Montagsinterview

Musiker Thees Uhlmann: „Die Eschweges dieser Welt sind mir nicht fern“

Wenn drei Tenöre zusammen auf Tour gehen: (von links) Marcus Wiebusch, Axel Bosse und Thees Uhlmann stehen in diesem Jahr zum ersten und wahrscheinlich einzigen Mal zusammen auf den Bühnen in Deutschland. Am Freitag waren sie beim Insel-Flair in Eschwege.
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Wenn drei Tenöre zusammen auf Tour gehen: (von links) Marcus Wiebusch, Axel Bosse und Thees Uhlmann stehen in diesem Jahr zum ersten und wahrscheinlich einzigen Mal zusammen auf den Bühnen in Deutschland. Am Freitag waren sie beim Insel-Flair in Eschwege.

Zum ersten Mal stehen sie in dieser Konstellation auf der Bühne: Thees Uhlmann, Axel Bosse und Marcus Wiebusch. Wir sprachen beim Insel-Flair mit Thees Uhlmann über diese besondere Tour.

Herr Uhlmann, wenn man sonst in großen Städten auftritt, wie ist es dann, hier im beschaulichen Eschwege auf der Bühne zu stehen?
Das ist total egal. Es geht immer um den Auftritt. Man ist nur wegen der Kunst da. Da ich selber aus der Nähe von Cuxhaven komme, sind mir die Eschweges dieser Welt nicht fern. Ich komme ja selbst nicht aus Manhattan. Die Kleinstadt ist das Äquivalent zum Konzert am Sonntag. Wenige wollen am Sonntag aufs Konzert. Aber ganz oft ist gerade das Sonntagskonzert so besonders. Es ist immer richtig schön, an solchen Orten zu spielen. Manche kennen Bosse, haben aber von Thees Uhlmann vielleicht noch nie was gehört. Auch deshalb ist es etwas Besonderes.
Also tut es der Stimmung keinen Abbruch?
Mich fasziniert noch immer, dass ich das überhaupt darf. Wo ich dann spiele, ist egal. Ich bin jetzt 47 und war aber noch nie so berühmt wie jetzt. Das ist für mich einfach unglaublich toll.
Was gefällt Ihnen besonders an Eschwege?
Dieser Ort mit den vielen Fachwerkhäusern ist wunderschön, das ist schon auffällig. Ich mag deutsche Kleinstädte sehr. Manchmal habe ich das Gefühl, als seien Großstädte wie Hamburg oder Berlin auserzählt. Ich gehe auch davon aus, dass wenn mich hier nach dem Konzert jemand anspricht, dass das Gespräch interessanter verläuft, als wenn ich mich in Berlin mit einem anderen Musiker unterhalte. Einfach, weil gänzlich andere Lebensrealitäten aufeinandertreffen.
Zusammen mit Ihren Musikerkumpels Marcus Wiebusch und Aki Bosse sind sie auf Tour. Wie kam das?
Wir sind zunächst alle befreundet. Aber man muss auch klar sagen: Wegen Corona hat Aki Bosse seine Platte noch nicht herausgebracht, die Tour wurde wieder verschoben. Marcus Wiebusch hat auch seit fast zwei Jahren nicht mehr gespielt. Wir wollten daher etwas machen, das logistisch ansonsten gar nicht möglich wäre. Denn jetzt haben wir alle gleichzeitig Zeit. Es war sofort klar, dass wir das alles zusammen machen. Und dann ist es eine Herzensangelegenheit geworden.
Wie ist es so, mit seinen Kumpels durch Deutschland zu touren?
Es ist wunderschön zusammen auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen. Es ist unverkrampft. Es ist unprätentiös. Bei uns gibt es keine Autorität. Und ich glaube, die Leute freuen sich sehr darüber, weil wir auch Lieblingsbands von manchen sind. Als eine Jungstour von drei Männern hat es die „Süddeutsche“ letztens bezeichnet. Das beschreibt es eigentlich ganz gut. Ich glaube, es sieht ganz skurril und süß aus, wenn wir zusammen auf der Bühne stehen.
Ist das dann überhaupt noch wie Arbeit?
Ja. Arbeit ist es auf jeden Fall. Wir haben intensiv geprobt. Kunst macht man auch nicht mit Leichtigkeit. Ich möchte, dass das gut ist. Und ich möchte, dass es die Crew auch gut findet. Wenn die Gäste dann auch noch sagen, dass es ein schönes Konzert war, dann ist es gelungen. Das ist aber mit Arbeit und Konzentration verbunden.
Ihr spielt der Tour die Lieblingslieder der jeweils anderen. Wie ist das?
Ich bin früher mit Anfang 20 Marcus Wiebusch hinterhergereist, als er noch in seiner Punkband gespielt hat. Dass ich jetzt einen Song von früher, wie „Benzin und Kartoffelchips“ mitspielen darf und sogar noch eine Idee einbringen konnte, das ist für mich auf der Bühne gelebte und geliebte Kunst, Punk und Freundschaftshistorie.
Gab es beim Proben auch mal Unstimmigkeiten?
Wir haben uns schon künstlerisch miteinander auseinandergesetzt. Ich wollte zum Beispiel, dass ein Bosse-Song ein bisschen härter ist und dann meinte Aki: ,Meinst du wirklich?’. ,Na klar, man muss dem Song auch einen kleinen Schubs geben’, meinte ich. Oder bei Marcus’ Song „Landungsbrücken raus“ wollen Aki und ich den Schlussrefrain mehrmals singen. Davon mussten wir Marcus erst einmal überzeugen.
Wie befreiend ist es, nach so langer Zeit wieder auf der Bühne zu stehen?
Nach dem zweiten Auftritt war Marcus so angefasst, dass er sich etwas zusammenreißen musste. Ich liebe es, auf der Bühne zu stehen. Es kommt nicht auf die Masse an, wie viele Leute kommen. Gib mir eine Gitarre in die Hand und ich werde singen. Es sind vielleicht nur ein paar Hundert Leute, weil es nicht anders geht, aber den Leuten steht die pure Freude in den Augen. Das ist einfach grandios. Wir alle lechzen danach. In dem ganzen Mist gerade ist es ein ganz tolles Gefühl, dass Musik wieder möglich ist. (Jessica Sippel)

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