Alle auf einer Leinwand

Leitzentrale in Eschwege überwacht alle Tunnel Hessens

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Tunnelleitzentrale in Eschwege

Eschwege. Sie ist eine einmalige Einrichtung in Deutschland: Die Tunnelleitzentrale in Eschwege, die alle unterirdischen Bauwerke in Hessen überwacht.

Derzeit ist sie damit beschäftigt, alle Tunnel mit dem modernen Sicherheitssystem Helis auszustatten.

Die Ansage kommt unerwartet: „Bitte weiterfahren“, ertönt es aus den Lautsprechern vor dem Lohbergtunnel im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Denn wieder einmal hat ein Fahrer sein Auto in der Bucht kurz vor der Einfahrt abgestellt, um noch schnell zu telefonieren. „Das passiert dort und auch vor dem Schlosbergtunnel im Lahn-Dill-Kreis leider häufiger, ist aber gefährlich“, erzählt Daniel Köhler. Denn dadurch könne die Schranke im Notfall nicht mehr geschlossen werden. Deshalb werde die Ansage getätigt – aus Eschwege.

Der Betriebsingenieur Köhler arbeitet in der Tunnelleitzentrale in Eschwege, die die unterirdischen Bauwerke in ganz Hessen überwacht – und einmalig in Deutschland ist. Denn Hessen Mobil als der Betreiber der Tunnel und der Katastrophenschutz des Werra-Meißner-Kreises arbeiten eng zusammen, die Tunnelexperten sitzen im gleichen Gebäude wie die Mitarbeiter der Rettungsleitstelle. Auch ansonsten nimmt Hessen auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle ein: In kaum einem anderen Bundesland ist die Leitzentrale 24 Stunden lang besetzt. „Rheinland-Pfalz zum Beispiel will das jetzt erst einführen, in Baden-Württemberg gibt es das noch gar nicht“, sagt Günther Schmidt von Hessen Mobil. Zudem ist in einigen der Tunnel bereits die modernste Sicherheitstechnik eingebaut, die in es Deutschland derzeit gibt: das Computersystem „Hessens einheitliches Leitsystem Straßentunnel“, kurz Helis. Das ist bereits im Schürzeberg, im Schulberg- und im Neuhof-Tunnel in Betrieb, als nächstes wird der Walberg-Hopfenbergtunnel damit ausgestattet.

All diejenigen Tunnel, die derzeit im Bau sind, bekommen Helis sofort eingebaut. „Damit können wir die gesamte Technik im Tunnel steuern“, erklärt Köhler. In Sekundenschnelle werden Störungen erkannt und an die Leitzentrale übermittelt. Mittels eines akustischen und visuellen Signals auf dem Bildschirm erkennt der zuständige Mitarbeiter sofort, um welchen Tunnelabschnitt und um welches Problem es sich handelt. Denn an das System angeschlossen sind verschiedene Messgeräte: Der CO2-Wert und die Temperatur im Tunnel werden gemessen, ebenso wie die Sichtverhältnisse. Wird die schlechter, wird sofort ein Alarm ausgelöst. „Wir schauen dann auf den Bildschirmen nach, ob zum Beispiel ein Fahrzeug der Straßenreinigung lediglich viel Staub aufgewirbelt hat oder ob es sich um ein Feuer und damit um einen Notfall handelt“, erklärt Betriebsingenieur Köhler.

Ein Notfall: Der ist den 17 Mitarbeitern der Tunnelüberwachung in der Bahnhofsstraße Gott sei Dank noch nicht unter gekommen. Zwar gebe es immer wieder Auffahrunfälle, gebrannt habe es seit Bestehen der Leitzentrale seit neun Jahren aber noch nicht, sagt Köhler. Sollte dieser Fall einmal eintreffen, kann dank des Systems Helis schnell reagiert werden: Eigenständig riegelt das den Tunnel ab, eine Notbeleuchtung springt an. Lüftungsanlagen an den Decken sorgen zudem dafür, dass der Rauch rausgetrieben wird. „So ist auf der Höhe, auf der die Menschen sind, erstmal kein Rauch“, erklärt Andreas Haberland vom Katastrophenschutz des Werra-Meißner-Kreises. Damit bleiben denen wertvolle Minuten, um sich selbst in Sicherheit zu bringen.

Von Constanze Wüstefeld

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