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Vorstand hat Auflösung der Nachbarschaftshilfe beschlossen – Rettung bis Frühjahr möglich

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Von: Tobias Stück

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Irmtraud Goethe Vorstandsmitglied
Irmtraud Goethe Vorstandsmitglied © Christin Klose

Traurige Nachrichten: Der Vorstand hat die Auflösung des Vereins der Nachbaschaftshilfe beschlossen. Eine Rettung bis Frühjahr ist jedoch noch möglich.

Eschwege – Der Verein Nachbarschaftshilfe Eschwege wird voraussichtlich zehn Jahre nach Gründung seine Auflösung angeben müssen. Zurzeit befindet sich der eingetragene Verein in der Liquidationsphase. Wohl im Herbst 2023 wird er beim Amtsgericht in Eschwege aus dem Vereinsregister gelöscht. Mehrere Gründe hatten den Vorstand dazu bewogen, die Arbeit nicht fortzuführen.

Fahrdienste, kleine Hilfen im Haushalt oder beim Einkaufen, auf die Kinder aufpassen: Ziel des 2013 gegründeten Vereins war es, Menschen jeden Alters in Eschwege und seinen Stadtteilen wie Nachbarn zu unterstützen. Mehr als 60 Menschen wurden zwischenzeitlich Mitglied in dem Verein. „So wie wir uns das vorgestellt haben, hat das System der Nachbarschaftshilfe in Eschwege aber nicht funktioniert“, erklärt Andrea Röth aus dem Vorstand des Vereins.

Nachbarhilfe braucht selbst Hilfe: Verein wird aufgelöst

So sollte es eigentlich ablaufen: Wer Hilfe leistet, erhält dafür Zeitpunkte, die er wieder einsetzen kann, wenn er selbst Hilfe in Anspruch nimmt. Hat man noch keine, fällt eine geringe Verwaltungsgebühr an. „Leider haben sich in der Vergangenheit zwei Gruppen herauskristallisiert: Die, die nur Hilfe geleistet haben und die, die nur Hilfe in Anspruch genommen haben“, berichtet Röth aus der Praxis. Das solidarische Prinzip des Gebens und Nehmens sei nicht zum Tragen gekommen.

Irmtraud Goethe Vorstandsmitglied
Irmtraud Goethe Vorstandsmitglied © Privat

Auch die Pandemie hat dem Verein zu schaffen gemacht. Sowohl Hilfsbedürftige als auch Helfer, allesamt höheren Alters, hätten sich eher zurückgezogen, berichtet Irmtraud Goethe aus dem Vorstand des Vereins. „Viele hatten Angst vor den Folgen einer Coronainfektion.“ In der Not hätten sich viele auf die Hilfe innerhalb der Familie besonnen. Zudem hat sich die Hauptarbeit des Vereins schon seit Langem auf das Vorstandsmitglied Irmtraud Goethe konzentriert, „was so nicht weiterzuführen war“. Schon in der vorhergehenden Mitgliederversammlung im April 2022 wurde eindrücklich auf diesen Umstand hingewiesen. Eine Lösung gab es nicht. Während der jüngsten Versammlung wurde die Auflösung des Vereins mit 22 Ja-Stimmen bei fünf Enthaltungen mehrheitlich beschlossen.

Nachbarschaftshilfe Eschwege: Verein wird aufgelöst

Irmtraud Goethe, die nach ihrem Umzug aus dem Rhein-Main-Gebiet den Verein mit aus der Taufe gehoben hat, will die Initiative nicht so schnell aufgeben. „Wenn ich nur ein paar neue Mitstreiter hätte, die mir helfen, den Verein bekannter zu machen und einige Aufgaben übernehmen, die Nachbarn eben füreinander tun, wäre mir schon sehr geholfen“, sagt sie. Sie finde es nicht schlimm, wenn sich einige mehr, andere weniger einbringen würden. Irgendwann werde sich das wieder ausgleichen. Auch die Stadt Eschwege, die den Verein von Beginn an stark unterstützt hat, sieht noch nicht das Ende gekommen. Sie haben während der Sitzung eine Frist bis Ende März in Aussicht gestellt. „In den kommenden Monaten werden wir prüfen, mit welchen Organisationsstrukturen und in welchem Spektrum eine Nachbarschaftshilfe in der Kreisstadt fortgeführt werden könnte“, sagt die Sprecherin der Kreisstadt, Rebecca Herzog-Meister.

Kontakt: Wer Interesse hat, bei der Nachbarschaftshilfe Eschwege mitzuwirken, meldet sich unter 0170/1 90 03 36 auf dem Anrufbeantworter oder per E-Mail unter info@nachbarschaftshilfe-esw.de. nachbarschaftshilfe-esw.de

Von Tobias Stück

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