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Jörg Dahlmann plaudert: Von Fritz Walter, Lothar Matthäus und einem Shitstorm

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Von: Tobias Stück

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Wortgewandt und unterhaltsam: Reporterlegende Jörg Dahlmann gab Einblicke hinter die Kulissen des Fußballzirkus.
Wortgewandt und unterhaltsam: Reporterlegende Jörg Dahlmann gab Einblicke hinter die Kulissen des Fußballzirkus. © Maximilian Paul Schmidt

Fast 40 Jahre hat Jörg Dahlmann im deutschen Fußballzirkus mitgewirkt. Seine Erinnerungen hat er in einem Buch zusammengefasst. Jetzt hat er daraus im Eschweger E-Werk gelesen.

Eschwege – Mit dem Eschweger Stefan Mohrhardt ist der Fußballkommentator Jörg Dahlmann (63) schon seit den frühen 1980er-Jahren befreundet. Über Mohrhardts Bruder Michael lernten sie sich in Südhessen kennen, seitdem besteht eine gute Freundschaft. Und für Kumpel Stefan Morhardt legte Jörg Dahlmann das Ende der Lesereise seines Buches „Immer geradeheraus“ nach Eschwege.

Authentische Plauderei

Wo Dahlmann draufsteht, ist auch Dahlmann drin. Authentisch plauderte der Gelsenkirchener, der mittlerweile auf Mallorca lebt, aus dem Leben eines Fußballreporters. Das Publikum – bis auf fünf Frauen hauptsächlich Männer – bekam, was es erwartet hatte: einen Blick hinter die Kulissen des Fußballzirkus. In erster Linie war der Vortrag, der eigentlich einer lockeren Plauderei eines Mannes, dem man gut zuhören konnte, entsprach, der Fußballszene in den 1980er- und 1990er-Jahren gewidmet. Männer im Alter von 40 bis 70 Jahren fanden sich hier perfekt wieder. Dahlmann verstand es aber auch, das jüngere Publikum miteinzubeziehen, damit die Geschichten „aus der guten alten Zeit“ jeden erreichten. Zwei 14-Jährige in der ersten Reihe waren hier seine Ansprechpartner.

Anekdoten aus seinem Berufsleben

Sein Buch besteht aus vielen Anekdoten aus seinem Berufsleben, die er auch in sein Programm einbaute. Mit Geschichten über Johnny Weissmüller, Ernst Kuzorra, Fritz Walter, Helmut „Boss“ Rahn, Stan Libuda, Jay Jay Okocha, Jürgen Klinsmann, Lothar Matthäus und Otto Rehagel bekam er die Kurve, um in die Neuzeit zu kommen. Wobei Dahlmann auch sagt: „Früher war es einfacher, an die Spieler heranzukommen. Heute werden sie von den Vereinen abgeschirmt. Sicherlich liegt es auch an meinem Alter, dass die Distanz zu den Spielern Mitte zwanzig größer geworden ist.“

Neben seinem guten Verhältnis zu vielen früheren Spielern gab es auch Missstimmungen. Nach einem Auswechselfehler von Otto Rehagel 1998, den Dahlmann öffentlich gemacht hatte, sprach die Trainerlegende zehn Jahre kein Wort mit dem Sportreporter. Erst auf dem Geburtstag von ZDF-Reporter Rolf Töpperwien gab es ein beiläufiges Friedensangebot. Dahlmann konnte es verschmerzen: Für die Reportage gab es den deutschen Journalistenpreis.

Mit unterhaltsamen Einspielern aus seinem Arbeitsleben lockerte Dahlmann den Abend auf.

Dahlmanns Rauswurf bei Sky

Heute ist Dahlmann so gut wie nicht mehr im Sportfernsehen präsent. Sein letzter Arbeitgeber Sky hatte ihn vorzeitig vor die Tür gesetzt, weil sie ihm Rassismus vorwarfen. Nachdem er einen japanischen Fußballspieler ins „Land der Sushis“ verortet hatte, kündigte der Sender seinen Vertrag. Dahlmann, der seine Karriere vor 40 Jahren begann und seine Erfolge größtenteils im analogen Zeitalter feierte, war in der digitalen Welt inklusive Shitstorm angekommen. Gegenüber dem Eschweger Publikum schilderte er den Rauswurf aus seiner Sicht. Von seinem Arbeitgeber hätte er sich die Chance der Verteidigung gewünscht.

Ernste Worte zum Thema Krebs

Ernste Töne schnitt Jörg Dahlmann auch beim Thema Krebs an. Er selbst war drei Mal erkrankt und überstand eine Darmkrebs-Diagnose. Er appellierte zu Vorsorgeuntersuchungen. Im Publikum saß dafür exakt die richtige Zielgruppe.

Erinnerungen an Eschwege

In Eschwege, „einem echt schönen Städtchen“, war Dahlmann nicht zum letzten Mal – allerdings auch nicht zum ersten. An seinen letzten Besuch kann er sich bestens erinnern. „Hier habe ich Nana Mouskouri getroffen“, erzählt er von einem Johannisfestbesuch. Kumpel Stefan Morhardt und das Publikum mussten ihm allerdings die Illusion rauben. Es war lediglich die Werrastrand-Wirtin Renate Kafski.

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