Gerede über soziale Netzwerke

Prozess wegen Missbrauchs hinter verschlossenen Türen

Eschwege/Kassel. Der Prozess gegen einen mutmaßlichen Kinderschänder aus Eschwege wird bis Ende Juni vor dem Landgericht Kassel unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Das entschied die Jugendschutzkammer am gestrigen ersten Verhandlungstag auf Antrag von Strafverteidiger Andreas Goschin. Dem 53-jährigen Angeklagten wird schwerer sexueller Missbrauch in über 150 Fällen vorgeworfen. Er soll vier Mädchen im Alter von acht bis 14 Jahren zwischen März 2008 und Mai 2015 und vor einem Jahr dann auch eine 15-Jährige mehrfach sexuell missbraucht haben. Das ging laut Staatsanwaltschaft bis zum Erzwingen des Geschlechtsverkehrs.

Sechs Verhandlungstage sind bis Ende Juni angesetzt. Mit Oberstaatsanwältin Andrea Boesken werden die Interessen der Opfer von einer in diesem Thema überaus erfahrenen und engagierten Expertin vor der 10. Strafkammer vertreten. Darüber hinaus erschienen drei Anwälte als Vertreter der Nebenklage. Stellvertretend auch für seine Kolleginnen betonte Rechtsanwalt Thomas Harmony die Schutzbedürftigkeit der Opfer. Bereits jetzt werde über die sozialen Netzwerke Facebook und WhatsApp im Internet „viel über diese Dinge in Eschwege geredet“.

Während sich die Kammer zur Beratung des Antrages seines Strafverteidigers zurückzog, betete der sommersprossige Angeklagte mit den weißen, dauerwellgelockten schulterlangen Haaren den Rosenkranz und küsste das Kreuz an der bunten Holzperlenkette. Bereits in der Untersuchungshaft sei er Angriffen ausgesetzt gewesen, sagte sein Anwalt. Durch eine öffentliche Berichterstattung dürften die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten nicht noch mehr verletzt werden.

Dem folgte das Gericht und schloss schon vor Anklageverlesung die Öffentlichkeit aus. Das gilt mithin auch für die Plädoyers am Prozessende, in denen üblicherweise das Tatgeschehen noch einmal in Einzelheiten benannt wird.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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