Vermieter entdecken Chaos in Eschweger Wohnungen

Mieterin weg, Müll nicht: Frau lebte mit zwei Kindern inmitten von Unrat

Blick in die Küche: Matthias Hoehl zeigt auf den hinterlassenen Müll der ehemaligen Mieterin vor einem Fenster, das tagelang offen stand. In anderen Räumen lagen Dreckwäsche, kaputte Möbel, Essensreste und andere Dinge. Foto: Künemund

Eschwege. Was die Vermieter Christoph Hoehl und sein Sohn Matthias beim Öffnen einer kürzlich verlassenen Wohnung in der Eschweger Neustadt entdeckt haben, hat ihnen die Sprache verschlagen.

Der Müll stapelt sich hüfthoch. Kaputte Möbel, Spielzeug sowie Essensreste fliegen in allen Räumen herum. Von der ehemaligen Mieterin fehlt indes jede Spur. Auf den Kosten für die Entsorgung und die Renovierung bleiben jetzt vermutlich die Hoehls sitzen.

„Das ist grob unfair“, sagt Matthias Hoehl. Noch viel unverständlicher ist seinem Vater, wie die Anfang 30-jährige alleinerziehende Mutter zwei Kinder im Kindergartenalter in diesem Unrat leben lassen konnte. „Keinerlei Verantwortungsbewusstsein“, nennt er das. In solchen Fällen müsse man sich fragen, warum von Amtsseite nicht längst das Sorgerecht entzogen wurde.

Doch das passt laut den Hoehls genau ins Bild. Von August 2015 an lebte die Frau in ihrer Wohnung als Mieterin. Im August 2017 kündigte sie dann. Nach der dreimonatigen gesetzlichen Frist endete das Mietverhältnis zum 30. November. „Die Miete hat für die Sozialhilfeempfängerin immer die Behörde übernommen. Bis auf den letzten Monat, den November, ging die mir immer zu – warum auch immer es dann nicht mehr klappte“, berichtet Matthias Hoehl, der auch in einer Wohnung in dem Gebäude lebt.

Das Problem ist aber nicht die ausstehende eine Monatsmiete, sondern die Tatsache, dass Christoph und Matthias Hoehl jetzt vermutlich die Kosten für die Beseitigung des ganzen Mülls und die damit verbundenen Renovierungsarbeiten (zum Beispiel Streichen) finanzieren müssen. „Eine Schlüssel- und Wohnungsübergabe fand nie statt. Wir sind dann vorgestern selbst reingegangen, weil das Küchenfenster tagelang offen stand und am Wochenende Minusgrade drohen“, erklärt Matthias Hoehl. Bis dahin hätten sein Vater und er gar keine Ahnung gehabt, wie es im Inneren aussieht.

Christoph Hoehl ergänzt, dass es schon ärgerlich sei, dass die Frau vom Staat lebe und keinerlei Versuche unternehme, in Lohn und Brot zu kommen. „Und dann hinterlässt sie eine Wohnung, die sie von den Steuerzahlern finanziert bekommt, auch noch in so einem Zustand“, ergänzt er dazu. Daher sollte man als Behörde doch mal eingehender prüfen, wie mit den zur Verfügung gestellten Zuschüssen, die teils aus Steuergeldern finanziert würden, in der Praxis umgegangen werde.

Christoph und Matthias Hoehl haben jetzt die neue Adresse ihrer Ex-Mieterin recherchiert und werden noch mal um Wohnungsübergabe und Beseitigung der Schäden bitten. Hoffnung auf Entgegenkommen der Frau haben sie aber wenig. Die beiden gehen davon aus, dass sie für Entsorgung und Renovierung aufkommen müssen. Die Mietkaution reicht dafür nicht aus. „Aber wir sind jetzt gewarnt, demnächst schauen wir genau hin, an wen wir vermieten. Das raten wir auch anderen“, sagt Matthias Hoehl.

Ähnliche Fälle im HNA-Gebiet

Auch Heidemarie Zietz hat 2016 schlechte Erfahrung mit ihren Mietern gemacht: Die Frau aus dem Kreis Northeim, hatte mit den Folgen von Mietnomaden zu kämpfen. Berge von Müll, Dreck aus sechs Jahren und Schaden in fünfstelliger Höhe setzten der Vermieterin nicht nur finanziell zu, sondern auch körperlich.

Ähnlich erging es Karl-Heinz Wettlaufer aus Treysa im Schwalm-Eder-Kreis. Auch er sah sich als Opfer von Mietnomaden.

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