Täter hielt Opfer für Nebenbuhler

Nach Angriff auf Nachbarn: Eifersüchtiger Messerstecher bleibt in der Psychiatrie

Angetrieben von wahnhafter Eifersucht hatte ein 57-jähriger Eschweger seinem Nachbarn 2017 zwölf Stich- und Schnittverletzungen zugefügt. Jetzt kommt er auf unbestimmte Zeit in die Psychiatrie.

Der Mann hatte geglaubt, dass der ein Verhältnis mit seiner Frau habe. Das Kasseler Landgericht bewertete dies als Mordversuch im Zustand der Schuldunfähigkeit und wies den in Aserbaidschan geborenen Mann auf unbestimmte Zeit in die Klinik für forensische Psychiatrie in Haina ein.

Die 6. Strafkammer von Richter Volker Mütze folgte damit dem Antrag von Staatsanwältin Julia Beinroth und der Nebenklage. Verteidiger Hammer hatte in seinem Plädoyer bezweifelt, dass sein Mandant tatsächlich an der von einem psychiatrischen Gutachter festgestellten schweren Psychose leidet. Für Richter Mütze hingegen stand fest, dass der Mann psychisch so schwer erkrankt ist, dass er eine Gefahr für seine Familie und die Allgemeinheit darstellt.

Der Beschuldigte hatte am 14. Dezember 2017 den angeblichen Liebhaber seiner Frau in dessen Auto an der Ernst-Metz-Straße gesehen. Er rammte den Passat des Geschäftsmannes mit seinem Mercedes und schlug mit Hammer und Brecheisen auf die Scheibe der Beifahrerseite ein. Als die zertrümmert war, holte er ein Opinell-Klappmesser mit zwölf Zentimeter langer Klinge aus der Tasche und stach auf den Mann ein. 

Mann soll anhaltende Gefahr sein

„Er ist mein Feind, ich hasse ihn.“ Diese letzten Worte des 57-jährigen Beschuldigten im Sicherungsverfahren vor dem Kasseler Landgericht mögen den letzten Beweis dafür gegeben haben, dass der Mann aus Aserbaidschan eine anhaltende Gefahr darstellt. Er wird nun für unbestimmte Zeit in einer Klinik für forensische Psychiatrie untergebracht.

In wahnhafter Eifersucht hatte er im Dezember 2017 auf Kopf, Oberkörper, Arme und Beine seines vermeintlichen Kontrahenten eingestochen. Als der sich mit einem Pfefferspray wehrte, wich der Angreifer zurück, der Geschäftsmann konnte sein Auto starten und davonfahren. In einer nahen Apotheke, dem Arbeitsplatz seiner Frau, war er mit den Worten „Jetzt hat er es geschafft“ stark blutend zusammengebrochen. 

Das Gericht zeigte sich überzeugt davon, dass es das angebliche Liebesverhältnis des Opfers mit der Ehefrau des Beschuldigten nie gegeben habe, sondern sich nur in den eifersüchtigen Wahnvorstellungen des Beschuldigten abspielte. Der 57-Jährige hatte die Familie des Opfers vor der Bluttat fast eineinhalb Jahre lang unentwegt verfolgt und in Angst und Schrecken versetzt. Der Geschäftsmann leidet bis heute unter den Folgen des Angriffs. Er und seine Frau sind in psychiatrischer Behandlung. 

Der Beschuldigte, der bereits jetzt in Haina (Kreis Waldeck-Frankenberg) untergebracht ist, zeigte sich bis zum Schluss uneinsichtig: „Ich bin nicht krank, entehren Sie mich nicht weiter. Ich möchte meine Strafe absitzen.“ 

Genau diese völlige Uneinsichtigkeit in seine Erkrankung hatte der Göttinger Psychiater Dr. Georg Stolpmann als typisch für diese schwere Psychose angeführt. Die Wahnvorstellungen könnten sich jederzeit auch auf andere Personen übertragen und diese in Gefahr bringen. Deshalb bleibe nur die Unterbringung in der Psychiatrie. 

Der Geschäftsmann und seine Frau nahmen das Urteil gestern mit großer Erleichterung auf. Für sie endet damit der Albtraum jahrelanger Verfolgungen durch den Nachbarn, die nicht nur sie, sondern auch Ehefrau und Tochter des Beschuldigten schier endlosen körperlichen und seelischen Belastungen ausgesetzt hatten.

Rubriklistenbild: © Fredrik von Erichsen/dpa

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