„Keine leichte Entscheidung“

Stauffenbühl: Am Wochenende starten wieder Flugzeuge in Eschwege

Schwierige Entscheidung: Die Mitglieder des Eschweger Luftsportvereins haben es sich nicht leicht gemacht, letztlich aber einstimmig dafür plädiert, nach dem tragischen Unglück wieder in die Luft zu gehen.
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Schwierige Entscheidung: Die Mitglieder des Eschweger Luftsportvereins haben es sich nicht leicht gemacht, letztlich aber einstimmig dafür plädiert, nach dem tragischen Unglück wieder in die Luft zu gehen.

Zweieinhalb Wochen nach dem tragischen Flugzeugabsturz auf dem Flugplatz Stauffenbühl nimmt der Eschweger Luftsportverein (ELV) seine Flugaktivitäten wieder auf.

Eschwege – Am Samstag und Sonntag werden die Mitglieder wieder starten. Seit dem Absturz, bei dem zwei Piloten des Vereins ums Leben gekommen waren, hatten sie pausiert. „Aus Respekt vor unseren Freunden und um den Schock zu überwinden“, wie der Vorsitzende des Vereins, Andreas Wagner sagt.

Einfach hat sich der Verein diese Entscheidung nicht gemacht.

Der Eschweger Luftsportverein hat mit einer Unglücksserie zu kämpfen, die sich alle vier Jahre wiederholt. Schon 2013 und 2017 kam es zu Abstürzen, 2021 der nächste. „Natürlich überlegt man dann sofort, ob man den Flugsport nicht vielleicht besser einstellen sollte“, ruft Thomas Schirmer die ersten Gedanken nach dem Absturz hervor. Die Vereinsmitglieder seien geschockt und voller Trauer für die verstorbenen Piloten und ihren Familien gewesen. Auf der anderen Seite habe man auch die Verantwortung für einen gesunden Verein, der seit über 70 Jahren existiert und Mitglieder, die ihrer Leidenschaft nachgehen möchten.

Unglücksserie

Drei Abstürze in acht Jahren: Den Eschweger Luftsportverein (ELV) verfolgt derzeit eine Unglücksserie. 2013 stürzte das Urgestein des Vereins, der damals 85 Jahre alte Heinz Wagner ab, weil beim Landeanflug das Windenseil eines anderen Flugzeugs seine Maschine traf, wie in einem Gerichtsprozess geurteilt wurde. Ein junger Mann bekam eine Bewährungsstrafe. Wagners Passagierin verlor ihr ungeborenes Kind, Wagner einen Unterschenkel. 2017 erwischte es schon einmal den Sontraer Andreas Trube, der 2021 nur Passagier war. Trube hatte Probleme beim Landeanflug und musste durchstarten. Es kam dennoch zum Absturz. Eine Frau aus Wehretal starb, ein Dreijähriger brach sich den Arm, der Ziehvater erlitt schwere Verletzungen. Bis heute kam es nicht zu einem Prozess.

Demut schwinge dennoch immer mit, sagt Wagner. Gerade, weil Eltern ihnen auch viele junge Menschen anvertraut hätten. „Auf unsere drei Fluglehrer kommt jetzt eine besondere Verantwortung zu.“ Die hatten sie erstmals gezeigt, als kurz nach dem Absturz ein junger Flugschüler während der laufenden Reanimation sicher zu Boden gelotst wurde. In diesem Zusammenhang dankt Wagner den Ersthelfern und Seelsorgern, die eine hervorragende Arbeit gemacht hätten und sich im Anschluss um die Vereinsmitglieder und die Familien der Piloten voller Empathie gekümmert hätten.

Absturz vor zwei Wochen: Komplikationen beim Landen

Die beiden erfahrenen Piloten waren am frühen Abend des 23. Juni zu einem Rundflug aufgebrochen. Beim Landeanflug kam es zu Komplikationen. Wie Augenzeugen berichten, sei die Haube des Segelflugzeugs aufgegangen. Beim Versuch sie wieder zu schließen kam es zum Absturz. Wie ein Video zeigt, sei die Haube schon beim Start nicht verriegelt gewesen. Weitere Untersuchungen unternimmt jetzt die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen in Braunschweig. „Mit Ergebnissen ist vor August nicht zu rechnen“, sagt ein Sprecher auf Anfrage.

Ob dieser Unfall durch höhere Sicherheitsvorkehrungen hätte verhindert werden können? „Ich glaube nicht“, sagt Vorstandsmitglied Sandra Luhn, die den Unfall aus nächster Nähe beobachtet hatte. Vor der Flugsaison gebe es für alle Mitglieder aktuelle Sicherheitseinweisungen. Das Verriegeln der Haube sei Teil einer Checkliste vor dem Start. Dieses „Gebet“ sei ein Ritual für jeden Piloten.

Von Tobias Stück

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