Verwaltungsgebäude soll neu gebaut werden

Kreishaus: Werra-Meißner-Kreis zahlt  800.000 Euro trotz Vertragskündigung

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Die Baulücke klafft: An dieser Stelle am Schlossplatz soll der Neubau des Verwaltungszentrums für den Werra-Meißner-Kreis entstehen.

800.000 Euro hat der Werra-Meißner-Kreis für die hinfällige Planung des Verwaltungs-Neubaus am Schlossplatz in Eschwege ausgegeben.

Am 27. Juni nämlich kündigte der Kreis den Vertrag mit dem Architekturbüro Hufnagel aus Berlin. Das bestätigte Erster Kreisbeigeordneter Dr. Rainer Wallmann auf Anfrage. Architekt Karl Hufnagel geht sogar davon aus, dass der Landkreis schon eine siebenstellige Summe für die jetzt verworfene Planung investiert hat.

Der Kreistag des Werra-Meißner-Kreises hatte die Kündigung des Architektenvertrags im März beschlossen. Einer einvernehmlichen Auflösung habe das Architekturbüro nach Wallmanns Angaben nicht zugestimmt. Für beauftragte und erbrachte Leistungen wurden aber schon knapp 600.000 Euro gezahlt. Dazu kommen Kosten für Bauleitplanung und den vorangegangenen Architektenwettwerb einschließlich verschiedener Gutachten, die Wallmann mit mehr als 200.000 Euro beziffert.

„Grundlage der Entscheidung des Kreistags für den Ausstieg aus dem Architektenvertrag waren die immens gestiegenen Kosten und insbesondere marktbedingte Mehrkosten“, sagt Wallmann. Das Investitionsvolumen erhöhte sich demnach von 10,5 auf 15 Millionen Euro. Auch die Folgekosten wie für den Energieverbrauch und die Gebäudeunterhaltung seien in „nicht zu vertretendem Umfang“ angestiegen. „Leider war das beauftragte Architekturbüro nicht bereit, seinen Planungsentwurf so zu ändern, dass dies gravierende Auswirkungen auf eine Verringerung der Investitions- beziehungsweise Folgekosten gehabt hätte.“

Der Berliner Architekt Karl Hufnagel gab auf Anfrage unserer Zeitung an, dass alleine er bereits 800 000 Euro Honorar bekommen habe. Durch die Kosten für Bauleitplanung, Architektenwettbewerb und Gutachten vermutet Hufnagel, dass der Kreis einen höheren siebenstelligen Betrag investiert haben muss. „Die finanzielle Entschädigung tröstet uns wenig. Wir hätten lieber den Auftrag ausgeführt“, sagt Hufnagel. Er sei sehr wohl bereit, seine Planung für Kostenminderungen abzuändern – noch heute. 

Wie sowohl der Erste Kreisbeigeordnete Dr. Rainer Wallmann als auch der Berliner Architekt Karl Hufnagel bestätigen, sind sich beide Parteien noch nicht über die Ausgleichszahlung einig. Die steht dem Architekturbüro wegen der Kündigung des Vertrags zusätzlich zu den bereits getätigten Zahlungen für erbrachte Leistungen zu. Informationen unserer Zeitung zufolge soll es sich um eine Summe von rund 150.000 Euro handeln. Laut Wallmann läuft das Verfahren noch.

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