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Post blieb liegen: Streik in Eschweger Verteilerzentrum

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Von: Tobias Stück

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Streik am Samstagmorgen: Gewerkschaftsmitglieder stellten in Eschwege den Betrieb ein, um für bessere Löhne zu kämpfen.
Streik am Samstagmorgen: Gewerkschaftsmitglieder stellten in Eschwege den Betrieb ein, um für bessere Löhne zu kämpfen. © Achim Busch

Die Gewerkschaft hat am Samstag (21. Jan.) das Verteilzentrum in Eschwege bestreikt

Eschwege – In manchen Orten im Raum Eschwege sind am Samstag die Briefkästen leer geblieben. Wer auf wichtige Briefe, Päckchen oder Pakete gewartet hat, wurde teilweise nicht beliefert. Auch im Verteilzentrum der Deutschen Post (DP) in Eschwege wurde am Samstag für mehr Lohn und mehr Wertschätzung gestreikt.

Die Gewerkschaft Verdi hatte in der Zeit von 7 Uhr bis 17.30 Uhr zu einem Warnstreik aufgerufen. 18 Gewerkschaftsmitglieder von Verdi und der Kommunikationsgewerkschaft DPV (DPVKOM) folgten dem Aufruf. Das entsprach knapp der Hälfte aller am Samstag eingesetzten Mitarbeiter.

Verdi fordert für die Tarifbeschäftigten bei der Deutschen Post AG eine Entgelterhöhung von 15 Prozent bei einer Laufzeit des Tarifvertrages von zwölf Monaten. Die Ausbildungsvergütungen sollen für jedes Ausbildungsjahr um 200 Euro pro Monat angehoben werden. Die Arbeitgeber hätten in dieser Woche in der zweiten Tarifverhandlungsrunde deutlich gemacht, dass sie nicht bereit seien, die durch die Inflation begünstigten Reallohnverluste der Beschäftigten auszugleichen, sagt Andrea Kocsis, stellvertretende Verdi-Vorsitzende und Verhandlungsführerin mit der Deutschen Post.

In Eschwege hatte sich die 13 Gewerkschaftsmitglieder um 6 Uhr vor dem Verteilzentrum an der Eisenacher Straße positioniert und alle Mitarbeiter über ihre Forderungen aufgeklärt. Die fünf Mitglieder der DPVKOM hätten sich solidarisch gezeigt, berichtet der Verdi-Vertrauensmann von vor Ort. Durch den Streik ist es nach Informationen unserer Zeitung beispielsweise in Waldkappel, Reichensachsen, Germerode oder Eschwege dazu gekommen, dass Briefe, Päckchen und Pakete nur punktuell zugestellt wurden. Die Zustellung soll am Montag nachgeholt werden.

Dass die Post nicht mehr täglich kommt, kennen Verbraucher aus dem vergangenen Sommer (wir berichteten). Post-Mitarbeiter beklagten sich darüber, dass sie dem Aufkommen nicht nachkommen würden, weil Bezirke aus Spargründen des Konzerns zusammengelegt wurden. Post-Pressesprecher Thomas Kutsch begründete das mit Urlaubszeit und Coronafällen. „Wir waren chronisch unterbesetzt und alle überlastet“, berichtet eine ehemalige Post-Mitarbeiterin von den hohen Belastungen des vergangenen Sommers. Der Frust der Kunden habe sich bei den Zustellern entladen, obwohl diese nichts dafür könnten. Bei den Mitarbeitern würden Bedenken laut, dass sich dieses Verfahren der DP im Sommer 2023 wiederholen könne, sagt der Verdi-Vertrauensmann. Die hohe Flexibilität, die von den Mitarbeitern verlangt werde, müsse sich auch im Gehalt niederschlagen.

Bei der DP sind fast 90 Prozent der Tarifbeschäftigten in den Entgeltgruppen 1 bis 3 eingruppiert. Das Monatsgrundentgelt in diesen Gruppen beträgt zwischen 2108 und 3090 Euro brutto. Diese Tarifbeschäftigten seien im besonderen Maße von der hohen Inflation betroffen, da sie einen großen Anteil ihres Nettoeinkommens für Nahrungsmittel und Energie aufbringen müssten, so Andrea Kocsis. (Tobias Stück)

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