Gestank über dem Dorf

Protest gegen neuen Schweinemastbetrieb mitten in Oberdünzebach

Protest: Rüdiger Fleischer und Ulrich Kreiß organisieren den Widerstand gegen die Pläne, einen Schweinemastbetrieb mitten in Oberdünzebach einzurichten. Foto: Sagawe

Oberdünzebach. Im Eschweger Stadtteil Oberdünzebach protestieren Einwohner gegen Pläne, eine Schweinemastanlage mitten im Dorf einzurichten.

Ulrich Kreiß und Rüdiger Fleischer organisieren gemeinsam mit einigen Nachbarn den Widerstand gegen den Betrieb, der nur etwa 100 Meter von ihren Eigenheimen entfernt Schweine halten will.

„Wir haben Angst vor der Geruchsbelästigung durch die anfallende Gülle“, sagt Fleischer. Die Lebensqualität werde deutlich leiden, die Häuser an Wert verlieren, argumentiert Kreiß. Unterstützung finden die Wortführer des Protestes beim Ortsbeirat. „Wir lehnen die Schweinemast mitten im Ort ab, weil wir erhebliche Beeinträchtigungen für die Wohnlage befürchten“, sagt der stellvertretende Ortsvorsteher Hans-Jürgen Mey.

Ganz anders sehen das der Grundstückseigentümer und das Unternehmen, das die vorhandenen Stallungen pachten und dort Schweine mästen will. „Die Emissionsbelastung wird im Vergleich zur früheren Nutzung des Areals wesentlich geringer sein“, sagt Ernst Saame. Der frühere Landwirt, der inzwischen im Ruhestand ist, hat bis vor wenigen Jahren 30 bis 35 Rinder in dem Stall gehalten. Jetzt verpachtet er die Gebäude an die Agrarfirma Degenhardt, die dort 40 bis 50 Schweine halten will. „Ich werde versuchen, die Belastungen so gering wie möglich zu halten“, verspricht Geschäftsführer Boris Degenhardt. Außerhalb der Ortslage betreibt das Unternehmen bereits seit etwa zehn Jahren einen sehr viel größeren Mastbetrieb. Der neue Standort mitten im Dorf ist als Ergänzung gedacht und „eine rein wirtschaftliche Entscheidung“, so Degenhardt.

Die Anwohner wollen sich damit nicht zufrieden geben. Auch als die Stallungen außerhalb der Ortslage gebaut wurden, sei ihnen versichert worden, dass eine Geruchsbelästigung auszuschließen sei. „Die Realität sieht anders aus“, so Fleischer.

Als der Firma Degenhardt vor rund zehn Jahren die Schweinemastanlage in der Nähe Oberdünzebachs – mehrere hundert Meter außerhalb der Ortslage – genehmigt wurde, habe es ein Windgutachten mit der Aussage gegeben, dass „eine Geruchsbelästigung für das Dorf so gut wie ausgeschlossen ist“, erinnern sich Ulrich Kreiß und Rüdiger Fleischer.

Der Ortsbeirat stützte seine Zustimmung seinerzeit auf dieses Gutachten. „Diese theoretische Annahme wurde seit Beginn der Schweinezucht durch die Realität widerlegt“, formulieren Kreiß und Fleischer jetzt in ihrem Schreiben an die Bauaufsicht des Werra-Meißner-Kreises, in dem sie gemeinsam mit vier anderen Anwohnern gegen Pläne, die Schweinemast auf einen gegenwärtig stillgelegten Stall mitten im Dorf auszudehnen, Widerspruch anmelden.

„Es liegt heute schon teilweise ein Güllegeruch über dem Ort“, schreiben die beiden Protestführer und quantifizieren die Häufigkeit mit etwa zehn Prozent der Tage im Jahr. „Diese Beeinträchtigung würde um ein Vielfaches steigen, wenn Schweinemast wieder innerhalb des alten Ortskerns einzöge“, heißt es in dem Brief. Und je mehr Schweine im Dorf gehalten würden, umso größer sei auch die Menge der anfallenden Gülle, die auf den umliegenden Ländereien ausgebracht werde.

Ernst Saame, Eigentümer und Verpächter der Stallungen, verteidigt das Vorhaben. Die Emissionsbelastung durch die auf 40 bis 50 Schweine ausgelegte Anlage liege deutlich unter der, die früher von 30 bis 35 Rindern verursacht worden sei, argumentiert Saame. „Es fällt weniger als halb so viel Gülle an“, sagt er. Boris Degenhard, Geschäftsführer des Mastbetriebes, weist ebenfalls auf die rechnerische Reduzierung der Belastung hin, räumt aber ein, „dass Schweine etwas intensiver riechen können“ als Rinder. Er sei kein Unmensch und versuche die Belastung für die Anwohner so gering wie möglich zu halten. Die Entscheidung, vorhandene Stallungen zu nutzen und nicht die Anlage außerhalb der Ortslage zu vergrößern, sei aus rein wirtschaftlichen Gründen getroffen worden.

Fleischer und Kreiß, die davon ausgehen, dass ein Großteil der Einwohner Oberdünzebachs ihr Anliegen unterstützt, fordern von der Bauaufsicht die Ablehnung der beantragten Nutzungsänderung für den früheren Rinderstall. Die Behörde prüft derzeit, „ob es sich überhaupt um eine baugenehmigungspflichtige Nutzungsänderung handelt, weil für den Rinderstall eine bauaufsichtliche Genehmigung vorliegt“. Die beabsichtigte Nutzungsänderung sei nur dann genehmigungsbedürftig, wenn durch die Nutzungsänderung weitergehende öffentlich-rechtliche Anforderungen, insbesondere bauplanungsrechtliche Anforderungen, in Betracht kommen, als für die bisherige Nutzung. Geprüft werde auch, ob mit zusätzlichen Emissionen zu rechnen ist.

Von Harald Sagawe

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