Interview mit Rechtsanwalt

Krankmeldung: Was Sie als Arbeitnehmer wissen sollten

Eschwege. Bei der Krankmeldung kann man einiges falsch machen und auch seinen Job riskieren. Wir sprachen mit Fachanwalt Dr. Lutz Bergner über die richtige Krankmeldung.

Ich habe Grippe und mein Chef trifft mich im Restaurant: Muss ich Konsequenzen befürchten? 
Dr. Lutz Bergner: Generell bedeutet eine Krankschreibung für Arbeitnehmer nicht gleichzeitig, dass er nur zu Hause im Bett liegen muss. Allerdings muss er bestimmte Sorgfaltspflichten beachten und darf seine Genesung nicht leichtfertig aufs Spiel setzen. Eine Verletzung dieser Pflicht rechtfertigt grundsätzlich eine Kündigung, in Sonderfällen sogar eine fristlose Kündigung.

Darf mich mein Arbeitgeber nach meiner Krankheit fragen? 
Bergner: Generell geht es den Arbeitgeber nichts an, ob und woran ein Arbeitnehmer erkrankt ist. Allerdings gibt es Ausnahmen: Mitarbeiter eines Krankenhauses oder eines Restaurants beispielsweise können dazu verpflichtet sein, ihre Krankheit mitzuteilen, sofern Ansteckungsgefahr für Patienten, Kunden oder Kollegen besteht. Hat der Arbeitgeber etwa Zweifel an der Erkrankung, darf er Mitarbeiter zu Hause besuchen. Er kann auch einen Detektiv anheuern und dem Arbeitnehmer die Detektivkosten bei vorgetäuschter Krankheit aufbürden.

Wann muss ich mich beim Arbeitgeber krankmelden, wann den „Gelben Schein“ vorlegen? 
Bergner: Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, sich unverzüglich krankzumelden, sobald er die Krankheit erkennt und deshalb nicht zur Arbeit erscheint. Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung („Gelber Schein“) muss nach Gesetz spätestens nach dem dritten Tag vorgelegt werden. Hier gilt aber besondere Vorsicht: Im Arbeitsvertrag kann geregelt werden, dass eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schon am ersten Krankheitstag vorzulegen ist.

Was passiert, wenn ich zu spät dran bin? 
Bergner: Eine verspätete Meldung der Arbeitsunfähigkeit wie auch eine verspätete Vorlage der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kann eine Abmahnung, im Wiederholungsfalle sogar eine Kündigung rechtfertigen.

Kann mein Arbeitgeber mit Konsequenzen drohen, wenn ich über einen langen Zeitraum krankgeschrieben bin? 

Bergner: Wenn der Arbeitnehmer regelmäßig erkrankt, kann ihm der Arbeitgeber krankheitsbedingt kündigen – sofern der Betriebsablauf durch sein Fehlen gestört und eine „ungünstige Gesundheitsprognose“ gestellt wird. Es muss also wahrscheinlich sein, dass der Arbeitnehmer ein Problemfall bleibt. Der Betroffene indes hat die Chance, die Prognose mit Attesten und Gutachten zu widerlegen.

Gibt es eine maximale Krankschreibungszeit?

Bergner: Grundsätzlich ist eine Krankheit per se nicht befristet. Jedoch endet nach 72 Wochen der Anspruch auf Krankengeld gegenüber der Krankenkasse. Im Zweifel muss sich der Arbeitnehmer auf Sozialhilfeleistungen verweisen lassen. Hat die Krankenkasse nach längerer Krankheit Zweifel an deren Fortbestand, so kann sie auch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen beauftragen, den Krankenstand zu begutachten.

Kann ich mich für einen Arztbesuch krankschreiben lassen oder muss ich das in meiner Freizeit erledigen? 

Bergner: Es kommt auf die Dringlichkeit des Arztbesuches an. Der Arbeitnehmer hat das Recht, wenn die Dringlichkeit gegeben ist.

Zur Person

Dr. Lutz Bergner (41) hat an den Universitäten von Göttingen und Bologna Jura studiert. Dabei hat er sich auf das Verwaltungsrecht spezialisiert. Bergner ist heute Rechtsanwalt und Notar in Eschwege und hat darüber hinaus im Jahr 2008 promoviert. Seit über 20 Jahren engagiert er sich auch kommunalpolitisch in seiner Heimatgemeinde Berkatal und ist seit 2011 Kreistagsabgeordneter. In Frankershausen ist er Vorsitzender des Sportvereins. Bergner ist verheiratet und hat drei Kinder.

Von Tobias Stück

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.