Kabarettist Giesek appelliert an die Menschlichkeit

Immer ein gern gesehener Gast: Bernd Gieseking gehört schon fast zum Inventar des E-Werks, bereits zum sechsten Mal blickte er mit seinen Gästen auf das vergangene Jahr zurück. Auch beim Open Flair Festival ist er regelmäßig vertreten. Foto: Kaiser

Eschwege. Der Kabarettist Bernd Gieseking blickte am Dienstag im E-Werk in Eschwege auf das Jahr 2015 zurück.

Wenn Kabarettist Bernd Gieseking zu seinem ganz persönlichen Jahresrückblick „Ab dafür“ lädt, dann heißt das für das Publikum Bauchmuskeltraining durch Lachen. Bereits zum sechsten Mal trat Gieseking mit seinem satirischen Rückblick auf das vergangene Jahr im Eschweger E-Werk auf. Das Publikum im gefüllten Saal war in ausgelassener Stimmung und lachte gerne mit und über den Kabarettisten.

Und er hatte einige gute Geschichten dabei: Bei einem Besuch im Hause Sauer-Merkel war er auf das Tagebuch von Joachim Sauer, Angela Merkels Ehemann, gestoßen. Natürlich lediglich aus Interesse an der Handschrift habe er einige Seiten fotografiert, so Gieseking. „Durchs Jahr mit Mutti“ beschrieb das politische Hin und Her in Deutschland und eröffnet: Sauer hatte seiner Frau den ein oder anderen Schnaps einschenken müssen.

Die Quintessenz des Abends: „Wir sind schon eine seltsame Welt!“ Den Weihnachtsmann gibt es wirklich, denn er hat Steuerschulden. Gleichzeitig genießt die Fifa Steuerfreiheit. Und der Kaiser schweigt, hat alles vergessen, wenn es um die Bestechungsgeldaffäre um die Vergabe des deutschen Sommermärchens geht. Ursula von der Leyen ritt in diesem Jahr einen staatlichen Deckhengst, von denen es übrigens einige auf Staatlichen Landsitzen in ganz Deutschland gibt. Den Gesetzesentwurf für den Paternoster-Führerschein zu kippen dauerte ganze acht Wochen, während es die Griechen schafften, innerhalb von zwei Tagen ihr Kabinett zu vereidigen. Barack Obama begnadigte zwei Truthähne, zuvor hatten die USA ein Krankenhaus der Ärzte ohne Grenzen bombardiert, mindestens 17 Menschen starben.

Bei den schlimmen Ereignissen im Jahr 2015 wurde auch der Kabarettist ernst. Er appellierte an die Menschlichkeit in Zeiten der Flüchtlingsströme und sprach den vielen freiwilligen Helfern seine Anerkennung aus. Für Rassisten hatte er eine ganz spezielle Idee: „Wir sollten über Ausbürgerung nachdenken“, forderte Gieseking.

Gleichzeitig habe es ihn wütend gemacht, wie die Boulevard-Presse mit den Nachrichten über den Flugzeugabsturz der German Wings-Maschine umgegangen sei, betonte Gieseking. Zu diesem Thema hatte er ein kleines Stück über Herrn Müller, der im Wasserbettenfachhandel arbeitet, geschrieben. Eines Nachmittags bekommt dieser Herr einen Anruf eines Reporters und plaudert ein wenig mit ihm, kurze Zeit später findet er das Gespräch völlig aus dem Kontext gerissen in den Nachrichten: Dort wird er als Experte vor Ort betitelt.

Über zweieinhalb Stunden hinweg unterhielt Gieseking sein Publikum und sorgte sowohl für zahlreiche lustige Momente als auch für einige nachdenkliche. (sek)

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