistenten bereiten die Injektion vor und ziehen sie in der Spritze auf. Innerhalb von sechs Stunden nach dem Anstich muss der Impfstoff verabreicht werden. Bleibt etwas übrig, werden Personen von einer streng festgelegten Prioritätenlisten angerufen.

Im Behandlungsraum geht dann alles ganz schnell. Desinfektion, Spritze in den Oberarm, Pflaster drauf, festhalten. Nach dreißig Sekunden ist alles vorbei. Ellen Hupfeld streift ihre Bluse wieder über und geht zum Check Out. Hier muss sie sich abmelden. Zehn Minuten muss sie noch warten, ob Nebenwirkungen auftreten.

Thomas Wuth reicht kalte Getränke, Landrat Stefan Reuß und Gesundheitsdezernent Dr. Rainer Wallmann erkundigen sich nach den Erfahrungen bei der ersten Geimpften. Nach einer guten halben Stunde ist alles vorbei. Vorerst. Denn einen weiteren Termin hat Ellen Hupfeld schon bekommen. Am 2. März kommt sie ins Impfzentrum zurück. Dann gibt’s die zweite Impfung – vielleicht mit ein bisschen weniger Aufregung. (Von Tobias Stück)

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