Lothar Quanz: Seit 20 Jahren im Hessischen Landtag

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Sitzt seit 20 Jahren im Hessischen Landtag: Dieses Foto zeigt Lothar Quanz im Wahlkampf 2013. 2018 wird er nicht wieder antreten.

Eschwege. Lothar Quanz ist am 5. April 1995 zum ersten Mal in den Hessischen Landtag eingezogen. Ein Rückblick auf 20 Jahre als Landtagsabgeordneter.

An seine bitterste Erfahrung im Hessischen Landtag erinnert sich Lothar Quanz ungern. 2003 verlor der große Favorit im Wahlkreis 9 (Eschwege/Witzenhausen) sein Direktmandat. Das war das Jahr, als Quanz im Schattenkabinett von Gerhard Bökel bereits als Kultusminister gehandelt wurde. Die SPD fuhr mit 29 Prozent der Stimmen das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte in Hessen ein – und kostete Quanz das Ministeramt. „Die Niederlage war schnell abgehakt“, sagt Quanz heute. „Ich trauere nicht dem Dienstwagen hinterher, sondern bedauere, dass ich nicht die Chance hatte, noch mehr für die Bildungspolitik zu erreichen.“ Bildung und insbesondere Schule waren immer sein großes Thema. Germanistik, Sport und Politik hatte Quanz studiert, war mit 26 schon Studienrat und später Studiendirektor.

Sitzt seit 20 Jahren im Hessischen Landtag: Dieses Foto zeigt Lothar Quanz im Wahlkampf 1994.

Als vor der Landtagswahl 1995 der Familienrat seiner Kandidatur zustimmte, war Quanz mit Mitte 40 bereit, nochmal mehr bewegen zu wollen. Mit den Ergebnissen ist er zufrieden. Auch ohne Ministertitel. Vor der Wahl 2003 war er für Schulpolitik verantwortlich. „Unsere Themen wie frühkindliche Erziehung und Ganztagsangebote an Schulen wirken heute noch“, sagt Quanz. Wenn er auf seine 20 Jahre im Landtag zurückblickt, zieht er deshalb ein positives Fazit. Fünfmal errang der heute 65-Jährige in sechs Wahlkämpfen das Direktmandat. Zu seinen Erfolgen zählt Quanz auch die Arbeit in der Enquetekommission, die die Hessische Verfassung reformierte. Zwischen 2003 und 2005 war er Vorsitzender der Kommission, die hauptsächlich hinter verschlossenen Türen arbeitete. „Das war eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe“, sagt Quanz heute.

Wenn der Pädagoge über seine Zeit in Wiesbaden nachdenkt, stellt er fest, dass die Zeit davongerannt ist. „Es ist soviel passiert, dass man die Zeit anders wahrnimmt“, sagt Quanz. Politik selbst sei ebenfalls immer schneller geworden. Dazu hätten die neuen sozialen Medien beigetragen. E-Mails, Kurznachrichten, Facebook, Twitter und andere sorgten dafür, dass man häufiger in Kontakt mit anderen Menschen trete, aber auch viel schneller reagieren müsse. „Diese Entwicklung ist Segen und Fluch zugleich“, sagt Quanz.

Ein Segen, dass die Menschen schneller informiert würden, ein Fluch, dass die Inhaltsbegründung der Themen oberflächlich bleibt. In Wiesbaden steht Quanz noch immer in der ersten Reihe der Landespolitik. Seine Meinung, seine Erfahrung ist gefragt. Beim Bildungsgipfel wird er nocheinmal über Reformen im Schulsystem streiten. Ein letztes Mal. Bei der der Landtagswahl 2018 – das hatte er schon einmal angekündigt – will er nicht mehr antreten. Einen siebten Hessen-Wahlkampf wird es nicht geben. Für den Kreistag wird er wieder kandidieren.

Von Tobias Stück

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