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Eschwegerin vernetzt mit Schwälmer Stickerei die ganze Welt

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Von: Tobias Stück

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92 Stickmuster von 74 Stickerinnen aus 14 Nationen hat Luzine Happel während der Pandemie zu einem großen Tuch zusammengefügt.
92 Stickmuster von 74 Stickerinnen aus 14 Nationen hat Luzine Happel während der Pandemie zu einem großen Tuch zusammengefügt. © Tobias Stück

Die Eschwegerin Luzine Happel vernetzt mit Schwälmer Stickerei die ganze Welt.

Eschwege – Über die Resonanz ihres Aufrufes war Luzine Happel am Ende doch sehr überrascht. 92 Motive von 74 Stickerinnen aus 14 Nationen hat sie erhalten, als sie gleich zu Beginn der Pandemie aufgerufen hatte, ihr gestickte Beiträge für ihr Mustertuch der Schwälmer Stickerei zuzusenden. Alle Werke hat sie jetzt zu einem Tuch zusammengefügt. Siebeneinhalb Quadratmeter groß ist der „Global Schwalm Sampler“ am Ende geworden.

Über ihre Webseite und ihren Blog hatte die Eschwegerin am 23. März 2020 Stickerinnen in der gesamten Welt aufgerufen, ihr Stickereien mit der Schwälmer Technik zuzusenden, um ein grenzübergreifendes Projekt zu starten. Eine „willkommene Abwechselung“ und „sinnvoller Zeitvertreib“ während des Lockdowns war der Antrieb von Luzine Happel. Seit Jahren vernetzt sie von Eschwege aus die Anhänger dieser Handarbeit auf der ganzen Welt. Nicht nur der harte Kern, sondern auch viele Anfängerinnen ließen sich vor zwei Jahren von ihrer Initiative anstecken. Nach einem Jahr war das 3,40 Meter mal 2,22 Meter große Tuch fertig. Inzwischen kann man es in ihren Ausstellungsräumen in der Boyneburger Straße – neben Hunderten anderer Stickereien – bewundern.

Eschwegerin vernetzt mit Schwälmer Stickerei die ganze Welt

Vor rund 25 Jahren hat Luzine Happel ihre Leidenschaft ausgeweitet. Nachdem die Kinder groß waren und sie ihren Beruf als Lehrerin aufgegeben hatte, investierte sie mehr Zeit in die Stickerei, die sie von einer Tante aus der Schwalm als Kind erlernt hatte. Anleitung, Literatur und Techniken reichten ihr irgendwann nicht mehr aus. Sie erfand eigene Muster. Auf einem Mustertuch, das sie in den 1990er-Jahren geschaffen hatte, hat sie 341 verschiedene Mustervariationen verewigt, teilweise eigene Muster erfunden. Ihr Mann ermutigte sie mehr daraus zu machen. Sie veröffentlichte ein Buch darüber, gründete einen eigenen Verlag und betreibt inzwischen eine viel beachtete Webseite und einen Blog – seit mehr als zehn Jahren weltweit.

In der ehemaligen Kanzlei ihres Mannes und der Etage darüber ist dann die Ausstellung eingezogen. In Spitzenzeiten kamen 400 bis 600 Besucher aus der ganzen Welt. Luzine Happel erinnert sich an einen US-Amerikaner, der 2017 kam, um einen Kurs bei ihr zu besuchen. „Männer sind aber die absolute Ausnahme“, erzählt sie. Die globale Ausweitung der Schwälmer Stickerei ist aber real. Für das Pandemie-Projekt kamen Einsendungen aus Australien, Kanada, Hongkong, Südkorea oder Taiwan.

Eschwege: Mit Stickerei die Pandemie vergessen

Für ihren „Global Schwalm Sampler“ hatte sie ein Motto vorgegeben. Motive aus der Natur sollten es sein. „Das war weltweit umsetzbar. Das Hauptmotiv in der Schwälmer Stickerei ist beispielsweise das Herz. Aber auch der Lebensbaum, Vögel, Tulpen oder die Sonne kommen häufig vor. „Die Teilnehmer haben mir aber plausibel erklärt, warum sie vielleicht ein anderes Motiv genommen haben“, berichtet sie. Elefanten, Schmetterlinge, Eulen oder auch Schriftzüge gehörten zu den Motiven.

Die eigentliche Arbeit für Luzine Happel kam, als alle Leinenteile in Eschwege eingetroffen waren. Sie musste sie zu einem Tuch zusammensetzen. „Das war eine echte Fummelarbeit.“ Gerade als sie fertig war, kam nach dem Einsendeschluss ein neues Motiv. Also begann ihr Tun von Neuem. Mehrere Wochen brauchte sie dafür. Das Ergebnis und die Mühe können sich sehen lassen.

Termine: Die Ausstellung am Boyneburger Tor 3 kann man auf Anfrage besichtigen. Telefon 0 56 51/3 22 33 oder E-Mail info@luzine-happel.de

Von Tobias Stück

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