Für Frauen kein gewöhnlicher Beruf

Junge Frau lernt Maurerberuf, um Betrieb der Eltern zu übernehmen

Nur alle vier bis fünf Jahre eine Frau dabei: Meike Schumacher lässt sich im Ausbildungszentrum der Bauwirtschaft für den Werra-Meißner-Kreis in Eschwege zur Maurerin ausbilden. Zusammen mit ihrem Azubi-Kollegen Nico Wilhelm schalt sie gerade eine halbgewendelte Treppe ein – eine Holzkonstruktion, die am Ende mit Beton ausgegossen wird. Foto:  Bülau

Eschwege. Wir stellen in einer losen Serie junge Menschen vor, die sich im Werra-Meißner-Kreis engagieren, hier leben und arbeiten wollen.

Meike Schumacher ist 28 Jahre alt. Die junge Frau hat ein sympathisches Lächeln, die langen blonden Haare sind zu einem Zopf zusammengebunden.

Ihre Fingernägel sind rot lackiert. Sie ist zierlich, hat eine schmale Statur. Als Ausbildungsleiter Heiko Schilling nach ihr ruft, ist sie gerade dabei, eine halbgewendelte Treppe einzuschalen, also mit einer Holzkonstruktion zu versehen, die am Ende mit Beton ausgegossen wird.

Meike Schumacher ist im dritten Ausbildungsjahr, sie möchte Maurerin werden. Für Frauen kein gewöhnlicher Beruf. „Wir haben alle vier bis fünf Jahre mal eine Frau bei uns, die Maurerin werden möchte“, erzählt Schilling. Die 28-Jährige macht, wenn alles wie geplant läuft, im Juli ihre Gesellenprüfung in Eschwege. Danach geht es allerdings gleich weiter: Im Herbst beginnt der Meisterkurs, für den sie sich bereits angemeldet hat.

Danach möchte sie im elterlichen Bauunternehmen in Ringgau-Netra arbeiten und dieses irgendwann übernehmen: „Ich wäre die vierte Generation in unserer Familie, die den Betrieb leitet“, sagt Schumacher. Bedenken, dass das nicht klappen könnte, hat Ausbildungsleiter Heiko Schilling nicht: „Sie hat die besten Noten in ihrem Ausbildungsjahr und die Zwischenprüfung mit gut und sehr gut abgeschlossen. Ich bin froh und stolz, dass wir Meike haben. Ihre Leistungen sind deutlich über dem Durchschnitt.“

Alles ganz normal

Heiko Schilling und die anderen Auszubildenden würden mit ihr aber nicht besonders behutsam umgehen: „Es ist alles ganz normal. Sie bekommt keine Sonderbehandlung.“ Es sei allerdings nicht immer ihr Wunsch gewesen, diese Ausbildung zu machen, sagt Schumacher. „Der Entschluss ist mit der Zeit gekommen. Ich habe erst eine Ausbildung zur Anwaltsgehilfin gemacht. Das war aber nichts für mich.“

Überraschte Reaktionen

Die Entscheidung für diese Ausbildung habe sie freiwillig getroffen: „Mein Vater hat mir und meiner Schwester immer gesagt, dass wir machen sollen, was wir möchten.“ Auf Grund ihres Aussehens gebe es schon manchmal überraschte Reaktionen, wenn sie von ihrem Berufswunsch erzählt. Das sei aber kein Problem für sie.

Über die Zukunft macht sich Schumacher durchaus Gedanken: „Die Frage, ob ich mich später in meinem Beruf durchsetzen kann, habe ich mir auch schon gestellt“, erzählt die Auszubildende. Darum macht sich Heiko Schilling keine Sorgen: „Sie macht das schon“, sagt er lächelnd und zuversichtlich.

Von Maximilian Bülau

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