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An der Werra ist ein Gänsepaar mit frischen Küken unterwegs

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Von: Stefanie Salzmann

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Werden Winter kaum überleben: die Jungen des Nilganspaares, das derzeit an der Werrabrücke in Eschwege unterwegs ist. Herbstbruten sind bei der Art nicht ungewöhnlich, weil sie aus Afrika stammt.
Werden Winter kaum überleben: die Jungen des Nilganspaares, das derzeit an der Werrabrücke in Eschwege unterwegs ist. Herbstbruten sind bei der Art nicht ungewöhnlich, weil sie aus Afrika stammt. © Klaus Heinzmann/nh

Wie niedlich: An der Werra in Eschwege ist ein Gänsepaar mit frischen Küken unterwegs.

Eschwege – Es ist für unsere Breiten ein eher ungewöhnlicher Anblick: Gänseküken im Dezember. An der Werrabrücke in Eschwege ist derzeit ein Paar Nilgänse mit etwa acht recht frisch geschlüpften Jungtieren, sogenannten Dunenjungen, unterwegs. Angesichts der Witterung scheint das wie ein Versehen der Natur. Doch die Ursache liegt vielmehr in der eigentlichen Herkunft der Nilgänse.

Deren Hauptverbreitungsgebiet ist Afrika, südlich der Sahara, einschließlich des Niltals bis zur Mündung. „Damit ist die Nilgans ein Vogel der Tropen und Subtropen“, so der Eschweger Naturschützer und Experte Dr. Jörg Brauneis. Dort gebe es keine so ausgeprägten Jahreszeiten wie in Mitteleuropa. Die Brutzeit falle dort im Allgemeinen mit der Regenzeit zusammen. „Wo aber das ganze Jahr ausreichend Wasser und Vegetation vorhanden ist, wie zum Beispiel in Äquatornähe, brüten die Nilgänse das ganze Jahr“, so Brauneis. „Und dieses Verhalten haben die Nilgänse auch in Mitteleuropa beibehalten.“ Herbst- und auch Winterbruten seien daher in unseren Breiten keine Besonderheit. „Bei Wintereinbrüchen so wie jetzt oder gar einer Vereisung der Gewässer haben es die jungen Nilgänse allerdings sehr schwer zu überleben“, weiß Brauneis.

Nilgänse sind invasive Art

Dem Deutschen Jagdverband zufolge hat sich die Nilgans in den vergangenen 15 Jahren rasant in Deutschland ausgebreitet. Während der Naturschutzbund Nabu die ökologische Schädlichkeit der Nilgans in Deutschland eher als gering einschätzt, sehen andere Ökologen das Thema kritischer. Nicht nur, dass sich die Gänse gern in großen Gruppen auf Feldern und Gewässern niederlassen, was Landwirte und Fischer ärgert. Als invasive Art verdrängen sie heimische Arten, weil sie mit ihnen um Nahrung und Nistplätze konkurrieren.

Und dabei sind Nilgänse alles andere als zimperlich. Sie vertreiben sogar Greifvögel und Störche aus dem Nest – so wie in diesem Frühjahr in Grebendorf geschehen, wo die Nilgänse das brutwillige Storchenpaar vom Dach des Grebendorfer Rathauses erfolgreich vertrieben hatten. Ebenfalls in der Region dokumentiert ist, dass Nilgänse die Jungen der Stockenten auf dem Wasser töten.

Unerwünscht: Nilgänse in Eschwege

Auch die EU hat die Nilgänse im Visier: Der Vogel steht auf der Liste der invasiven Arten, die nicht erwünscht sind. Inzwischen haben die meisten Bundesländer für die Nilgans eine Jagdzeit eingeführt, um die rasant wachsende Population unter Kontrolle zu halten. In Hessen liegt diese zwischen dem 1. September und dem 15. Januar.

Dass angesichts der Herbst- und Winterbruten der Nilgänse auch Elterntiere bei der Jagd erlegt werden könnten, hält Brauneis für eher unwahrscheinlich. „In der Praxis ist das nicht schwer zu unterscheiden, weil die Nilganseltern ihre noch nicht flüggen Jungen nie verlassen und nicht sehr weit abstreichen“, sagt er. Zur Aufzucht notwendige Elterntiere sind laut Bundesgesetz immer zu schonen. Das gilt für alle Tierarten. Von Stefanie Salzmann

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