Prozess um Vertrauensbruch: 23-Jährige stiehlt Seniorin 37.000 Euro

Eschwege. 37.000 Euro hat eine 23-jährige Eschwegerin einer befreundeten 85 Jahre alten Frau im März aus ihrer Wohnung in Hessisch Lichtenau gestohlen.

Das sah das Amtsgericht Eschwege nach der Beweisaufnahme gestern als erwiesen an und verhängte eine Haftstrafe in Höhe von zehn Monaten - ausgesetzt zur Bewährung für drei Jahre.

In seiner Urteilsbegründung rechnete Richter Dr. Zacharias der Angeklagten das Geständnis positiv an, kritisierte aber, dass es sich bei dem Verbrechen um einen Vertrauensbruch handelt. „Sie ist die Schwester meines Stiefopas und war eine Vertrauensperson. Die Einzige, die immer zu mir gehalten hat“, berichtete die Diebin vorher.

Negativ ins Gewicht fielen die Höhe der Summe und einschlägige Vorstrafen, auch Verurteilungen wegen Eigentumsdelikten. Trotzdem glaubte das Amtsgericht, dass die erste Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt werden sollte, da dies sicher Warnung genug sei. Positiv empfand er das Verhalten der 23-Jährigen nach der Tat, so der Richter. Denn sie sagte: „Ich habe einen Entschuldigungsbrief geschrieben und wieder Kontakt zu ihr. Außerdem zahle ich monatlich 30 Euro - als Zeichen, dass ich es ernst meine.“

Die Angeklagte gab weiterhin zu verstehen, dass sie von ihrem damaligen Lebensgefährten gestalkt, geschlagen und psychisch unter Druck gesetzt worden sei, ihm Geld zu beschaffen. „Ich hatte Angst und wollte ihn einfach nur loswerden“, erzählte sie. Deswegen sei sie im März dieses Jahres mit der Absicht, zwei gesicherte Geldbomben, von denen sie gewusst habe, zu stehlen. „Weil sich eine Kassette so leicht angefühlt hat, habe ich vorsichtshalber beide mitgenommen“, so die Täterin.

21 000 Euro hat das Opfer zurückerhalten. Der Staatsanwalt will Ermittlungen gegen den Ex-Freund anstoßen, bei dem die Angeklagte den Restbetrag vermutet. Außerdem soll er sie ja zur Tat gezwungen haben.

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