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Staatsanwaltschaft: Polizist wollte sich während des Dienstes Impfzertifikat erschleichen

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Von: Emily Spanel

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Ein Impfpass und ein Smartphone, auf dem die App CovPass läuft, liegen auf einem Impfzertifikat
Ein Impfpass und ein Smartphone, auf dem die App CovPass läuft, liegen auf einem Impfzertifikat, das von einer Apotheke ausgestellt wurde. Der digitale Nachweis ist eine freiwillige Ergänzung des weiter gültigen gelben Impfheftes aus Papier. Deutschland setzt damit ein Vorhaben der Europäischen Union um. +++ dpa-Bildfunk +++ © Stefan Puchner

Weil er sich während der Ausübung seines Dienstes ein digitales Covid-Impfzertifikat erschleichen wollte – so die Staatsanwaltschaft – steht ein Polizist aus dem Kreis vor Gericht.

Eschwege – Der Mann habe dazu, so die Anklage, in einer Apotheke einen Impfausweis mit zwei gefälschten Corona-Impfnachweisen vorgelegt. Unter Strafrichterin Hennemuth aber fiel gestern noch kein Urteil:

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wird der Prozess vorerst ausgesetzt und der fragliche Impfausweis der Urkundenprüfstelle des Hessischen Landeskriminalamtes zur Untersuchung vorgelegt. „Ich kann nicht beurteilen, ob die Impfnachweise echt sind oder nicht“, erklärte der Vertreter der Staatsanwaltschaft nach der Beweisaufnahme.

Ins Rollen gekommen war der Fall im November des vergangenen Jahres. Uniformiert hatte der Polizist die Apotheke betreten und um die Ausstellung des digitalen Covid-Impfzertifikates gebeten. Der Pharmazeutisch-technischen Assistentin aber kamen gleich mehrere Dinge eigenartig vor: Zum einen habe der vorgelegte Impfausweis lediglich die beiden Etiketten der vermeintlichen Covid-Impfungen enthalten. Bei genauerer Betrachtung dieser stellte die 60-Jährige weitere Fälschungsmerkmale fest: Den Etiketten habe das Wasserzeichen gefehlt; und statt abgerundeten Ecken hätten die Etiketten gerade Schnittkanten aufgewiesen. Stutzig habe die Frau auch gemacht, dass der ausstellende Arzt im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ansässig sei und der Angeklagte somit einen aus ihrer Sicht unnötig weiten Weg für die Impfungen auf sich genommen habe. Letztlich alarmierte die 60-Jährige die Polizei.

Wie auch während der Beweisaufnahme ließ sich der Polizist gegenüber den Kollegen nicht ein. In einem durch Verteidiger Dr. Kevin Faber verlesenen Brief an das Gericht erklärte er, seit frühester Kindheit panische Angst vor Spritzen zu haben – Ohnmacht und Krampfanfälle seien die Folge. Als sich sein Arbeitsalltag als Ungeimpfter aber durch immer strengere Regelungen zur Eindämmung des Corona-Virus immer schwerer und umständlicher gestaltet habe, habe er sich letztlich doch zu den Impfungen entschlossen.

Parallelverfahren gegen ausstellenden Arzt 

Die Ermittlungen gegen den Angeklagten sind von der Dienststelle für interne Ermittlungen des Polizeipräsidiums Nordhessen geführt worden. Gegenstand war auch ein Parallelverfahren gegen den Arzt aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg, der wiederum der Ausstellung gefälschter Impfdokumente verdächtig ist. Die Zuständigkeiten in diesem Verfahren liegen in Bad Hersfeld und Fulda. WhatsApp-Verläufe zwischen Arzt und Polizisten wurden sichergestellt. esp

Als belastend wertete die Staatsanwaltschaft dagegen öffentliche Facebook-Einträge des Angeklagten, der sich darin im fraglichen Zeitraum als „ungeimpft“ bezeichnet.

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