Nach Bertelsmann-Studie

Landrat Stefan Reuß befürchtet weite Wege bei Reduzierung der Kliniken im Werra-Meißner-Kreis

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Klinikum Werra-Meißner, Standort Eschwege

Die Idee der Bertelsmann-Studie, mehr als jedes zweite Krankenhaus in Deutschland zu schließen, könnten weite Wege und längere Wartezeiten für Patienten mit sich führen.

Das sagt Landrat Stefan Reuß. „Immer mehr ärztliche Spezialisten würden in Anspruch genommen, weil auch die ärztliche Ausbildung nicht mehr auf die für kleinere Krankenhäuser wichtige umfassende Versorgung ausgerichtet ist“, sagt Reuß, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Gesundheitsholding Werra-Meißner ist.

„Vor dem Hintergrund der räumlichen Ausdehnung in der ländlichen Region haben wir eine bedarfsgerechte Versorgung“, sagt Dr. Claudia Fremder. Die Geschäftsführerin des Klinikums Werra-Meißner macht deutlich, dass daran auch festgehalten werden müsse. Sie widerspricht der Aussage in der Studie, dass eine Verringerung der Klinikstandorte zu einer besseren medizinischen Versorgung der Patienten führen würde. Bei der Notfallversorgung werde genau das Gegenteil erreicht. „Geschlossene Kliniken bedeuten weitere Wege, aber gerade bei Herzinfarkt und Schlaganfall geht es immer um Zeit.“

Eine gute medizinische Versorgung habe auch künftig dezentral zu erfolgen, fordert Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe. „Wir können zwar nicht überall sämtliche Infrastruktur vorhalten, aber aus dem Gebot der gleichwertigen Lebensverhältnisse des Grundgesetzes folgere ich, dass insbesondere die Städte im ländlichen Raum eine Sonderfunktion haben und gestärkt werden müssen“, sagt er. Reuß fordert die Sicherstellung der Notfallversorgung. Die beiden Standorte im Landkreis lägen mehr als 30 Kilometer auseinander, die Erreichbarkeit innerhalb von 30 Minuten sei bei nur einem Standort nicht gewährleistet.

Für Fremder ist das Klinikum Werra-Meißner durch die Studie auch gar nicht infrage gestellt: „Wir sind mit unseren beiden Standorten mit mehr als 500 Betten und Schwerpunktversorgung keine kleine Klinik.“

Bertelsmann-Studie: Zahl der Kliniken mehr als halbieren

In Deutschland gibt es zu viele Krankenhäuser – zu diesem Ergebnis kommt eine jetzt veröffentlichte Studie der Bertelsmannstiftung. Die Verringerung der Klinikanzahl von aktuell knapp 1400 auf deutlich unter 600 Häuser werde zu einer besseren medizinischen Versorgung führen und Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern. Viele Krankenhäuser seien zu klein und würden nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung verfügen, um lebensbedrohliche Notfälle wie Herzinfarkt oder Schlaganfall angemessen zu behandeln.

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