Werratalsee

Kraut wuchert im Werratalsee - Stadt Eschwege prüft Anschaffung von Mähboot

Seegras im Werratalsee: Weil die Wasserpflanzen im Werratalsee, hier zum Beispiel an den Ufern zu sehen, so extrem wuchern, berät die Stadt Eschwege über die Anschaffung eines eigenen Mähbootes.
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Seegras im Werratalsee: Weil die Wasserpflanzen im Werratalsee, hier zum Beispiel an den Ufern zu sehen, so extrem wuchern, berät die Stadt Eschwege über die Anschaffung eines eigenen Mähbootes.

Das Seegras breitet sich im Werratalsee aus. Zuletzt wurde sogar die Werranixe durch das wuchernde Kraut lahmgelegt. Helfen könnte nun ein Mähboot.

Eschwege/Meinhard – Das Seegras wickelt sich um die Antriebsschrauben von Booten, Schwimmer fühlen sich davon gestört: Um de n seit Jahren wuchernden Unterwasserpflanzen im Werratalsee Herr zu werden, wird darüber diskutiert, ein spezielles Mähboot anzuschaffen. Das hat die Stadt Eschwege gegenüber unserer Zeitung bestätig.

Wichtig ist, dass es nicht nur mähen kann, sondern die Pflanzen auch einholt und lagert.

Stephan Bauer, Zentralklärwerk Eschwege

Wie Alex Tschirlich, Vorsitzender des Angelsportvereins erklärt, ist das Krautwachstum in diesem Jahr besonders extrem. Unter anderem liege das daran, dass das Wasser in diesem Jahr klarer ist und mehr Sonneneinstrahlung hindurchlässt. Mähen und die Pflanzen aus dem Wasser entfernen, sagt er, könnte man eigentlich jedes Jahr.

„Das Kraut stirbt ab, sinkt zu Boden, verrottet dort und bietet neuen Pflanzen Nährstoffe.“ Das Wachstum werde dadurch gefördert. Nach Angaben der Stadt gab es die letzte Mähaktion vor sechs Jahren.

Seit einiger Zeit bemühe sich die Stadt bereits, ein Mähboot zu mieten. Doch die Nachfrage sei generell so hoch, dass kurzfristig kaum Mähboote zu bekommen seien. Die Option einer Anschaffung wird laut Scarlett Grebenstein, Pressesprecherin der Stadt, aktuell mit allen beteiligten Fachbereichen und dem Baubetriebshof besprochen und eingeschätzt. Über die Größe und technische Ausstattung des Bootes wird dabei ebenfalls beraten.

Das Seegras wächst bis an die Oberfäche.

Laut Stephan Bauer vom Zentralklärwerk Eschwege, der die Idee ins Rollen gebracht und bereits ein Angebot eingeholt hat, liegen die Kosten für ein passendes Mähboot im sechsstelligen Bereich.

„Wichtig ist, dass es nicht nur mähen kann, sondern die Pflanzen auch einholt und lagert“, erklärt Bauer. Eine hausinterne Entscheidung seitens Eschwege, ob eine Anschaffung sinnvoll ist und wenn ja, in welcher Größenordnung, ist noch nicht abschließend getroffen. Die Kreisstadt wolle dabei nicht im Alleingang handeln, heißt es, vielmehr sei eine Abstimmung mit allen Seenutzern – etwa dem Wasser- und Angelsportverein, Naturcamp in Meinhard sowie der Gemeinde Meinhard – wünschenswert.

Auf Nachfrage sagt Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill, dass vor allem das Ostufer leidtragend sei. Der Haushalt sei jedoch bereits beschlossen, Ausgaben für ein Mähboot seien nicht eingeplant. Dass das Seegras den Anliegern am Ostufer besonders zu schaffen macht, bestätigt auch Rainer Klippert vom Naturcamp am See.

„Wichtig ist, dass man den ganzen See betrachtet und wir alle zusammenarbeiten“, sagt er. Rund 230 Anhängerladungen und damit gut 75 Tonnen Seegras fischt Klippert jährlich mit seinen Helfern aus dem Wasser, berichtet er.

Doch wohin dann mit dem ganzen Kraut? Bisher lagert und kompostiert es Klippert selbst, doch nach den Recherchen seines Teams eigne sich das Seegras als Düngemittel und Dämmmaterial.

Da die Pflanzen bis an die Wasseroberfläche wachsen, verfangen sich auch Boote in dem Gestrüpp. Das geschieht auch dem Team der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Eschwege hin und wieder, erzählt der technische Leiter Martin Sunkel.

DLRG gibt Tipps für Sicherheit im Wasser

Die Wasserpflanzen wachsen nicht überall im Werratalsee, sondern in Form von Feldern. Martin Sunkel, technischer Leiter beim DLRG Eschwege-Wanfried, rät dazu, mit Booten vorausschauend die Krautfelder zu umfahren, damit sich das Seegras unter Wasser nicht um die Propeller wickeln kann. Gerät man doch einmal hinein, helfe oftmals abwechselndes vor- und zurückdrehen des Antriebs, um das Boot wieder zu befreien.

Auch als Schwimmer ist Vorsicht geboten: Auch wenn es unangenehm ist, sollte man nicht in Hektik verfallen, wenn man in ein Seegrasfeld gerät, sondern sich auf den Rücken legen und langsam hinauspaddeln, damit man sich in den Pflanzen nicht verheddert. jes

„Wir sind daran gewöhnt und können uns gut daraus befreien. Trotzdem behindert es in gewisser Weise auch unsere Arbeit.“ Das Schwimmen aber, verdeutlicht er, ist eigentlich nur in den ausgeschriebenen Bereichen am Ostufer und der Eschweger Seite erlaubt. Dort ist es sicher und beaufsichtigt. „Und dort entfernen unsere Taucher die Wasserpflanzen immer wieder.“

Von Jessica Sippel

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