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Musikschule unterrichtet jetzt ukrainische Kinder zum halben Preis

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Von: Tobias Stück

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In erster Linie Klavier spielen die Kinder aus der Ukraine – laut Musikschulleiter Ulrich Bernhardt auf einem sehr hohen Niveau.
In erster Linie Klavier spielen die Kinder aus der Ukraine – laut Musikschulleiter Ulrich Bernhardt auf einem sehr hohen Niveau. © Musikschule Werra-Meißner/Taniho/stock.adobe.com

Die Musikschule Werra-Meißner gewährt Kindern und Jugendlichen von geflüchteten ukrainischen Familien Musikunterricht zum halben Preis. Dafür haben sie jetzt Sponsoren gefunden.

Werra-Meißner – Damit kommen die Heranwachsenden, die ihre Heimat aufgrund des Krieges in ihrem Land verlassen mussten, in den Genuss der Sozialermäßigung, die auch Kindern aus sozial schwachen Familien des Landkreises gewährt wird. Um diesen Rabatt zu finanzieren, hat die Musikschule Sponsoren gefunden.

„Wir können den Kindern und Jugendlichen ein Stück Normalität zurückgeben, wenn sie weiterhin ihr Instrument spielen können“, sagt Ulrich Bernhardt, Leiter der Musikschule Werra-Meißner. Mit der Musik könnten die Schüler abschalten, bei Vorspielen sich ein Stück Selbstvertrauen zurückholen. Im Moment ist im Gespräch, dass rund 20 Jungen und Mädchen Schüler der Musikschule werden.

Die Anfragen an die Musikschule hatten sich in den vergangenen Wochen gemehrt. Die interessierten Kinder hatten bereits in ihrem Heimatland Musikunterricht und wollten hier gerne weitermachen. Allein die Mittel fehlten. „Wir übernehmen jetzt die Hälfte der Kosten für jeden der Schüler“, erklärt Bernhardt.

Im Jahr sind das rund 600 Euro pro Schüler. Der knapp kalkulierte Haushalt des Trägervereins gibt das nicht her. Der Förderverein der Musikschule, die Lions-Clubs Eschwege und Bad Sooden-Allendorf sowie der Rotary-Club Eschwege sind Bernhardts Bitte nachgekommen und beteiligen sich an den Kosten. Rund 10 000 Euro sind so zusammengekommen.

Vier Mädchen und Jungen haben bereits mit dem Unterricht begonnen, weitere wollen loslegen. „Die Schüler aus der Ukraine sind auf einem viel höheren Niveau“, berichtet Bernhardt. Bis zu fünfmal pro Woche werden sie in ihrem Heimatland in Theorie und Praxis an ihrem Instrument unterrichtet – und das zu viel geringeren Kosten.

In erster Linie, zu 70 bis 80 Prozent, spielen die interessierten Schüler aus der Ukraine Klavier. Aber auch auf Geige und Blasinstrumenten werden sie jetzt an den Standorten in Eschwege, Witzenhausen und Bad Sooden-Allendorf unterrichtet. Die Lehrer der Musikschule hätten zusätzliche Kapazitäten freigeräumt. Auch das Sprachproblem konnte schon minimiert werden. „In erster Linie unterrichten unsere russischsprechenden Lehrkräfte die neuen Schüler“, sagt Bernhardt.

Die Musikschule Werra-Meißner möchte seit jeher auch Kindern aus sozial schwachen Familien den Zugang zur Musik ermöglichen. Deswegen bekommen auch Schüler aus dem Werra-Meißner-Kreis die Chance auf rabattierten Musikunterricht. Nach Angaben der Musikschule belastet dieses Engagement den Haushalt der Einrichtung jedes Jahr zwischen 30- und 40 000 Euro. (Tobias Stück)

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